20.01.2008 · In London wird ein Frauenporträt Picassos geboten. Die Familie Berggruen ist der Einlieferer, des erst im Jahr 2000 erworbenen Bildes. Trotz ihrer bewegten Geschichte scheint die Dame Ruhe zu bewahren.
Von Rose-Maria GroppAm 5. Februar kommt bei Sotheby's in London in der Abendauktion mit Impressionismus und Moderne ein Gemälde von Picasso zum Aufruf, das von der Familie des am 23. Februar 2007 gestorbenen Sammlers Heinz Berggruen eingeliefert wurde. Seine Kollektion mit Meisterwerken der Moderne ist im Berliner Stülerbau zu bewundern, dem heutigen Museum Berggruen. Laut Auktionskatalog hat Berggruen das Bild erst im Jahr 2000 erworben, aus japanischem Privatbesitz; zuvor hatte es 1967 die Galerie Beyeler an den griechischen Reeder Basil Goulandris vermittelt.
Eine schwierige Dame?
Die Schätzung für die 66 mal 51 Zentimeter messende "Tête de femme (La Lectrice - Dora Maar)", ein Porträt seiner Gefährtin, das Picasso im April 1938 malte, liegt bei 6,5 bis 8,5 Millionen Pfund. Die selbstversunkene Dora, die bisher als Leihgabe von Heinz Berggruen im Museum Berggruen hing, ist kein ganz leichtgängiges Bild, zumal in diesen dekorationsfreudigen Zeiten; spröde ist ihre Anmutung. Dass sie mit Berggruen-Provenienz geadelt ist, könnte ihr hilfreich sein. Zur Erinnerung: Heinz Berggruen selbst ließ im Mai 2001 ein Konvolut von sieben Werken Cézannes und Van Goghs versteigern. Nach dem Ankauf seiner Sammlung im Jahr 2000 durch Bund und Land Berlin für 250 Millionen Mark wäre eine weitere, dreistellige Millionensumme dafür erforderlich gewesen, die aber nicht von Sponsoren aufgebracht werden konnte.
In einer angespannten New Yorker Auktion, die Simon de Pury leitete - damals noch für das Haus Phillips, de Pury & Luxembourg, das zu dieser Zeit noch dem LVMH-Luxusgüterkonzern des französischen Unternehmers Bernard Arnault gehörte -, konnten von mindestens erwarteten 98,5 Millionen nur 64,7 Millionen Dollar eingespielt werden. Heinz Berggruen erhielt aber für die Werke eine (ihm, vom Verlauf der Auktion unabhängig, gewährte) Garantiesumme, die selbstredend nicht bekannt wurde, aber sicherlich im Bereich seiner Preisvorstellungen für das Ensemble lag.
Rose-Maria Gropp Jahrgang 1956, Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.
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