26.06.2010 · Kulturgut auf dem Markt: Die mit Spannung erwartete Versteigerung der Polaroid-Sammlung bei Sotheby's in New York hat die Erwartungen noch übertroffen. Besonders umworben wurden großformatige Landschaftsaufnahmen von Ansel Adams.
Von Freddy LangerFangen wir klein an - neun mal sieben Zentimeter klein. Ein Polaroidbildchen nur, aber mit dem Konterfei von Farrah Fawcett und geknipst von Andy Warhol. Als Sotheby's bekanntgab, dass man in New York einen Großteil der „Polaroid Collection“ versteigern werde, dienten Beispiele wie dieses Porträt dafür, dass hier auch finanziell weniger gut ausgestattete Sammler fündig würden. Die Aufnahme war auf 5000 bis 7000 Dollar taxiert. Nun brachte sie 35.000 Dollar, das sind mit Aufgeld 43.750 Dollar.
Die Auktion war eine Veranstaltung der Rekorde. Von etwa tausend Losen wurden 89 Prozent verkauft; die Einnahmen addierten sich auf knapp 12,5 Millionen Dollar. Bei den prominenten Namen übertrafen fast alle Bilder ihre Schätzpreise um ein Vielfaches. Für vierzehn Künstler wurden Höchstpreise für eine einzelne Fotografie erzielt - darunter Warhol, Lucas Samaras und Harry Callahan, Chuck Close, Rauschenberg und Hockney. Die teuersten Bilder allerdings waren keineswegs Polaroids, sondern klassische Schwarzweißabzüge; sie machten etwa ein Drittel des Angebots aus.
Etliche dieser Bilder hatte der Polaroid-Gründer Edwin Land selbst zusammengetragen, und solche Ikonen wie „Clearing Winterstorm, Yosemite National Park“ und „Moonrise, Hernandez“ hatte er direkt von Ansel Adams erworben, mit dem er befreundet war: Sie wurden nun für 600.000 und 430.000 Dollar zugeschlagen. Ihr riesiges Format von mehr als 100 auf 130 Zentimetern macht sie allerdings zu außergewöhnlichen Stücken.
Es hatte einige Bedenken wegen der Auktion gegeben. Nach erheblichen finanziellen Engpässen hat das Unternehmen Polaroid - und damit auch dessen einzigartige Fotosammlung - in den vergangenen Jahren mehrmals den Besitzer gewechselt, außerdem schienen bei manchen Aufnahmen die Besitzverhältnisse nicht endgültig geklärt. Vor allem aber handelte es sich bei dem Gesamtkonvolut um ein einzigartiges Kulturgut: Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Polaroid und den bedeutendsten Fotografen ihrer Zeit war hier die Fotografiegeschichte der siebziger und achtziger Jahre in selten zu sehender Reinheit gebündelt. Dem Kunstmarkt aber hat nichts Besseres passieren können. Frische Ware auf solch hohem Niveau ist selten. Die Sammler haben es belohnt.
Freddy Langer Jahrgang 1957, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.
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