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Datenbank für fragliche Werke Warnung vor Fälschungen

02.02.2011 ·  Mit einem gemeinsamen „Archiv kritischer Werke“ reagiert der Bundesverband deutscher Kunstversteigerer auf den Jägers-Skandal. So wollen die Auktionshäuser verdächtige Einlieferungen schneller erkennen und auch gewieften Fälschern das Handwerk legen.

Von Sophie von Maltzahn
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Nichts schadet dem Ruf eines Auktionshauses mehr, als wenn es gefälschte Werke zum Aufruf bringt. Die Erschütterungen durch den Jägers-Skandal zeigen abermals und wohl auch nicht zum letzten Mal, wie schnell auch jahrelange Bemühungen um eine gute Reputation zunichtegemacht werden können. Unter dem Vertrauensverlust leidet die gesamte Branche.

Der Bundesverband deutscher Kunstversteigerer arbeitet deswegen an dem Aufbau eines „Archivs kritischer Werke“. Rund tausend Objekte sind bereits verzeichnet, abrufbar allerdings nur von Mitgliedern des Verbandes. „Es ist unsere Pflicht, proaktiv vorzugehen, um uns durch eine bessere Kommunikation vor Fälschern zu schützen“, sagt Markus Eisenbeis, Initiator des Projekts und Inhaber des Auktionshauses Van Ham in Köln.

Bislang warnt Eisenbeis seine Kollegen mit Rundmails, letzten Herbst zum Beispiel vor zwei zweifelhaften Werken des Expressionisten Arnold Topp; sie konnten aus dem Verkehr gezogen werden. Durch eine gut gepflegte Datenbank professionalisiert sich die Kommunikation. Ist die Software im Auktionshaus installiert, kann das Werk in nur wenigen Minuten in die Datenbank eingespeist werden. Einmal im Archiv, am besten mit Fotos in hoher Auflösung, kann es in einem Dialogfeld kommentiert werden. Die Diskussion ist für jeden Nutzer nachlesbar.

Je mehr geteilt wird, desto differenzierter also der Erkenntnisstand, beispielsweise wodurch das Werk aufgefallen ist oder wer vielleicht immer wieder versucht, Fragliches auf den Markt zu bringen. „Allein die Abschreckung ist ein großer Schritt nach vorn“, glaubt Eisenbeis. Die Anmerkungen reichen von kleinen Warnungen bis hin zu stichhaltigen Beweisen. Der Einzige, der das Werk bei einer möglichen Rehabilitation wieder aus dem System nehmen kann, ist derjenige, der es gemeldet hat.

Von der Wiederkehr zweifelhafter Werke

„Wir werden es nicht schaffen, den gesamten Kunstmarkt sauber zu halten“, sagt der Präsident des Verbands Thilo Winterberg vom gleichnamigen Auktionshaus in Heidelberg, „aber wir können vor unseren eigenen Türen so sorgfältig wie nur möglich kehren. Vertrauen ist im Kunsthandel ein klarer Wettbewerbsvorteil.“ Natürlich tauschte sich Winterberg bisher auch mit Kollegen aus, wenn ihm ein Wasserzeichen oder untypisch abgeschrägte Seitenränder bei Druckgraphiken suspekt waren.

Doch Zeit ist Geld, einmal abgewiesen, versuchen es dubiose Eigentümer oft umgehend beim nächsten Haus, am besten kurz vor den Auktionen. So kursieren Werke auf dem Markt, die längst angezweifelt wurden. Ein Beispiel dafür waren Grafiken von Roy Lichtenstein, die ein Österreicher vor drei Jahren bei gleich mehreren Häusern, darunter bei Van Ham, unterbringen wollte. Im letzten Moment - zwei hatten die Seriengraphik schon im Katalog - fiel der Betrug in Köln auf, und die Werke wurden zurückgezogen. Mit dem Archiv will man durch schnelle und umfassende Kommunikation Betrügern zuvorkommen.

Nicht nur für hausinterne Verdachtsfälle

Fällt ein Werk als zweifelhaft auf, kann es nicht konfisziert werden - der Besitz von Fälschungen ist nicht strafbar, nur der Handel damit. Vor Gericht mussten Erkenntnisse aus der Datenbank allerdings noch nicht herhalten. „Es ist vielmehr ein internes Frühwarnsystem mit subjektiven Einschätzungen und keine Fälscherdatenbank“, erklärt Winterberg. Nicht zuletzt durch die Sorge, dass ein Werk ungerechtfertigt „verbrannt“, also vorschnell als Fälschung abgetan werden könnte, hat es Jahre gedauert, bis die Datenbank aufgesetzt werden konnte.

Über die Echtheit eines Werkes können sich schließlich auch Kenner uneins sein. Man wünscht sich deswegen für die Zukunft eine stärkere Zusammenarbeit mit Experten, schließlich soll die Datenbank nicht nur mit hausinternen Verdachtsfällen gefüttert werden. „Wir treffen dabei auf große Aufgeschlossenheit“, sagt Winterberg. Das kann Margherita Checchin, einzige Betreuerin des Projektes im Auftrag des Verbands, nur bestätigen: „Experten sind selbst daran interessiert, dass ihr Künstler nicht mit Fälschungen belastet wird, und leiten uns ihre Erkenntnisse weiter.“

Interner Newsletter in Planung

Zurzeit schult sie die Mitarbeiter in den Auktionshäusern, wie dort Hinweise eingespeist werden können. „Von vielen Händlern höre ich, dass schon lange nach einer Lösung gesucht wurde, um Betrügern Einhalt zu gebieten“, sagt die Kunsthistorikerin und Juristin weiter. Die über tausend Einträge der letzten Jahre sind wohl nur ein Bruchteil der kursierenden Werke, und der Zulauf bei Margherita Checchin floriert.

Das meiste speist sich aus bestehenden Werksverzeichnissen, doch auch aktuelle Meldungen werden immer häufiger. Ein interner Newsletter für eine noch schnellere Kommunikation bei erhobenen Zweifeln ist deswegen in Planung. Und auf dem möchte keiner gerne stehen.

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