http://www.faz.net/-gyz-7gv7z
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 23.08.2013, 16:10 Uhr

Ermittlungen gegen Auktionator Unter Verdacht

Zwischen Dezember 2011 und April 2012 verschwanden etwa tausend Bücher aus der Biblioteca dei Girolamini in Neapel. Nun ermittelt Italien gegen einen Münchner Auktionator wegen Hehlereiverdacht.

Der Geschäftsführer des Münchner Auktionshauses Zisska & Schauer Herbert Schauer sitzt in Untersuchungshaft. Gegen ihn wurde ein europäischer Haftbefehl erlassen. Der Antrag kommt aus Italien. Dort wird ihm vorgeworfen, er habe sich der Hehlerei schuldig gemacht. In einer Mitteilung des Auktionshauses zeigt man sich „erschüttert“ und weist alle Vorwürfe zurück. Herbert Schauer wird im Zusammenhang mit einem eigentlich bereits abgeschlossenen Verfahren beschuldigt. Der ehemalige Direktor der Biblioteca dei Girolamini in Neapel Massimo De Caro wurde im Frühjahr zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, weil er zwischen Dezember 2011 und April 2012 etwa tausend Bücher aus der Bibliothek entwendet und verkauft haben soll. Öffentlich gemacht wurde das Verschwinden der Bücher am 17. April 2012.

In welcher Verbindung aber soll Zisska & Schauer mit diesem Vorfall stehen? Im Mai 2012 plante das Auktionshaus seine traditionelle Versteigerung mit Büchern. Das Angebot war hochkarätig. Die Schätzungen gingen hoch bis auf 200.000 Euro, da zum Programm ein Konvolut gehörte, das nach Auskunft des Hauses, so vermutete man damals, aus einer „Schweizer Sammlung“ stamme. Am Vorabend der Auktion, am 8. Mai 2012, wurden vom Bayerischen Landeskriminalamt vierzehn Lose wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse beschlagnahmt. Das bestätigt Wolfgang Lacher, der Schauer als Geschäftsführer bis zur Klärung des Falls vertritt: Daraufhin habe man die gesamte Sammlung, bestehend aus 400 Losen, aus der Auktion genommen. Der Verdacht der Polizei lautet: Sie stamme aus der Bibliothek in Neapel. Bewiesen sei das allerdings bis heute nicht, die Bücher befänden sich immer noch in München, sagt Lacher. Die italienische Justiz werfe Schauer eine „moralische Mitwirkung bei bandenmäßigem Diebstahl“ vor. Eine Entscheidung über die Auslieferung muss das Oberlandesgericht München treffen.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wichtigste Romane des Herbstes Welchem Buch die Stunde schlägt

Es gibt Autoren mit Einfühlungsvermögen und solche mit Wortgewalt und Witz. Alles Weltliteratur? Ein Ausblick auf die schönsten Romane, die in Kürze erscheinen. Mehr Von Andreas Platthaus

14.08.2016, 11:30 Uhr | Feuilleton
Trauriges Ende einer Party Mehrere Tote bei Brand in Nordfrankreich

In einer Bar in der französischen Stadt Rouen hat ein Brand 13 Menschenleben gefordert. Die Ursache ist noch nicht vollends geklärt, die Ermittler haben einen Verdacht. Mehr

06.08.2016, 10:28 Uhr | Gesellschaft
Justiz in der Türkei Grundlos schuldig

Der türkischen Justiz kann jeder zum Opfer fallen: Dass ein Staatsanwalt einen Journalisten anklagt, schützt ihn nicht davor, selbst vor der Willkür der Justiz fliehen zu müssen. Ein Lehrstück über den Gewaltapparat eines arroganten Staates. Mehr Von Dogan Akhanli

26.08.2016, 11:53 Uhr | Feuilleton
Fernsehtrailer Unter Verdacht

Unter Verdacht läuft am Samstag, den 27.08. um 20.15 Uhr im ZDF. Mehr

26.08.2016, 08:36 Uhr | Feuilleton
Riconelly-Fall in Gießen Mordverdächtige soll zwei weitere Frauen getötet haben

In Gießen soll sie den Zauberer Riconelly getötet haben - nun vermutet die Polizei, dass die mutmaßliche Mörderin aus Aachen noch zwei weitere Frauen umgebracht hat. Mehr

17.08.2016, 14:31 Uhr | Rhein-Main

Ein verlorener Ruf

Von Berthold Kohler

Nichts belastet das Verhältnis Deutschlands zu den ostmitteleuropäischen Ländern stärker als die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin. Mehr 1