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Hamburger Buchauktionen : Wolkenpumpe mit Insekten

  • -Aktualisiert am

In Hamburg finden die Buchauktionen in schneller Abfolge statt: Erst Christian Hesse, dann Ketterer und zuletzt Hauswedell & Nolte - ein Blick in die Kataloge.

          In Hamburg drängen sich die drei Versteigerungen mit Büchern wieder eng um das dritte Novemberwochenende. Den Anfang macht am 19. November Christian Hesse. Wieder steckt in dem Angebot eine ansehnliche Folge von Druckgraphiken der Klassischen Moderne, darunter Chagalls bei Maeght in Paris gedruckte Farblithographie „Le peintre à la palette“ von 1952 und Picassos Kollotypie ähnlichen Motivs, „Le peintre“ von 1957 (Taxe je 10.000 Euro). Außerdem kommt ein rares, mit 839 prächtigen Chromolithographien vollständiges Exemplar Alexander Dunckers „Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie“ zum Aufruf, dessen vereinzelte Blätter vom Vorbesitzer wieder zusammengetragen und neu gebunden wurden (45.000). Ansehnlich ist auch die bunte Folge von Widmungsexemplaren, darunter Hans Christian Andersens „Bilderbuch ohne Bilder“, das er mit innigen Worten der Lebensgefährtin von Franz Liszt, Caroline Fürstin zu Sayn-Wittgenstein, widmete (600) und die Erstausgabe von Hans Arps „Wolkenpumpe“ mit einer handschriftlichen Notiz an Walter Dexel von 1922 (1200).

          Ketterer trumpft in der ersten Abendauktion am 21. November in neuen Räumen am Holstenwall mit Rarissima auf wie dem einzig noch bekannten Exemplar einer frühen deutschen Ausgabe der „Legenda aurea“ des Jacobus de Voragine, 1477 in Augsburg gedruckt, und einem der populärsten Bücher seiner Zeit über die Lebensgeschichten der Heiligen mit mehr als 200 altkolorierten Textholzschnitten (25.000). Mit 52 Holzschnitten selbiger Art versehen ist Band zwei der auch „Lübecker Bibel“ genannten „Biblia germanica inferior“ mit Glossen nach den Postillen des Nicolaus de Lyra, 1494 in Lübeck gedruckt (24.000).

          „Pan“ mit der Lithographie von Toulouse-Lautrec

          Als eines der prachtvollsten illustrierten Bücher gilt Maria Sybilla Merians über die „Surinamschen Insekten“ von 1730, hier in der vierten Ausgabe erfreulich breitrandig im Kalbslederband gebunden mit floraler Rückenvergoldung (40.000). Die erste Ausgabe der ersten Auflage von George Catlins legendärem „North American Indian Portfolio“ von 1844, herausgegeben unter Aufsicht und Anleitung des Autors, gibt ein vitales Bild der nordamerikanischen Indianer (50.000). Ein Extrakatalog bietet 400 Losnummern mit Kinderbüchern: zum einen eine ganze Folge von „Movable Books“ aus der Sammlung Landwehr und deutsche Kinderklassiker, Fibeln und Rechenbücher von 1890 bis 1945 aus einer Hamburger Privatsammlung.

          Hauswedell & Nolte startet mit moderner Literatur und Kunst, darunter das seltene, von Chagall illustrierte Kinderbuch „A mayse mit a hon. Dos zigele“ des jiddischen Schriftstellers Pinchas Kahanowitsch, 1917 in Vilnius erschienen (14.000). Bekannter ist das von Kokoschka geschriebene und bebilderte Werk „Der träumende Knabe“ - hier eines der Folge von 275 Exemplaren, die Kurt Wolff 1907 übernahm und mit neuem Einband vertrieb (10.000). Bis auf ein Blatt vollständig ist die Gesamtausgabe der Jugendstil-Zeitschrift „Pan“, dafür mit der oft fehlenden Lithographie „Mademoiselle Marcelle Lender en buste“ von Toulouse-Lautrec (20.000).

          In der Sektion für Naturwissenschaften sticht Georges de Buffons in Zusammenarbeit mit Louis Daubenton veröffentlichtes Hauptwerk, die „Histoire naturelle“ hervor, mit allen bis zu Buffons Tod 1788 erschienenen 36 Bänden (6000). Zu den Höhepunkten bei den Autographen zählt ein unveröffentlichter Brief von Theodor Fontane über seine Kritik der Wallenstein-Aufführung am Königlichen Schauspielhaus Berlin. Er fand sich in einem Album mit Briefen verschiedener Schriftsteller (10.000).

          Quelle: F.A.Z.

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