31.05.2010 · Nach der Restitution ist oftmals vor der Auktion: In London wird ein wunderbares Gemälde von Corot versteigert. Es zeigt eine junge Frau, die von den schönen Dingen im Leben träumt. Das Bild wurde vor zwei Jahren vom Kröller-Müller-Museum zurückgegeben.
Von Fabian GranzeuerDas demonstrative Pausieren war Jean-Baptiste-Camille Corot ein ein beliebtes Motiv. Sein Gemälde „Jeune femme à la fontaine“ fällt jedoch auf: Die junge Frau schaut nicht wie üblich versonnen, sondern mit erhobenem Kopf aus dem Bild und stemmt eine Hand energisch in die Hüfte. Seit den vierziger Jahren konnten sich die Besucher des Kröller-Müller Museums bei Otterlo an diesem Bild erfreuen.
2008 wurde es an die Erben des jüdischen Sammlers und rechtmäßigen Besitzers George Eduard Behrens restituiert, der Sachsenhausen überlebte und nach Kuba floh. Der Berliner Kunsthändler H. W. Lange hatte die Frau am Brunnen 1941 an das holländische Museum vermittelt.
Die Erben haben das Bild nun bei Sotheby's in London zur Auktion gegeben, wo es am 2. Juni mit einer Taxe von 800.000 bis 1,2 Millionen Pfund zum Aufruf kommt. Sie gehen damit den gleichen Schritt wie die Erben von Aranka Munk mit Gustav Klimts „Damenbildnis (Porträt von Ria Munk III)“, das am 23. Juni bei Christie's in London für geschätzte vierzehn bis achtzehn Millionen Pfund auf Gebote wartet.