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Carl Barks als Maler Die Kunst, im Gold zu baden

 ·  In Dallas werden zehn Gemälde versteigert, die sich alle Entenhausen widmen. Gemalt hat sie Carl Barks, gesammelt der Radiounternehmer Kerby Confer. Schätzpreise gibt es nicht, aber erwartet wird eine Million Dollar.

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Seine erste Million machte Kerby Confer mit Mitte dreißig. Da hatte der 1940 geborene Amerikaner den Wert einer Radiostation, die er zwei Jahre zuvor in seiner Heimatstadt Williamsport, Pennsylvania, für 600.000 Dollar gekauft hatte, vervierfacht. Noch heute kann er nicht ohne Rührung auf dieses Geschäft zurückblicken. Das hat er gemeinsam mit dem Entenhausener Großunternehmer Dagobert Duck, der seine erste Million aus Nostalgie sogar in klingender Münze aufbewahrt: tief vergraben in all den weiteren Millionen, die seinen berühmten Geldspeicher füllen.

Duck und Confer eint auch ihr Arbeitsethos: Außer fürs Geldverdienen bleibt keine Zeit. Ein einziges Hobby allerdings hat sich Confer gegönnt, und es hat mit Dagobert Duck zu tun. Im Jahr 1983 entdeckte der Radiounternehmer in einem Katalog eine Lithographie, die ihn begeisterte. Das lag nicht nur an den fünf Figuren – Dagobert Duck und dessen Neffen Donald, Tick, Trick und Track –, die gerade dabei waren, im Geldspeicher die Messlatte für den Pegelstand des dort aufbewahrten Vermögens zu verlängern, sondern was Confers besonders vergnügte, war ein Bulldozer, der im Hintergrund auf den Goldmassen abgestellt stand und offensichtlich dazu dienen sollte, den ganzen Reichtum umzuschichten. So etwas amüsiert Millionäre.

Und sie fackeln nicht lange, wenn sie etwas amüsiert. Confer wollte sofort ein Exemplar der für 500 Dollar angebotenen Lithografie erwerben, doch die ganze Serie von 500 Exemplaren war ausverkauft. Immerhin erfuhr er so den Namen des Künstlers: Carl Barks. Da Millionäre Kaufenttäuschungen nicht so rasch ad acta legen müssen, hielt Confer die Augen weiter offen, und 1985 wurde auf einer Auktion ein Ölgemälde von Barks ausgerufen, das gleichfalls eine Geldspeicher-Szene zeigte. Bei 35.000 Dollar stieg Confer aus.

Danach kam ein anderer Besucher der Versteigerung auf ihn zu und bot Confer ein anderes Barks-Gemälde zum Kauf an: ausgerechnet die Vorlage zu der Lithographie, die Confer so bewundert hatte. Ihr Name: „An Embarrassment of Riches“. Doch so einschüchternd wie der Name war auch der für dieses Bild geforderte Preis: 75.000 Dollar. Confer kaufte nicht.

Es gibt nur ein einziges extremes Querformat

Drei gescheiterte Anläufe also, und trotzdem hat Confer seit 1985 eine der beiden größten Sammlungen von Barks-Gemälden zusammengetragen (die zweite bedeutende Kollektion gehört dem amerikanischen Comic-Versandhändler Steve Geppi). Rund fünfzig Bilder nennt Confer sein eigen, und zehn davon werden am kommenden Freitag auf einen Schlag versteigert, beim Auktionshaus Heritage in Dallas, das sich vor allem durch seine Internet-Aktivitäten zum wichtigsten Anbieter von Comic-Originalen in den Vereinigten Staaten entwickelt hat.

Was dieses größte jemals angebotene Konvolut an Barks-Gemälden kommerziell bedeutet, mag man daran ermessen, dass allein fünf solcher Werke, die in den letzten drei Jahren bei Heritage angeboten wurden, jeweils mehr als 100.000 Dollar erzielt haben. Und keines davon hatte die Bedeutung einzelner Bilder aus Confers Sammlung. „An Embarrassment of Riches“ hat er später nämlich doch noch gekauft, und Carl Barks hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass dies sein Lieblingsbild war. Oder „The Golden Fleece“ aus dem Jahr 1972: Das ist nicht nur ein sehr frühes Duck-Gemälde, sondern auch das einzige extreme Querformat, das Barks jemals gemalt hat. „Flubbity Dubbity Duffer“ wiederum gehört sogar zu jenem ersten Dutzend Bilder, das noch auf Leinwand gemalt wurde, ehe Barks auf speziell beschichtete Masonite-Tafeln umstieg.

122 Gemälde in fünf Jahren

Warum sind die Bilder überhaupt entstanden? Der 1901 geborene Carl Barks hatte von 1942 bis 1968 Comics mit den Ducks gezeichnet, ohne dass sein Name bekanntgeworden wäre – alles lief damals unter „Walt Disney“. Einige Fans seiner Geschichten aber spürten ihn im Ruhestand auf, und als sie im Arbeitszimmer von Barks eine Staffelei sahen, auf der er Landschaften malte, bat einer der Besucher um ein Gemälde nach einem alten Donald-Duck-Titelbild. 150 Dollar will er geboten haben, wenn Barks ihm den Gefallen tue; der Künstler erinnerte sich später, fünfzig dafür erhalten zu haben.

Dieser Gefallen sprach sich herum, und weitere Wünsche von Duck-Liebhabern trafen ein. Der Disney-Konzern erlaubte Barks den Gebrauch der urheberrechtsgeschützten Figuren, und so entstanden binnen fünf Jahren 122 Ölgemälde. Dann waren die Preise auf mehrere tausend Dollar gestiegen, und es tauchten erste unauthorisierte Kunstdrucke auf, so dass Disney die frühere Erlaubnis widerrief – sehr zur Freude von Barks, der endlich wieder Freizeit hatte.

Barks reiste zu seinen Bildern

Als Anfang der achtziger Jahre sein Name als Comiczeichner immer berühmter wurde, bekam er wieder die Genehmigung, pro Jahr ein oder zwei neue Bilder mit Entenhausener Motiven zu malen, die dann als Vorlagen für Lithographien-Serien fungierten. So eroberten die Ducks in Öl den Massenmarkt; die Gemälde allerdings wurden immer teurer und sind es geblieben, obwohl der Barks-Boom nach dem Tod des Zeichners im Jahr 2000 abgeflaut ist.

Kerby Confer lernte Barks erst kennen, als der Künstler schon 95 Jahre alt war. Zwei Jahre zuvor aber hatte der Sammler einige seiner Bilder für eine Ausstellung in Kopenhagen und Stuttgart ausgeliehen, die zum Anlass für die erste und einzige Reise wurde, die Barks aus den Vereinigten Staaten hinausführte. Er selbst, der so wunderbar davon erzählen konnte, wie Dagobert Duck es geschafft hat, ist niemals Millionär geworden.

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Jahrgang 1966, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Bilder und Zeiten“.

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