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Design, Porzellan und Glas Schöner wohnen mit Rot

 ·  Bislang kannte man nur die Entwürfe zu Henry van de Veldes Tee- und Kaffeeservice. Bei Quittenbaum in München kommt die vollendete Kreation von 1902/03 zur Auktion.

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© Quittenbaum Henry van de Velde, Kaffee- und Teeservice „Service I“ von 1902/1903, Silber, Isolierringe aus Elfenbein (Taxe 60.000/70.000 Euro)

Zum Jubiläum der 100.Auktion hält Quittenbaum in München am 6.Dezember ein ansehnliches Angebot in drei Katalogen parat. Unter dem Titel „Künstler, Designer, Architekten“ erinnert die Hauptpartie an große Entwerfer, die oft nicht nur ein Haus, sondern auch dessen perfekte Ausstattung planten.

Henry van de Velde, ein Matador solcher Gesamtkunstwerke, ist Schöpfer des Spitzenloses: Sein silbernes „Service I“ für Tee und Kaffee von 1902/03 war bislang nur durch die Entwurfszeichnung und ein Tonmodell dokumentiert. Die Fabrikantenfamilie Esche, deren Villa van de Velde in Chemnitz baute und komplett einrichtete, besaß ein solches Service. Es stand, wie ein altes Foto belegt, in Esches gleichfalls von dem innovativen Belgier ausgestatteten Rittergut Lauterbach. Eingeliefert hat diese zurzeit kein weiteres Mal nachweisbare Rarität ein „kenntnisreicher Sammler“; er soll das Ensemble vor dreißig oder vierzig Jahren aus einem Nachlass in Frankreich erworben haben. Auf 60.000 bis 70.000 Euro lautet die Schätzung, ein höherer Zuschlag ist leicht denkbar.

Eingeliefert aus einer süddeutschen Privatsammlung

Ein weiterer van de Velde Entwurf, ein Konferenztisch, der in der Dresdner Avantgarde-Galerie Arnold stand, tritt mit einer Erwartung von 44.000 bis 60.000 Euro an. Bauhaus-Professor Mies van der Rohe selbst schenkte 1934 den Freischwinger „MR-10“ seinem zeitweiligen Mitarbeiter, dem Architekten Herbert Hirche, dessen Familie ihn bis jetzt bewahrte (Taxe 10.000/12.000 Euro). Als Eckart Muthesius dem Maharadscha von Indore 1931 den Palast modernisierte, kamen auch rote Ledersessel mit integrierten Leuchten und Aschenbecher dort hinein. Angeboten werden sie in ihrer Ausführung von 1989 (10000/11000). Weitere knallrote Sitzgelegenheiten: Carlo Mollinos Stuhl (5000/6000) und Hocker (4000/5000) für die „Lutrario Dance Hall“, Luigi Colanis organisch geschwungene Liege „TV-relax“ (12.000/15.000) oder Zaha Hadids Räkelsofa „Moraine“ (18.000/22.000).

Große Namen führt auch ein kleiner Ausflug in die Bildende Kunst. Die Aquarelle und Zeichnungen von Macke und Kirchner sowie zwei Ölbilder von Gabriele Münter stammen sämtlich aus einer süddeutschen Privatsammlung. Höchsttaxiert wurde Mackes Aquarell seines Bonner Wohnhauses von 1911 mit 350.000 bis 450.000 Euro. Eigene Kataloge bekamen eine deutsche Privatsammlung von Rozenburg-Eierschalporzellan und Jugendstilglas von Daum Frères, genauer die Lampen und Miniaturvasen, die aus der Sammlung der Wiesbadenerin Eva Homberg stammen.

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