Home
http://www.faz.net/-gz2-12yh7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Eine Straßenszene von Pissarro Nach der Restitution

09.06.2009 ·  Für Jahrzehnte lag Camille Pissarros „Le Quai Malaquais“ in einem Zürcher Safe. Vor Gericht erstritt sich Gisela Bermann Fischer ihr Erbe, und liefert das Bild jetzt bei Christie's ein.

Von Lisa Zeitz
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Camille Pissarro malte seine späte Pariser Straßenszene „Le Quai Malaquais et l'Institut“ im Jahr 1903, im Rollstuhl sitzend an seinem Fenster mit Blick über die wolkenverhangene Seine. Nur vier Jahre später erwarb der berühmte Verleger Samuel Fischer, der unter anderen Thomas Mann und Hermann Hesse publizierte, das Bild für seine Sammlung.

Die jüdische Familie war gezwungen, 1935 vor den Nazis aus Berlin zu fliehen, und zog nach Wien, doch hier musste sie das Kunstwerk 1938 zurücklassen, während die Flucht über verschiedene Stationen bis in die Vereinigten Staaten führte. „Le Quai Malaquais“ und Werke von Paul Gauguin, Lovis Corinth und El Greco fielen in die Hände der Gestapo. Trotz intensiver Bemühungen um die verlorene Kunst seit dem Kriegsende blieb das Bild von Pissarro über Jahrzehnte verschollen.

Fund in einem Schweizer Safe

Doch die Enkelin von Samuel Fischer, die Züricher Psychologin Gisela Bermann Fischer, gab nicht auf. Das Gemälde wurde schließlich 2007 unweit ihrer Wohnung in einem Safe der Zürcher Kantonalbank gefunden, wo eine liechtensteinische Stiftung es im Auftrag von Bruno Lohse aufbewahrte. Lohse hatte während des Dritten Reichs in engem Kontakt mit Hermann Göring Kunst für Hitlers Führermuseum zusammengetragen und war nach dem Krieg zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden - zudem war es ihm verboten, weiter mit Kunst zu handeln.

Noch im gleichen Jahr sprach ein Liechtensteiner Gericht das Gemälde der jetzt achtzigjährigen Gisela Bermann Fischer zu. Sie schätzt ihre Ausgaben für die Rückbeschaffung des Gemäldes auf mindestens 500.000 Schweizer Franken, hauptsächlich in Anwaltskosten. Am 23. Juni lässt sie das Gemälde bei Christie's in London mit einer Schätzung von 900.000 bis 1,5 Millionen Pfund versteigern.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Ab in die eTonne

Von Ursula Scheer

Der „eTown-Index“ rechnet aus, in welcher Stadt Deutschlands es die meisten wirtschaftlichen Internetseiten gibt. Googles System dahinter ist ebenso durchschaubar wie verworren. Mehr