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Auktionen im Norden : Hamburg macht in Buch

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Das kleinste Kochbuch der Welt, Schreibmeisterbücher und eine fast vollständige Ausgabe der Zeitschrift „Simplicissimus“: Über drei Tage hinweg kann man in Hamburg bei Ketterer und Hauswedell & Nolte auf Bücher bieten.

          In einer Tour de Force laufen die Frühjahrsofferten der Hamburger Buchauktionatoren. Am 23. und 24. Mai wartet Ketterer mit einem grandiosen Werk auf, das seinen Schöpfer in den Bankrott führte: John Hills 26 Bände umfassende botanische Monographie „The Vegetable System“, London 1761 bis 1775, brachte trotz Widmung an den Prince of Wales, den späteren König George III., ihrem Autor nicht den erhofften Erfolg (Taxe 80.000 Euro). Gut 200 Jahre älter ist die Erstausgabe von Pedro Nunes' „De crepusculis liber unus“ von 1542 (35.000). Die angereicherte Vorzugsausgabe von Ludovico Mirris Tafelfolge „Vestigia delle terme di tito“ mit knapp sechzig leuchtenden Kupfertafeln und sieben Aquarellen ist auf 50.000 Euro geschätzt.

          Auf die Iberische Halbinsel entführt Pieter van den Berges „Theatrum Hispaniae“, Amsterdam um 1700, mit der Folge von 59 Ansichten der größten Städte Spaniens und Portugals, sämtlich altkoloriert und goldgehöht (30.000). Das Wissen des 17. Jahrhunderts über den Blutkreislauf listete Harvey 1630 in Leiden in „De motu cordis & sanguinis in animalibus“ auf (20.000). Das kleinste Kochbuch der Welt ist leicht zu übersehen: Das „Wiener Kochbuch“, um 1900, in einem 2,4 mal 2,1 Zentimeter messenden silbernen Einband mit Jugendstil-Blumenrelief, enthält Rezepte für Suppen, Mehlspeisen, Fisch und Gemüse (800). Die Moderne ist herausragend vertreten durch Kandinskys „Klänge“, die im Exemplar für den Künstler und den Verlag außerhalb der Nummerierung vorliegen (30.000).

          Hauswedell & Nolte tritt am 24. und 25. Mai an: Dort kommt eine Sammlung von Schreibmeisterbüchern und anderen Werken zu Typographie und Schrift zum Aufruf, darunter Schwandners „Dissertatio epistolaris de calligraphiae nomenclatione“ mit Zieralphabeten und Schnörkelfiguren (4000). Bei der Moderne finden sich vier Hefte der Sonderausgabe der von Heubach 1969 herausgegebenen Reihe „Interfunktionen“, die signierte Arbeiten von Kagel, Beuys, Panamarenko, Naumann, Immendorff und anderen enthalten (4000). Selten ist die Jubiläumsschrift „Dem Verlag R. Piper & Co. zum 19. Mai 1924“ (4000), die in nur sechzig Exemplaren erschien.

          Die Zeitschrift „Simplicissimus“ steht in einer bis auf fünf fehlende Nummern vollständigen Reihe für 6000 Euro zu Gebote. Bei der Naturwissenschaft gibt es die zweite Ausgabe von Redoutés vielreproduzierten „Les roses“ von 1824 (12.000). Das andere hinreißende Rosenbuch stammt von Karl Gottlob Rössig, Leipzig 1802 bis 1820, in der seit langem nicht mehr angebotenen, kompletten elften Lieferung (12.000). Außerdem kommt die Fontane-Sammlung des Göttinger Germanisten Kurt Schreinert (1901 bis 1967) zum Aufruf, die manchen Leckerbissen enthält. Die Erstausgabe von Buschs „Max und Moritz“ ist auf 35.000 Euro geschätzt. Höhepunkt bei den Autographen ist das Stammbuch des Tübinger Studenten Carl Merian mit einem Eintrag von Hölderlin: Am 1. X. 1786 hat er sich mit einem Zitat aus Klopstocks Gedicht „Der Rheinwein“ darin eingetragen (20.000).

          Quelle: F.A.Z.

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