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Veröffentlicht: 10.01.2013, 05:02 Uhr

Jahresrückblick Schweiz An der Spitze steht eine große Familie

Ein Blick auf die höchsten Zuschläge in Schweizer Auktionen 2012 zeigt: Ferdinand Hodler und Albert Anker sind nicht mehr allein. Und das Haus Koller läuft allen davon.

von Tilo Richter, Basel

In den vergangenen Jahren war die Bilanz der teuersten Kunstwerke, die in der Schweiz versteigert wurden, von einheimischen Künstlern dominiert. Ferdinand Hodler und Albert Anker wechselten sich 2011 mehrfach darin ab, verschiedene Jahresbestmarken zu setzen. Die Ergebnislisten der fünf wichtigsten Auktionshäuser der Schweiz aus den zurückliegenden zwölf Monaten lassen ein anderes Resümee zu: Das Angebot wird wie die Käuferschaft internationaler, und die Zuschläge in Millionenhöhe häufen sich - zumindest bei einigen Anbietern. Denn der Markt baut immer mehr auf frische Ware; alles, was nie oder lange nicht erreichbar war, wird von Sammlern am stärksten umworben.

Während sich Christie’s und Sotheby’s in Zürich auf Schweizer Kunst vorwiegend des 19. und 20. Jahrhunderts beschränken, bieten Koller in Zürich und Genf, Kornfeld in Bern und seit jüngstem Beurret & Bailly in Basel internationale Kunst verschiedener Epochen an. Direkte Vergleiche sind daher schwieriger geworden, dennoch ist klar: Den Schweizer Markt dominiert das familiengeführte Unternehmen Koller, das mit je einer Auktionswoche pro Quartal nicht nur das umfangreichste Angebot bereithielt, sondern mit etwa hundert Millionen Franken zugleich den höchsten Jahresumsatz generierte.

So verwundert es kaum, dass Koller mehrere Objekte in den Schweizer Top Ten plazieren konnte - allen voran eines der kleinsten Gemälde des Auktionsjahres. Das „Blumenstillleben in einer Glasvase mit Eidechse und Schmetterling in einer Nische“ des Niederländers Roelant Savery von 1612 ist kaum größer als eine Postkarte; im März konnte es für 4,7 Millionen Franken nach Russland vermittelt werden.

Christie’s sichert sich den zweiten Rang in der Jahresstatistik. Zugpferd war hier das von Ferdinand Hodler 1898 vollendete Landschaftsbild „Kastanienallee bei Biberist“, das der Künstler dem Sammler Oskar Miller schenkte, dessen Familie das Bild bis in unsere Tage bewahrte und nun erstmals überhaupt auf den Markt brachte. 4,5 Millionen Franken waren hier als letztes Gebot vonnöten, was Hodler zum teuersten einheimischen Künstler in den Schweizer Auktionen des Jahres 2012 machte.

Dem Savery-Stillleben folgten im Herbst bei Koller zwei Meister der Moderne mit Spitzenzuschlägen: Salvador Dalí spielte 3,8 Millionen Franken für sein spektakuläres Costa-Brava-Traumbild „Paysage du Port Lligat avec anges familiers et pêcheurs“ ein, während Paul Signac in derselben Auktion für seine pointillistische Flusslandschaft „Les Andelys, Château Gaillard“ 3,6 Millionen Franken in die Bücher schreiben ließ. Völlig unerwartet sorgte Kollers Asiatika-Auktion im November für Aufsehen, deren Offerte eine Pancaraksha-Göttin aus feuervergoldetem Kupfer enthielt.

Die nur 32 Zentimeter hohe, in Tibet entstandene Figur nepalesischer Schule entstand vor 500 bis 600 Jahren. Nach langem Ringen ging das Los aus einer Schweizer Privatsammlung nach Fernost. Die untere Schätzung auf 180 000 Franken der oberen Taxierung wirken wie Peanuts, wenn man auf das außerordentliche Ergebnis von 2,8 Millionen Franken schaut - einen der höchsten für vergleichbare Stücke erzielten Preise weltweit.

Dass Koller auch Kunden für führende Schweizer Kunst erreicht, belegten im vergangenen Jahr Albert Ankers Bildnisse „Schreibender Knabe mit Schwesterchen I“ aus dem Jahr 1875, das auf exakt drei Millionen Franken kletterte, und „Strickendes Mädchen“ von 1883/84, das es bis 2,9 Millionen Franken schaffte. Beurret & Bailly, das seit 2011 in Basel tätige Auktionshaus, machte mit einem beachtlichen Zuschlag für ein Gemälde von Gustave Caillebotte auf sich aufmerksam. Dessen impressionistische Ansicht des Pariser Ausflugsvorortes Argenteuil stieg im Juni auf 2,5 Millionen Franken. Knapp dahinter rangiert wieder ein Gebot bei Koller: Das Ölbild „Lot und seine Töchter“ punktete mit einer spektakulären Provenienz; denn wie sich herausstellte, handelt es sich bei dem Gemälde um eine seit Jahrzehnten als verschollen geltende Arbeit des spanischen Meisters Francisco de Goya, die um 1770/80 entstand. 2,3 Millionen Franken gab ein niederländischer Sammler aus, um das wiederentdeckte Werk sein Eigen nennen zu können.

“Homme assis à mi-corps - Diego assis“, die Bronze des Schweizer Künstlers Alberto Giacometti von 1965, war mit einem Ergebnis von 2,3 Millionen Franken das Toplos der Auktionstage bei Eberhard W. Kornfeld in Bern. Drucke rücken gewöhnlich kaum in solche Preisregionen vor. Handelt es sich aber um die wichtigste Folge von verschiedenen Originalgrafiken Picassos, ist selbst das möglich: Noch einmal 2,3 Millionen Franken mussten bei Kornfeld bewilligt werden, um neuer Besitzer der berühmten „Suite Vollard“ zu werden, einer Sammlung von hundert grafischen Blättern - hier in rarer, weil vollständig signierter Version -, die Picasso zwischen 1930 und 1937 in einer Art Kunsttauschgeschäft für den Pariser Händler Ambroise Vollard angefertigt hatte.

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Markanter als in den Vorjahren war 2012 das Gefälle. Die deutlich unter den Erwartungen liegenden Dezember-Ergebnisse bei Sotheby’s waren augenfällig; da schwächelte der Umsatz ebenso wie die Quote. Nicht neu, aber inzwischen ausgeprägter ist die Tendenz zu hoher künstlerischer Qualität, gepaart mit prominenter Herkunft oder außergewöhnlicher Geschichte. Marktfrische erwies sich vor allem bei den prominenten Namen als wesentliches Verkaufsargument. Etliche Werke mit jahrzehntelanger Kunstmarkt-Absenz übersprangen ihre Schätzungen deutlich, solche, die noch nie käuflich zu erwerben waren, erreichten Spitzenpreise. Christie’s zeigte mit den starken Zuschlägen für Stücke aus dem Nachlass von Bruno Giacometti und Koller mit der originellen Sammlung von wissenschaftlichen Instrumenten des Architekten Luigi Nessi am Jahresanfang, wie man in verschiedenen Markt- und Preissegmenten in der Schweiz Erfolge verbuchen kann.

Quelle: F.A.Z.

 

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