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Autographen : Fch, Nap oder „yo el rey“

  • -Aktualisiert am

Bei Stargardt in Berlin findet die traditionelle große Frühjahrsauktion mit Autographen statt: eine Vorschau.

          Am 23. und 24. Juni präsentiert die weltweit größte Autographen-Handlung Stargardt in Berlin eine eindrucksvolle Sammlung von mehr als tausend Handschriften und signierten Briefen. Die beiden größten Abteilungen Literatur und Geschichte umfassen rund 300 Lose, Musik und Wissenschaft sind mit etwa 250 Angeboten die nächstgroßen Abteilungen, etwas kleiner das Angebot bei der bildenden Kunst. Der Katalog verführt zu neugierigem Blättern und Durchsuchen: Das älteste Dokument - wie auch das jüngste - stammen aus dem Umkreis der Kirche. 1266 befiehlt Papst Clemens IV. einem Bischof den Schutz des Clarissenklosters zu Moleto an (Taxe 3000 Euro), 1977 bedankt sich Erzbischof Joseph Ratzinger, später Papst Benedikt XVI., für Glückwünsche (250); 21 andere Päpste sah die Zeit dazwischen.

          In der Abteilung Literatur sind, wie stets, vor allem Goethe und sein Kreis umfassend vertreten: am schönsten seine Reinschrift des an Frau von Stein gerichteten Liebesgedichts „Der Becher“, das in der Druckfassung fürs „Tiefurter Journal“ irreführend mit „aus dem Griechischen“ gekennzeichnet wurde, um den Bezug zu Goethes Geliebter zu verschleiern (60.000); von fremder Hand ist das Poem am Rand ins Französische übersetzt. Weder dieses Liebesgedicht noch die sechs Zeilen des „Soldatenlieds“ (8000) und der „Toast zum akademischen Liebesmahl“ (12.000) gehören zu den besten Dichtungen des Verfassers, werden aber sicher begeisterte Bieter motivieren.

          Schiller macht sich rar

          Mit fünfzehn Losen - meist von Goethes Hand signiert - und 26 Texten aus seinem Kreis werden unter anderen Briefe von Carl August von Sachsen-Weimar (250 und 200), Eckermann (300), Charlotte Kestner (150) und Frau von Stein (1200) angeboten. Interessanter als vier Briefkonvolute von Goethes Schwiegertochter Ottilie sind die 23 Hefte der von ihr gemeinsam mit Eckermann edierten, privat gedruckten Zeitschrift „Chaos“, die in einer Auflage von maximal 28 Exemplaren auch Texte von Goethe, vor allem aber dilettantische Beiträge ihres literarischen Zirkels enthalten (4000). Im Vergleich zu Goethe ist Schiller nur mit wenigen Losen präsent, immerhin aber mit zwei Handschreiben, eines an den Verleger Göschen (16.000), das andere an den Dresdner Freund Christian Gottfried Körner, in dessen Haus er an seinen „Briefen über ästhetische Erziehung“ gearbeitet hat (20.000).

          Um den Eindruck zu vermeiden, es seien nur deutsche Autoren im Angebot, hier wenigstens Hinweise auf Handschreiben von Shaw (300), Madame de Staël (1600), August Strindberg an seine Tochter (1200), Turgenjew (1600) und Voltaire in deutscher Sprache und ungedruckt (3000). Im Gegensatz zu Voltaires deutschem Brief beeindruckt Rilkes Reinschrift seines französischen Gedichts „Calme des animaux“ (6000). Am anrührendsten sind in dieser Abteilung vier um Freundschaft des Theologiestudenten German werbende Briefe August Graf von Platens, zwei von ihnen sind eigene Gedichte beigelegt. Die erhoffte Beziehung kam nicht zustande, und Platen fragt, „ob Sie aus meinen Gedichten etwas herausgelesen haben, was Ihnen missfallen hat“: „Ich hasse die Pedanten und Heuchler und bin kein Tugendschwätzer; aber ich bin tugendhaft, und habe nie einen andern als den sittlichsten Lebenswandel geführt“ (2500).

          Wilhelm von Humboldts militärische Interessen

          Aus der Abteilung Wissenschaft sei hier ein Brief Wilhelm von Humboldts als preußischer Gesandter in London erwähnt, in dem er mitteilt, dass er sich um aktuelle Informationen über eine neue Lafette für britische Kanonen bemühe (800). In gutem Französisch schreibt Schelling an Madame de Staël, die ihn kennenlernen wollte und der er einen Kontakt mit dem Physiker Johann Wilhelm Ritter vermitteln will (1200). Carl Schmitt schreibt zwischen 1952 und 1972 sechzehn Briefe an den Marburger Romanisten Franz Walter Müller, dessen „Methode der geschichtlichen Konkretheit“ er „für die einzige wissenschaftliche Möglichkeit“ hält, „der deutschen Sackgassen-Alternative (zwischen Diamat und schönem Schein) zu entgehen“ (3000).

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