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Benefizauktion Rot wie die Liebe, rot wie das Blut

13.02.2008 ·  Die „(Auction) RED“ am Valentinstag in New York will mit Spitzenwerken zeitgenössischer Kunst mindestens 29 Millionen Dollar einspielen, um Afrika zu helfen. Dabei sind gewichtige Namen wie Koons, Hirst oder Demand.

Von Lisa Zeitz, New York
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New York rüstet sich für die spektakulärste Benefiz-Kunstauktion, die die Welt je gesehen hat. Bono, Sänger der irischen Rockband U2, und Damien Hirst, nicht nur Künstler, sondern auch einer der reichsten Bürger Englands, haben sich für den Kampf gegen Aids in Afrika verbündet, zeitgenössische Künstler um Hilfe gebeten und insgesamt 83 Werke von Jeff Koons, Georg Baselitz, Yinka Shonibare, Hiroshi Sugimoto und vielen anderen zusammengetragen. Am Valentinstag, dem 14. Februar, soll eine Welle der Kunstbegeisterung und Nächstenliebe dem Publikum Gebote entlocken, die zusammen 29 Millionen Dollar einspielen könnten. Da ist es natürlich vorteilhaft, dass Larry Gagosian seine schicke Galerie an der 21. Straße in Chelsea für die Ausstellung zur Verfügung stellt und dass Sotheby's rund 15.000 Kataloge weltweit an ausgewählte Sammler verschickt hat. Mit diesen beiden Kundenkarteien müsste es doch möglich sein, die Welt zu retten!

Die Veranstaltung nennt sich „(Auction) RED“ und gibt sich damit als Teil der Kampagne RED zu erkennen, die Bono und Bobby Shriver, Neffe von John F. Kennedy und Schwager von Arnold Schwarzenegger, vor gut einem Jahr ins Leben gerufen haben: Rot wie die Liebe, rot wie Blut. Die Marke RED tut sich mit verschiedenen Firmen zusammen und sammelt so Gelder für den „Global Fund“, der Aids, Tuberkulose und Malaria in Afrika bekämpft und sonst hauptsächlich von Regierungen unterstützt wird, auch von Deutschland. Über 4000 Menschen sterben in Afrika täglich an Aids, und schon mehr als elf Millionen Kinder sind durch Aids zu Waisen geworden. Dabei kostet es nur 40 Cent, so die Mitarbeiter von RED, um zwei Pillen täglich zu finanzieren, die nötig sind, einen Menschen mit HIV am Leben zu erhalten.

Kunstauktion in bester Absicht

Armani, Apple, Converse, Gap oder Motorola haben Produkte wie Sonnenbrillen, iPods, Tennisschuhe und Babywäsche im Angebot, die gegen eine Lizenzgebühr mit dem Schriftzug RED vertrieben werden. Ein Teil der Einnahmen geht an den Global Fund: bisher schon 22 Millionen Dollar. Doch nicht jeder sieht die Helfer in so rosigem Licht. Als die Zeitschrift „Advertising Age“ im vergangenen Jahr berichtete, dass die mit RED affiliierten Firmen rund 100 Millionen Dollar für ihre Werbekampagnen ausgegeben, aber nur 18 Millionen an Einnahmen zu verzeichnen hätten, hagelte es Kritik. Wie lässt sich das Geld am besten aus der Tasche locken, durch Mitleid oder Mode? RED verlässt sich weiterhin auf den Konsum und jetzt auch auf die Lust an der Kunst.

Vorschau: Benefizauktion „RED“ in New York

Bono setzt sich schon seit Jahren für Afrika ein. Wie hat er Damien Hirst gewonnen, 100 handschriftliche Bettelbriefe um die Welt zu schicken? Hirst sagt, er sei von Bono mit seiner Familie nach Südfrankreich eingeladen worden, wo man ihm betrunken um fünf Uhr morgens eine Zusage entwunden habe. Er selbst hat sieben hochkarätige Werke beigesteuert, darunter auch das teuerste Los der Auktion, „Where there's a will, there's a way“, geschätzt auf 5 bis 7 Millionen Dollar: ein fast drei Meter breiter Pillenschrank, auf dessen 62 Metallschienen fein säuberlich Pillencocktails liegen, die jeweils eine Tagesration antiretroviraler Medikamente repräsentieren. Die beschrifteten Tabletten und Kapseln sind keine echten Medikamente, sondern von Ateliergehilfen angefertigte Repliken aus Gips und bemaltem Kunstharz. Hirsts Freund Bono sieht das eigens für die Auktion geschaffene Werk als Metapher: „Eine Pille wird Kunst und wird wieder zur Pille.“

Der Schatten ist die Lösung

Wer die Ausstellung in der Gagosian Gallery besucht, kann nur staunen. Da wuchern in wildem Rot die Formen und Materialien, da glänzt und leuchtet es, da wird die Liebe beschworen und dort die Medizin. Und was hat das Gestrüpp aus Drähten und Metallbändern am Boden zu bedeuten? Die Antwort gibt der Scheinwerfer, der aus dem abstrakten Wust von Tim Noble und Sue Webster an der Wand den Schatten zweier Ratten beim Liebesspiel zaubert - inklusive der zum Herz verschlungenen Rattenschwänze (Taxe 80.000/120.000 Dollar). Der publikumsscheue Graffiti-Künstler Banksy hat auf witzige Weise ein Werk von Damien Hirst zum zeitgenössischen Trompe-l'oeuil gemacht: Vor dem gut drei Meter breiten „Spot Painting“ steht jetzt in Lebensgröße eine Hausangestellte mit Schürze und Haube, die im Begriff ist, den Dreck ihrer Kehrschaufel hinter der hochgerafften Leinwand verschwinden zu lassen: „Keep it Spotless“ ist auf 250.000 bis 350.000 Dollar geschätzt.

All die Kunst wird am Vorabend der Auktion zum Rahmen für eine exklusive Cocktailparty. Larry Gagosian und die Sotheby's-Expertin Lisa Dennison, die ehemalige Direktorin des New Yorker Guggenheim Museum, geben sich die Ehre, und als dritte Gastgeberin firmiert Anna Wintour, die berühmt-berüchtigte Chefredakteurin der amerikanischen „Vogue“ (und Vorbild für Buch und Film „The Devil Wears Prada“). Und wenn dann der englische Auktionator Oliver Barker am Valentinstag die Kunst erst an den Mann gebracht hat, dann wird bei Sotheby's gefeiert. Für Blumenschmuck und Dekoration ist Avi Adler angeheuert, für die Musik DJ Q-Tip und die Band „The Hours“. Ob Bono auftreten wird, ist hingegen eher fraglich - auch wenn Hirst sich das wünscht.

Zum Schluss noch eine Bemerkung für jene Misanthropen, die hinter der Großzügigkeit der Künstler etwaige Steuervorteile vermuten. Zwar gilt in den Vereinigten Staaten generell, dass Individuen, die Kunstwerke an qualifizierte Organisationen stiften, deren Marktwert von der Steuer absetzen können, doch der Steuerberater Adam Urban von der New Yorker Firma Kirshenbaum, Urban & Tan weiß es genau: „Wenn ein Künstler sein eigenes Werk stiftet, kann er nur seine Kosten absetzen. Das ist alles! Sogar, wenn sich das Werk dann für fünf Millionen Dollar verkauft. Wenn es nur fünf Dollar gekostet hat, es herzustellen, dann kann er genau fünf Dollar von der Steuer absetzen. Für den Marktwert oder seine Zeit - gar nichts.“

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 10.02.2008, Nr. 6 / Seite 59
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