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Autographen-Auktion : Eine Widmung für Karl Marx

Spielanweisungen Mozarts, ein Brief des jungen Beethoven aus Wien, eine Streitschrift von Friedrich Engels: Die Vorschau zur Auktion mit Autographen und Büchern bei Stargardt in Berlin.

          Zwei Titanen der Wiener Klassik besetzen Spitzenpositionen bei der Autographen-Versteigerung des Berliner Auktionshauses Stargardt am 5. und 6. Juni im Hotel Kempinski am Kurfürstendamm. Mit 120 000 Euro beziffert, sind Mozarts Anweisungen für den Part der ersten Trompetenstimme in der „Pariser Symphonie“ rein werkhistorisch unverzichtbar, während der zum gleichen Preis angebotene, bisher unbekannte Brief, den Ludwig van Beethoven dem befreundeten Diplomaten Heinrich von Struve im September 1795 zukommen ließ, biographische Relevanz besitzt. In Wien von Joseph Haydn unterrichtet, bittet der junge Komponist den nach Moskau entsandten Struve, ihm aus dem „kalten Lande, wo die Menschheit noch so sehr unter ihrer Würde behandelt wird“, recht oft zu schreiben, „um die Entfernung zu vermindern“.

          Camilla Blechen

          Redakteurin im Feuilleton.

          Eine Widmung für die bewunderte Pianistin Anna Caroline de Belleville-Oury begleitet Frédéric Chopins 1842 entstandenen Walzer in f-Moll (Taxe 60 000 Euro). In einem Handschreiben, das für 40 000 Euro angeboten wird, versucht Chopin der Tochter seiner vormaligen Lebensgefährtin George Sand Trost zu spenden, nachdem deren erstes Kind kurz nach der Geburt gestorben war. Als Kammercembalist Friedrichs des Großen den Freuden der Tafel zugeneigt, bat Carl Philipp Emanuel Bach im Jahre 1765 seinen Leipziger Verleger Breitkopf, ihm bei der Bestellung von sechzig essbaren Lerchen behilflich zu sein (16 000).

          „Einen vollen Strauß von Myrten und Rosen“

          In der Literatur fesseln Goethes Briefe an den Altphilologen Eichstädt, mit dem zusammen er die „Allgemeine Literaturzeitung“ herausgab. Die ebenso umfangreiche wie aufschlussreiche Brieffolge wird für 80 000 Euro angeboten. 12 000 Euro einspielen soll eine erste Niederschrift von zwei Verszeilen, die im „Faust II“ den Auftritt des Lynkeus begleiten (“Wüßt ich irgend mich zu finden?/ Zinne? Turm? geschloßnes Tor?“). Ein Brief, den Heinrich Heine 1824 der „lieben kleinen Person“ seiner Schwester Charlotte übersandte, enthält die kryptische Mitteilung: „Der Poet ist nur ein kleiner Teil von mir.“ In einer Kassette, deren stoffliche Umhüllung vom Autor selbst in derber Graffiti-Manier bemalt wurde, lagern die Manuskripte der „Galgenlieder“ Christian Morgensterns (8000). Sigmund Freuds psychoanalytische Deutung der „Odyssee“, die der Wiener Nervenarzt 1916 dem „Imago“-Redakteur Otto Rank unterbreitete, sind auf 8000 Euro geschätzt.

          Als Erbauer der Peterskirche in Rom quittierte der Architekt Bramante aus Urbino im März 1512 sein Monatsgehalt von zwanzig Dukaten (20 000 Euro). Heinrich Schliemann, der Entdecker des antiken Trojas, ließ den Bankier A. Deetjen 1873 wissen, dass der kurz zuvor ausgegrabene „Schatz des Priamos“ einen Wert von mindestens einer Million Franken repräsentiere; die neun inhaltsreichen Briefe des ingeniösen Archäologen kosten 16 000 Euro. Eines der wenigen erhaltenen Exemplare von Friedrich Engels’ „Anti-Dühring“, einer 1878 in Leipzig erschienenen Streitschrift, kostet, aufgewertet durch eine Widmung an den Co-Autor Karl Marx, stolze 20 000 Euro.

          Höchste Aufmerksamkeit dürfte bei Stargardt im Hinblick auf die vielzähligen Feiern und Publikationen zum 300. Geburtstag Friedrichs des Großen dessen in Versform gekleidete Verteidigung des Suizids erzielen, gerichtet an das prominente Mitglied der Tafelrunde von Sanssouci, den Marquis d’Argens. Der düstere Gedanke an einen selbstbestimmten Tod hatte den Preußenkönig im Jahr 1757 nach der militärischen Niederlage von Kolin befallen, als auch die Hoffnung starb, in Böhmen Fuß fassen zu können. In den letzten Zeilen der für 16 000 Euro abrufbaren „Epistel von Erfurt“ bittet Friedrich den Marquis, er möge „einen vollen Strauß von Myrten und Rosen niederlegen, da, wo ich ruh’“.

          Quelle: F.A.Z.

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