13.12.2007 · Aus dem Angebot der Weihnachtsauktion am 14. und 15. Dezember bei Bolland & Marotz sticht neben hinreißendem Porzellan aus den KPM-Werkstätten vor allem Kunst aus der Worpsweder Künstlerkolonie hervor.
Von Vita von WedelDen Einband zur Weihnachtsauktion am 14. und 15. Dezember bei Bolland & Marotz in Bremen ziert einer aus einer Sammlung von zehn hinreißenden frühbiedermeierlichen KPM-Prunktellern: Es ist eine knapp vierzig Zentimeter weite, runde Kredenzplatte - um 1803/1813, wie auch die anderen Teller - mit einer extrem fein gemalten Berglandschaft samt Wildbach und Viehherde im Spiegel und einer reich farbig und golden ornamentierten Fahne. Wie alle Teller der Sammlung ist auch dieser in bestem Zustand und soll 6600 Euro einspielen. Nicht weniger reizvoll ist unter ihnen ein 24 Zentimeter messender Teller mit einer raffinierten Ansicht des großen polygonen, von Schinkel für Fürst Radziwill entworfenen Saals des Jagdschlosses Antonin (Taxe 3900 Euro).
In der Uhrenabteilung macht vor allem eine seltene und bedeutende, 273 Zentimeter hohe Bodenstanduhr mit Musikspielwerk auf sich aufmerksam, signiert Carstens Bremen 1785. Das zum Teil massive Nussbaumgehäuse ist mit originalen Bronzebeschlägen und kannellierten Viertelsäulen verziert, das Messingzifferblatt ist von einer attraktiven Mondphasenanzeige gekrönt. Das ungewöhnlich aufwendige Musikspielwerk bietet ein Wunschkonzert von mehreren frei wählbaren Melodien: Die Uhr, die in den Kriegswirren auf ungeklärte Weise von Bremen nach England kam, ist nun auf 40.000 Euro taxiert.
Kunst aus Worpswede
Bei den Worpsweder Künstlern lockt vor allem ein charakteristisch ausschnitthafter „Birkenstamm“, um 1901 von Paula Modersohn-Becker auf Leinwand gebannt und seither immer wieder international ausgestellt (27.500). Otto Modersohn ist mit mehreren Landschaften vertreten, darunter ein reizvoll skizzenhafter „Frühling in der Wümmeniederung“ von 1925 für 14.500 Euro. Originellstes Stück bei den Varia ganz hinten im Katalog ist ein Paar schlichter Kleiderschränke: Ihre je zwei Schiebetüren wurden lustvoll und offenbar mit einigem Vergnügen von Käthe Kollwitz gemeinsam mit ihrer Künstlerfreundin Beate Bonus-Jeep mit bildfeldfüllenden Figuren bemalt.
Auf einem der beiden Schränke halten die Künstlerinnen in ganzfigurigen Selbstporträts einen Blumenkranz der Freundschaft zwischen sich, auf dem anderen stehen sich zwei mit Heiligenscheinen gekrönte Frauen gegenüber, bei denen es sich offenbar ebenfalls um Selbstbildnisse handelt. Das schlicht-schöne Schrankpaar wird wohl in der Zeit ihrer innigsten Freundschaft in den Jahren 1897 bis 1899 entstanden sein; es ist mit 5000 Euro beziffert.