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Buchauktion im Winter : Mit Nietzsches Widmung

  • -Aktualisiert am

Bei Hauswedell & Nolte in Hamburg erweist sich der antiquarische Markt als recht lebendig: hier die Ergebnisse.

          In schweren Zeiten wie diesen, auf die der Kunsthandel gelegentlich so sensibel reagiert, geht es in Buchauktionen eindeutig unaufgeregter zu: Der antiquarische Markt ist traditionell weit weniger spekulativ, und das zahlt sich in ökonomischen Krisenzeiten aus.

          So verzeichneten Hauswedell & Nolte in Hamburg in ihrer Winterauktion einen Absatz von höchst erfreulichen 82 Prozent, gespickt mit ebenso erfreulichen Ergebnissen. Da konnte die wegen fehlender Vergleichsobjekte exorbitant hoch geschätzte, 144 Bände umfassende Nürnberger „Xylothek“ für immerhin 125.000 Euro (Taxe 150.000) an einen Londoner Händler im Saal abgegeben werden, der offenbar im Kundenauftrag bot.

          Pflanzenformen auf Papier

          Die dekorative Druckgrafik, unverzichtbares Schmuckelement im gutbürgerlichen Wohnzimmer der sechziger und siebziger Jahre und seither weit unter Wert gehandelt, wartet immer noch auf ihre Renaissance: erstaunlich daher das Ergebnis von 5500 Euro (2000) für acht Blätter aus dem schönsten aller botanischen Werke, dem „Hortus Eystettensis“ von 1640.

          Ähnlich stiefmütterlich werden derzeit Kupferstich-Atlanten und Einzelkarten beboten; 31 Bände der berühmten Merian-Topographie aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kamen auf 34.000 Euro (40.000). Wenig später allerdings überraschte J. Blaeus Chinakarten-Sammlung „Novus Atlas Sinensis“ von 1655 mit einem Ergebnis von 15.000 Euro (4000), vom telefonisch bietenden Handel bewilligt.

          In gewebte Seide gebunden

          Seltenes in schönen Ausgaben wird auch im literarischen Feld honoriert: Goethes „Hermann und Dorothea“ im raren gewebten Seideneinband der Luxusausgabe von 1797 stieg von geschätzten 1500 auf 2600 Euro, die Erstausgabe des Briefwechsels zwischen Goethe und Zelter, Berlin 1833, von 250 auf 1000 Euro. In eine bekannte Hamburger Sammlung geht die Erstausgabe der ersten Veröffentlichung Nietzsches, „Homer und die klassische Philologie“, Basel 1869, die als besonderes Bonbon noch eine eigenhändige Widmung des Autors an seinen Freund Carl von Gersdorff aufweist, für 27.000 Euro (15.000).

          Verblüffender war allerdings der Sprung von 200 auf 2600 Euro für eine oval gerahmte, fotografische Reproduktion, um 1870, eines Bleistiftporträts von Novalis als jungem Mann im Profil. Bei den Autographen erwarb ein Hamburger Händler im Sammlerauftrag in Gänze die in Einzelpositionen angebotenen acht Briefe der „Blauen Vier“, für immerhin 17.500 Euro. Eine eigenhändige Porträtskizze mit Widmung von Frida Kahlo vervielfachte ihren Wert von 800 auf 6000 Euro, der Handel wieder verdoppelte die Schätzung für Felix Mendelssohn-Bartholdys eigenhändigen Brief von 1893 mit signiertem musikalischem Albumblatt auf 11.000 Euro.

          Eine signierte Novelle von Robert Walser

          Die reizvolle Provenienz - aus Familienbesitz - verschaffte wohl dem Stammbuch des Heinrich Ulrich Erasmus von Hardenberg, Vater des Novalis, den Anstieg von 400 auf 3600 Euro. Als nicht weniger populär erwies sich Robert Walser: Seine eigenhändige Postkarte von 1919 an Ernest Bovet schnellte von 800 auf 2200 Euro empor und sein eigenhändiges und signiertes Manuskript von „Ophelia. Eine Novelle“, um 1924, auf 34.000 Euro.

          Shakespeares Hamlet-Ausgabe, in der Originalsprache 1930 als Handpressen-Druck bei der Cranach Presse in Weimar unter der Leitung von Harry Graf Kessler gedruckt, geht für 12.500 Euro (9000) in den Handel. Und schließlich erwarb die reizvolle, komplette Folge der legendären Exilzeitschrift „Lilliput. The Pocket Magazine for Everyone“ aus den Jahren 1937 bis 1949 mit den hübschen Illustrationen von Walter Trier für 5000 Euro (2500) ein privater Sammler, der sich, so ist zu hören, durch die Lektüre dieser Zeitung zu seinem Engagement anregen ließ.

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