20.07.2009 · Die Doppelauktion als neues Geschäftsmodell: „Bauhaus reloaded“ bei Ketterer und Quittenbaum in München reüssiert mit diesem Konzept.
Von Brita Sachs, MünchenDen Werbeeffekt hatten Robert Ketterer und Askan Quittenbaum vielleicht nicht zuoberst auf der Zielliste, als sie ihre Auktion „Bauhaus reloaded“ planten, doch das enorme Echo machte ihre Idee der Doppelauktion zum Schlager. Da heben zwei junge Auktionatoren für eine knappe Stunde mit einem guten Thema die Konventionen ihres Metiers aus den Angeln, und schon sind sie in aller Munde: Ketterer, bekannt für Kunstversteigerungen, und Quittenbaum, Spezialist für Design, brachten zum Jubiläum des vor neunzig Jahren gegründeten Bauhaus zusammen, was zusammengehört.
Hilfreich war dabei zusätzlich, dass Ketterer jetzt im neuen Kunsteigenheim gegenüber der Riemer Messe so viel Platz hat, dass sich schon die Vorbesichtigung sämtlicher Stücke bequem an einem Ort bewerkstelligen ließ. Zwar hätte der Saal ruhig etwas voller sein dürfen, und auch manches Ergebnis wäre, vor allem im angewandten Bereich, durchaus noch steigerungsfähig, aber die guten Preise ließen nicht auf sich warten. An Telefongeboten herrschte kein Mangel. Als Erster trat der Hausherr ans Pult. Er verkaufte ein Aquarell von Lyonel Feininger zur Schätzung von 18.000 Euro und rief als zweites Los die äußerst seltene vierte Bauhaus-Mappe „Neue Europäische Graphik“ auf: keine Reaktion. Allerdings kam unmittelbar nach der Versteigerung ein Spätzünder mit dem Limitgebot von 40.000 Euro (Taxe 50.000/70.000 Euro).
Achtungserfolg für Lothar Schreyer
Josef Albers' grün leuchtende Studie zu einer seiner berühmten Hommagen ans Quadrat honorierte ein möglicherweise für ein Museum agierender Sammler mit 160.000 Euro. Das mit Erwartungen bis 240.000 Euro ausgezeichnete Gemälde von Moholy-Nagy einer kubischen „Landschaft mit Häusern“ reüssierte hingegen nicht. Ein Telefonbieter beendete mit 13.000 Euro (7500/8500) den Habenwollen-Streit um Walter Dexels Mondrian-Hommage „MO 65 I“, und Dexels „Krieger mit Lederhelm“ erzielte 9000 Euro (8000/9000). Ein Achtungserfolg gelang drei Farblithografien mit geometrischen Menschenfiguren von Lothar Schreyer, dem Leiter der Bühnenklasse am Bauhaus Weimar: Mit 5200 Euro verdoppelten die Blätter die obere Schätzung. Und ein Bühnenbildentwurf, den Kurt Schmidt 1923 für sein „Mechanisches Ballett“ malte, kostete 1400 Euro. Die Taxe hatte bei 1500 bis 2000 Euro gelegen.
Dann übernahm Askan Quittenbaum den Hammer und schlug damit gleich Alma Siedhoff-Buschers multifunktionalen Kinderspielschrank für 12.000 Euro (18.000) einer öffentlichen Sammlung in Weimar zu: Steht er vielleicht bald im „Haus am Horn“, für das er entworfen wurde und wo derzeit nur ein Nachbau gezeigt werden kann? Erwartungsgemäß waren von den Museen vor allem Rara aus der Schmiede des guten Geschmacks begehrt: Eine „deutsche Institution“ sicherte sich Christian Dells Tischlampe „Rondella“ in der seltenen Version mit Kupfer-Fuß für 5200 Euro (4500). Karl Raichles handgeschmiedetes Kaffeeservice aus Zinn übernahm für 6500 Euro (4000) eine amerikanische Sammlung, dazu eine Steingut-Teekanne von Hubert Griemert für 2400 Euro.
Als „eine Gipfelleistung der Fernsprech-Technik“ lobte eine zeitgenössische Beurteilung das in Dessau entworfene und von H. Fuld in Frankfurt produzierte Telefon, das sich für stolze 5500 Euro (1100) ein skandinavisches Museum gönnte, wohin auch Marianne Brandts „Kugelbar“ auf ihrem Tablett, die ein Likörset in sich birgt, für 7500 Euro (4000) zieht. An Mies van der Rohes „Weissenhof“-Freischwinger „MR-20“ in einer sehr frühen Ausführung und mit bestens erhaltenem Rohrgeflecht kann sich in Zukunft ein österreichischer Privatsammler freuen, der ihn knapp unterhalb der Schätzung von 15.000 für 14.000 Euro kaufte. Alles in allem erwies sich die Doppelauktion von Ketterer und Quittenbaum als runde gemeinsame Sache mit Wiederholungswert.