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Kunst und Antiquitäten Hier prunkt der Kabinettschrank

12.02.2012 ·  Spitzenstück im Auktionshaus Nagel ist ein Augsburger Möbel von Kunstkammerqualität. Doch den Skulpturen aus der Sammlung-Leopold stiehlt es nicht die Schau.

Von Sophie von Maltzahn
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Skulpturen aus dem Besitz des Wiener Sammlers und Museumsstifters Rudolf Leopold hält das Auktionshaus Nagel in Stuttgart am 15. und 16. Februar bereit. Von diesen 44 Figuren trennt sich nun die Witwe des 2010 Verstorbenen. Unter den insgesamt mehr als tausend Losen des Katalogs mit Kunst und Antiquitäten stellen die Werke aus der Leopold-Sammlung den Großteil bei den Skulpturen.

Vierzehn von ihnen wurden im vergangenen Jahr noch im österreichischen Gotikmuseum in Leogang ausgestellt. Dazu gehört ein 126 Zentimeter hoher auferstandener Christus aus Donauwörth um 1520. Sein rot-blauer Mantel schlägt filigrane Falten, und die rechte Hand ist mit ausgestrecktem Mittel- und Zeigefinger zum Segensgruß geformt (Taxe 30.000 Euro). Die Plastik ist erst kürzlich dem Bildhauer Andreas Frosch zugeschrieben worden; auch das Bode-Museum in Berlin ist im Besitz eines von Froschs Werken.

Ein unvollständiger Frühling

Gleich zwei Arbeiten sind jeweils mit der höchsten Erwartung von 33.000 Euro versehen, beide wurden in Leogang auch museal gewürdigt: Es sind ein Christus als Schmerzensmann in Lendenschurz und mit Dornenkrone, 126 Zentimeter groß und aus Lindenholz um 1390/1400 wohl in der Steiermark geschnitzt, und eine Pietà aus Passau um 1450/60, die gut einen Meter hoch ist. Die Pietà, in der Maria ihren gekreuzigten Sohn auf dem Schoß hält, folgt dem im 14. Jahrhundert weit verbreiteten Größenverhältnis, denn Christus selbst ist kindhaft klein im Vergleich zu seiner Mutter Maria - so klein, dass seine Füße nicht einmal den Boden erreichen.

Den zweiten Teil aus Leopoldschem Besitz bilden zwanzig barocke Skulpturen. Eine rosenwangige weibliche Allegorie des Frühlings aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts führt das Angebot an (12.000). Leider fehlen der 88 Zentimeter hohen Plastik eine Rosette am Rock und ihre typischen Attribute, wie Blumen und Spaten, die ihre zu diesem Zweck geschnitzten Arme und Hände eigentlich halten sollten. Etwas kleiner mit 67 Zentimetern ist die trauernde Gottesmutter, die im 18. Jahrhundert im Umkreis von Johann Peter Schwanthaler entstand. Mit gefalteten Händen und einem offen stehenden Mund richtet sich die Figur inbrünstig nach oben aus (4000). Ähnlich schwungvoll, in geradezu flatternde Gewänder gehüllt, sind die Darstellungen von Maria und Johannes, die in Franken um 1700 entstanden. Die gut vierzig Zentimeter hohen, rückseitig geflachten Skulpturen werden zusammen auf 4000 Euro geschätzt.

Ein Füllhorn aus Wien

Höchsttaxiertes Los des gesamten Angebots ist ein mit Elfenbein furnierter Augsburger Kabinettschrank aus der Zeit um 1650/60, der 100.000 Euro einspielen soll. In den vergoldeten Wellenleisten leuchten zwei Allegorienzyklen der Jahreszeiten und der vier Elemente, und selbst die Rückseite ist mit sternförmigen Intarsien aus Palisander- und Ebenholz und wieder mit Elfenbein verziert. Bei den Gemälden fallen zwei Küstenlandschaften in ovalen Rahmen von Alessandro la Volpe von 1857 auf, die zusammen auf 45.000 Euro geschätzt sind, und ein spätimpressionistischer „Parkweg mit Reitern“, vielleicht die Villa Borghese, von Otto Dill, der signiert, aber nicht datiert ist (25.000).

Beim Kunsthandwerk findet sich ein Füllhorn aus Wien vom Ende des 19. Jahrhunderts, das mit antikisierenden Szenen bemalt auf dem Helm eines Ritters aus Silber montiert ist (17.000). In der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin wurde um 1825 ein Paar gut einen halben Meter hohe Prunkvasen gefertigt, die mit Lorbeergirlanden, Griffen in Adlerform und Kartuschen mit Ansichten von Rom kein typisch klassizistisches Merkmal auslassen (12.000).

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