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Bücher und Graphik in Hamburg : Der Wald im Kästchen

  • -Aktualisiert am

Ein hölzernes Kästchen in Buchform und darin all das, was eine Baumart ausmacht und fertig ist die Xylothek. Eine ganze Sammlung dieser Archive aus Zweigen, Blättern und Früchten kommt jetzt bei Hauswedell & Nolte zum Aufruf - die Vorschau auf die Auktion mit Büchern und Graphik.

          Bei Hauswedell & Nolte in Hamburg kommt bei der Auktion mit Büchern am 19. und 20. November ein ungewöhnliches Buchobjekt zum Aufruf: eine umfangreiche Xylothek aus süddeutschem Privatbesitz. Die ersten Xylotheken wurden Ende des 18. Jahrhunderts durch Candidus Huber aus dem bayerischen Kloster Ebersberg geschaffen, mit der Idee, Früchte, Samen und Zweige mit Holzproben eines Baumes in einem buchähnlichen Kästchen zu vereinen.

          Das traf bald auf Nachahmer, und so entstanden um 1906 die 144 Bände aus der Werkstatt Alexander von Schlümbach und Johann Goller, die in Ausstattung und Gestaltung neue Maßstäbe setzten. Nach alten Verzeichnissen wurden rund zweihundert verschiedene Bände, jeweils in kleinster Auflage, vertrieben. Die angebotene Sammlung umfasst also 75 Prozent des möglichen Gesamtbestands. Der Erhaltungszustand ist nahezu durchgehend sehr gut - nur wenige Lederstreifen sind gebrochen, nur wenige Beigaben (Früchte, Samen, Äste, Blätter) scheinen zu fehlen. Die Schätzung für die Gesamtfolge liegt bei 150.000 Euro.

          Eine Rarität von Nietzsche

          Von Friedrich Nietzsches „Homer“ von 1869 wurden vermutlich nur dreißig Exemplare gedruckt. Die hier angebotene Ausgabe enthält zusätzlich eine Widmung des Autors an seinen engen Freund Carl von Gersdorff (Taxe 15.000 Euro). Merians Topographien tauchen immer mal auf, allerdings so gut wie nie die vollständige Folge in einer einheitlich gebundenen Reihe. Sie umfasst 31 Teile und Register in zehn Bänden, ist erschienen in Frankfurt 1644 bis 1736 und enthält über 1500 Kupferstiche (40.000).

          Komplett ist auch das Konvolut der legendären Exilanten-Zeitschrift „Lilliput - The Pocket Magazine for everyone“, die vom Juli 1937 bis zum September 1949 in London erschien. Sämtliche Titelblätter der 147 Hefte wurden von Walter Trier illustriert. Der bekannte Kästner-Buchgestalter musste 1934 Deutschland verlassen und lebte danach in England. Triers Umschlagillustrationen geben der Reihe eine unverwechselbare Identität. Immer taucht ein Pärchen mit einem Scotchterrier auf, phantasie- und humorvoll variiert, durchaus mit Bezügen zum Weltkrieg.

          Lilliput mit Durchschlagskraft

          Gegründet vom ehemaligen Chefredakteur der Münchner Illustrierten Presse, dem Fotojournalisten Lorant, wurde die kleinformatige Monatsschrift bald zur gewichtigen Stimme des deutschen Exils. Die Texte stammen von Lion Feuchtwanger, Erich Kästner, Albert Koestler, Edgar Polgar, Roda Roda, Ernst Toller, Arnold Zweig, Upton Sinclair und vielen mehr. Die Fotovorlagen der Abbildungen lieferten unter anderen Blossfeldt, Brassaï, Hajek, J. Heartfield und Moholy-Nagy (2500).

          Bei den Autographen locken Briefe, teils mit kleinen Zeichnungen und Holzschnitten, von Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Paul Klee und Alexej von Jawlensky an Emmy Scheyer. Die Empfängerin war Repräsentantin der 1924 gegründeten Künstlergruppe „Die Blaue Vier“, zu der Feininger, Jawlensky, Kandinsky und Klee gehörten. Bereits 1925 stellte sie nach ihrer Übersiedlung nach Amerika diese Künstler in New York aus (200 bis 2000).

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