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Autographen : Nietzsche schreibt an Emily

  • -Aktualisiert am

Die Auktionen von Stargardt in Berlin sind stets Höhepunkte für Sammler von Autographen. Auch diesmal gab es wieder Leckerbissen.

          Die vorsichtig kalkulierten Preise der rund 1200 Autographen, die Stargardt im Berliner Opernpalais versteigerte, sind fast alle weit übertroffen worden. Ein seit langer Zeit erstmals angebotenes Gedicht von Paul Celan, vom französischen Handel übernommen, stieg von 1600 auf 7000 Euro. Stefan Georges bildschönes Handschreiben brachte 5800 Euro (Taxe 3000), ein halbseitiges Manuskript von Peter Handke 450 Euro (150). Ein auf 1200 Euro geschätzter Feldpostbrief des geistlichen Lyrikers Jochen Klepper an seine Frau stieg nach privatem Gebot auf 13.000 Euro.

          Goethes Briefe an den Legationsrat Falk wanderten bei 18.000 Euro (16.000) in das Weimarer Goethe-Schiller-Archiv, eine Mitteilung des Olympiers an Antonie Brentano bei 19.000 Euro (12.000) in das Frankfurter Freie Deutsche Hochstift. Die von eigener Hand illustrierten Gedicht-Autographen Hermann Hesses erzielten Preise zwischen 1500 und 3600 Euro. Unerwartet hoch stiegen „Taschen-Krümel“ des „Kuttel Daddeldu“ von Joachim Ringelnatz - von 1600 auf 4800 Euro. Das Goethe-Museum in Düsseldorf ersteigerte für 15.000 Euro (16.000) Schillers korrigierte Fassung der Übersetzung von Racines „Phaedra“. Zwei Manuskripte Robert Walsers erzielten 20.000 und 22.000 Euro.

          Ein Brief des italienischen Abenteurers Cagliostro an den Kardinal Rohan stieg nach Gebot des österreichischen Handels von 3500 auf 6000 Euro. Vier Handschreiben von Angehörigen der Familie Curie erzielten Preise zwischen 800 und 4200 Euro. Fünf bedeutende Briefe Nietzsches an die befreundete Engländerin Emily Fynn brachten 140.000 Euro, deutlich oberhalb der Schätzung von 40.000 Euro. Ebenfalls 140.000 Euro (60.000) erzielte ein bisher unveröffentlichtes Konvolut ärztlicher Beratungen des Begründers der Homöopathie, Samuel Hahnemann.

          Die 231 Briefe Savignys an seinen Vetter und Vormund Ludwig Friedrich Kroeber (40.000) gingen erstaunlicherweise zurück. In der Abteilung Bildende Kunst fiel die nach 1960 entstandene Tuschpinselzeichnung eines Früchtestilllebens von Karl Schmidt-Rottluff aus dem erwarteten Preisrahmen von 2000 Euro: Zuschlag bei 9500 Euro. Das älteste Autograph der Auktion, ein Geschäftsbrief Giorgio Vasaris, erreichte 7000 Euro (6000).

          Ein früher Brief von Gandhi

          Eine Quittung über 32 Groschen, die Johann Sebastian Bach dem Leipziger Hofmeister Ignaz Ratsch für eine Klaviermiete ausgestellt hatte, stieg von 40.000 auf 140.000 Euro, die das Bach-Archiv Leipzig bewilligte. Ein New Yorker Privatier übernahm bei 16.000 Euro (2500) das Fotoporträt mit Widmungszeilen des siebenunddreißig Jahre alten Komponisten Gustav Mahler. Mendelssohn-Bartholdys inhaltsreicher Brief an den Jugendfreund Karl Klingemann erreichte 15.000 (4000) und das Manuskript der Sonatine „perpetuum mobile“ für Pianoforte von Max Reger 5500 Euro (4000). Unter den Wagner-Losen kam die partielle Neufassung des Schlusses der Ouvertüre des „Fliegenden Holländers“, privat übernommen, auf 50.000 Euro (20.000). Hugo Wolfs Vertonung des Eichendorff-Gedichts „Heimweh“ stieg von 12.000 auf 40.000 Euro.

          In der Abteilung Geschichte erzielte ein früher Brief Gandhis 13.000 Euro (8000). Eine zweiseitige Abschrift aus Büchern zur russischen Geschichte, die Marx im Zusammenhang einer Reihe über die polnische Frage anlegte, wurde für 16.000 Euro (12.000) ersteigert: Zutreffend verweist der Katalog auf Marx' These, dass Freiheit in Europa nicht ohne ein unabhängiges Polen zu schaffen sei.

          Für 6000 Euro (8000) wurde ein Brief Friedrichs II. an seinen Vater Friedrich Wilhelm I. verkauft, den der Kronprinz mit der Beigabe einer „calten Pastete“ gnädig zu stimmen hofft. Eine Briefkarte des zehnjährigen Zarewitsch Alexej Nikolajewitsch Romanow an seine Großmutter Maria Feodorowna war einem deutschen Bieter die Anlage von 8000 Euro (3500) wert. Ganz ungewöhnlich wurde eine Postkarte Claus Schenk von Stauffenbergs, die der Schwerverwundete handschriftlich nur signieren konnte, von 1200 auf 22.000 Euro gesteigert.

          Quelle: F.A.Z.

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