23.04.2010 · Beim Auktionshaus Koller avancierte ein Stillleben von Abraham Mignon zum Spitzenlos. Bisher war das Gemälde nur von Fotografien bekannt. Der Nachbericht aus Zürich.
Von Tilo Richter, BaselZum Höhepunkt der Altmeister-Versteigerung bei Koller in Zürich avancierte ein Früchte- und Blumenstillleben des Holländers Abraham Mignon: Das 1675, kurz vor seinem Tod, entstandene Gemälde kannte man nur von Schwarzweißfotos, jetzt tauchte die rund dreißig mal vierzig Zentimeter messende Holztafel in einer Schweizer Privatsammlung auf. Bei einer oberen Schätzung von 100.000 Franken erreichte die detailreiche Darstellung - umworben von zwei Interessenten - ein Ergebnis von 360.000 Franken. Von der Hand Pietro Belottis stammt eine in Öl auf Leinwand gemalte Allegorie aus dem 17. Jahrhundert, die Parze Lachesis als ältere Bäuerin darstellend. Auch dieses in einer Schweizer Kollektion wiederentdeckte Gemälde fand mehrere Liebhaber, die den Preis auf 170.000 Franken (Taxe 30.000/40.000) anhoben - und eine neue Rekordmarke für Belotti setzten.
Bei einem Zuschlag von 150.000 Franken, damit im Rahmen der Schätzung, wechselte die in Öl auf Holz gemalte, 72 mal 78 Zentimeter große und hervorragend erhaltene „Bekehrung des heiligen Hubertus“ eines niederländischen Meisters des 16. Jahrhunderts den Besitzer. Aus demselben Jahrhundert stammt ein mit „Ungleiche Liebe“ betiteltes Doppelbildnis: Die Werkstattmaler von Lucas Cranach d. J. brachten das Motiv des Alten, der einer deutlich jüngeren Dame einen Ring ansteckt, um 1540 auf die Holztafel; jetzt investierte ein Sammler 86.000 Franken dafür, was dem Dreifachen der Taxe entspricht. Eine weiteres Gemälde wurde als Werkstattarbeit angeboten, diesmal aus dem Atelier des jüngeren Jan Brueghel.
„Das Vogelkonzert“ konnte im Katalog in Originalgröße abgebildet werden, misst die Kupfertafel doch nur dreizehn mal siebzehn Zentimeter: Aber nicht nur 20.000 Franken, wie die obere Schätzung lautete, konnten am Ende verbucht werden, sondern erstaunliche 73.000 Franken. Francesco Guardis früher „Canal Grande mit Blick auf den Fondaco dei Turchi“ kam in die Nähe seiner unteren Taxe und erreichte einen Hammerpreis von 140.000 Franken (150.000/200.000), während zwei Capricci des venezianischen Vedutenmalers Michele Marieschi, taxiert auf 400.000 bis 600.000 Franken, ohne entsprechende Gebote zurückgingen.
Erwartungsgemäß zog in der Auktion mit Kunst des 19. Jahrhunderts eine kleinformatige Landschaftsskizze in Öl von Camille Corot großes Interesse auf sich. In den Wäldern von Fontainebleau sammelte der Künstler mit geübtem Auge und in unbeschwertem Duktus Motive, die im Pariser Atelier die Vorlage für Gemälde lieferten. Eine dieser Studien im Kleinformat entstand um 1830 und erreichte jetzt 165.000 Franken - deutlich oberhalb der erwarteten 100.000 bis 140.000. Das bei Koller stark vertretene russische Publikum allerdings gab sich diesmal wählerisch: Julius von Klevers „Birkenlandschaft“ von 1883 im Format von 115 mal 142 Zentimetern schwang sich auf 130.000 Franken, was der Einschätzung entsprach. Für Nikanor Greigorevich Chernetsovs „Blick auf die Wolga mit Schiffen“ (200.000/220.000) von 1856 konnte sich allerdings kein Sammler oder Händler erwärmen, ebenso wenig für Aiwasowskis „Küstenlandschaft bei Mondlicht“ in Öl auf Karton (80.000/120.000).
Hohe Verkaufsquote bei den Büchern
Von Dürer gelangten acht Blätter in die Auktion mit Alter Graphik. Alle konnten vermittelt werden, „Nemesis oder Das große Glück“ war besonders hart umkämpft: Der dekorative Kupferstich aus dem Jahr 1501 gilt als selten und hat sich im angebotenen Exemplar zudem hervorragend erhalten, was das siegreiche Gebot von 53.000 Franken (30.000/50.000) erklärt. „Adam und Eva“ aus demselben Dürer-Konvolut landete bei 26.000 Franken. Wohl schon hundert Jahre vor Dürers Stichen hat man in Süddeutschland „Maria mit den zwölf Aposteln“ gedruckt. Aber für den außergewöhnlichen und in dieser Erhaltung vermutlich einmaligen Einblattholzschnitt aus der Zeit um 1420 fand sich bei einer unteren Taxe von 50.000 Franken kein Interessent.
Die Bücher-Auktion brachte bei hoher Verkaufsquote mehrere Spitzenzuschläge. Eine 1523/24 mit zahlreichen Holzschnitten illustrierte Luther-Bibel vervierfachte ihre Schätzung beim Gebot von 17.000 Franken. „Americae pars quarta“ lautet der Titel der von Hieronymus Benzoni reich illustrierten Abhandlung über die indigenen Völker Nordamerikas und die Landnahme durch die Spanier. Das opulent ausgestattete Werk erschien 1594 in Frankfurt und erreichte jetzt einen Hammerpreis von 29.000 Franken. Und endlich erlösten Marc Chagalls BibelIllustrationen in 79 Originallithographien, die als Kleinauflage in den fünfziger Jahren in Paris erschienen, 7500 Franken (4000/6000).
Abraham Mignon
Maximilian Koskull (MaximilianKoskull)
- 23.04.2010, 12:08 Uhr