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Lempertz-Auktion in Köln Staunt mich ruhig an, ich bin kostbar

 ·  Ergebnisse: Lempertz in Köln beschert seine Frühjahrsauktion eine der besten Umsätze mit Alter Kunst. Ein Kunsthändler aus London wurde von Kunst des 17. Jahrhunderts angelockt.

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Das Datum des 12. Mai 2012 wird bei Lempertz in Köln in Erinnerung bleiben. Mit einem Ergebnis von mehr als neunzehn Millionen Euro sei die Auktion mit Alter Kunst die „Beste seit zwanzig Jahren“ gewesen, erklärte das Auktionshaus. Das Angebot aus zwei deutschen Privatsammlungen, die in den siebziger Jahren Kunst aus den Malerschulen der Niederlande des 17. Jahrhunderts zusammentrugen, lockte auch einen Kunsthändler aus London an: Johnny van Haeften. Er wurde zum Hauptakteur des Abends, als er sich einige der wichtigsten Stücke sicherte, beginnend mit dem Spitzenlos von Gerard Dou.

Das dramatische Porträt eines „Alten Malers in seinem Atelier“ wurde seiner Favoritenrolle mehr als gerecht: Das Werk ließ in einem Bietgefecht zwischen dem Londoner und einem südamerikanischen Sammler die obere Erwartung von 2,2 Millionen Euro hinter sich und stieg bis auf drei Millionen Euro. Das bedeutete einen neuen deutschen Auktionsrekord für ein Altmeistergemälde. Van Haeften musste mit Aufgeld sogar 3,785 Millionen Euro für das Bild bezahlen. Doch das reichte ihm nicht, und so sicherte er sich Jan van der Heydens Darstellung einer „Gracht in Amsterdam“ bei 440 000 Euro (Taxe 300 000/400 000 Euro) und zwei Gemälde von Philips Wouwermann: den „Aufbruch zur Falkenjagd“ für 280 000 Euro (220 000/260 000) und eine „Südliche Flusslandschaft“ für 260 000 Euro (200 000/ 250 000).

Für eine rheinische Privatsammlung

Den Zuschlag für Avercamps lichte Winterlandschaft (800 00/1,2 Millionen) erhielt ein Händler aus Belgien, der sich mit 1,5 Millionen Euro gegen einen Sammler aus der Schweiz durchsetzte. Zwei Gemälde von Salomon van Ruysdael von 1634 bestätigten die obere Erwartung von 600 000 Euro, eingesetzt von einem Sammler aus Holland. Zum Ausreißer aber entwickelte sich ein „Selbstbildnis“ von Antonis van Dyck: Auf 30 000 bis 40 000 Euro geschätzt, schnellte das Bild bis hinauf auf 420 000 Euro, was für erstaunte Gesichter sorgte. Eine neue Bestmarke erzielte auch François Bouchers „Junges Mädchen beim Hühnerfüttern“ aus dem Jahr 1769, dass seine obere Erwartung von 300 000 Euro bestätigte und demnächst in England auf den Markt kommen wird.

In der Sektion mit Kunst des 19. Jahrhunderts reüssierte die präzise Panorama-Darstellung des Berliner Gendarmenmarktes des jungen Malers Carl Hasenpflug (120 000/130 000), der mit diesem Bild 1822 in der Berliner Akademie-Ausstellung debütierte: Das Gemälde geht in eine rheinische Privatsammlung, die 110 000 Euro dafür einsetzte. Beliebt bei russischen Sammlern sind die romantisierenden Landschaftsdarstellungen von Johann Bernhard Klombeck und Eugène Verboeckhoven: Mit je 80 000 bis 90 000 Euro beziffert, wurden für sie jeweils 75 000 Euro bewilligt. Ein langes Bietgefecht entfachte die Darstellung eines „Stillen Sommertages in den Ruinen des antiken Pompeji“ von Frans Vervloet. Das auf 30 000 bis 40 000 Euro geschätzte Gemälde wurde schließlich erst bei 90 000 Euro zugeschlagen.

In der Sektion mit Kunsthandwerk wurde eine Automatenuhr, auf der ein großer Löwe von einem kleinen Männlein an der Leine geführt wird, zum Spitzenlos. Der im frühen Barock entstanden „Löwenbändiger“ ließ seine Schätzung von 120 000 Euro entspannt hinter sich: Der Hammer fiel erst bei 220 000 Euro, die ein französischer Sammler einsetzte. Beim Porzellan hatte Lempertz eine intensiv farbige, Mitte des 16. Jahrhunderts gefertigte Majolikaplatte mit der Darstellung „Opfertod des Marcus Curtius“ aus Castel Durante im Angebot. Sie wurde mit 140 000 bis 160 000 Euro aufgerufen und konnte bereits bei 135 000 Euro von englischem Handel übernommen werden.

Erfolg schon vor Beginn der Auktionen hatte eine gemeinsame Initiative aus Hubertus Wald Stiftung und Hamburger Privatwirtschaft, die insgesamt 557 000 Euro zusammentrugen, um ein Stück Geschichte in ihre Stadt zurückzuholen: Das gotische Typar des vierten Hamburgischen Stadtsiegels repräsentierte vom 14. Jahrhundert an die Unabhängigkeit Hamburgs. Nach 1945 verschwand das Siegel und tauchte erst 1986 in Privatbesitz wieder auf. Nach einigen Gerichtsverfahren sollte es nun versteigert werden. Jetzt aber ist das Kleinod wieder in Hamburg, zur Freude aller.

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