Humanisten sind gerade schwer in Mode: ihre Ideen finden Eingang in die Gegenwartskunst, und ihre bewegten Leben werden im Kino beleuchtet. Das Interesse prägt jetzt sogar das Angebot der diesjährigen Frühjahrsauktion mit Büchern, Graphik und Handschriften bei Venator & Hanstein in Köln, das am 22. März zum Aufruf kommt. Im Zentrum steht ein auf 60.000 Euro geschätztes Konvolut aus zwölf Bänden von Alexander von Humboldts überaus anschaulich illustriertem, amerikanischem Reisewerk „Voyages aux régions équinoxales du nouveau continent“, erschienen zwischen 1805 und 1826. Von der Beschreibung der Botanik aus erschlossen Humboldt und sein Gefährte Aimé Bonpland sich die neue Welt.
Die vier Tageszeiten von Runge
Von Philipp Otto Runge stammt ein weiteres Highlight: Zwischen 1804 und 1805 schuf er seine berühmten romantischen Kupferstiche „Die Vier Tageszeiten“. Die Blätter stammen aus dem ersten Druckzustand, aus dem schon Runges Freund Goethe Blätter zur Dekoration seines Heims schätzte (Taxe 40.000 Euro). Ähnlich einem bereits im vergangenen Jahr angebotenen Los könnte auch in diesem Frühjahr eine „Tabula Peutingeriana“ im ersten Druckzustand Begehrlichkeiten wecken. Das angebotene Exemplar der einst nach Johann Peutinger benannten antiken Straßenkarte, die einen plastischen Eindruck des damaligen, vom Römischen Reich aus geordneten Weltbilds gibt, stammt aus dem Jahr 1598 (12 000). Höhepunkt der Handschriften ist fraglos Friedrich Schillers Übersetzung der französischen Vorlage von Jean Racines „Phädra“. Das vorliegende späte Fragment entstand in Weimar um 1804/05, und es ist eines der von der Witwe Schillers nach dessen Tod im Jahr 1805 in zahllose Streifen geschnittenen Arbeitsmanuskripte. Schiller-Verehrer bezahlen für diese Art der Devotionalie hohe Preise. Jetzt soll das 210 mal 105 Millimeter kleine Stück Papier 25 000 Euro einspielen.
Unkonventionelles Denken in Worte gefasst
Bei den Autographen könnten Freunde der Naturwissenschaften auf ihre Kosten kommen. Im Jahr 1918 erteilt der junge Albert Einstein dem Mathematiker Eduard Study in einem Brief eine Absage an dessen realistische Weltsicht und gibt auf überaus humorvolle Art einen Einblick in sein unkonventionelles Denken: Er fühle sich „in keinem der ,-ismen’ ganz wohl und zuhause“, schreibt Einstein an seinen Kollegen (5000).
Beim Angebot mit moderner und zeitgenössischer Graphik, das am 23. März zum Aufruf kommt, besetzt eine farbig überarbeitete, auf Karton montierte Fotografie von Gerhard Richter aus dem Jahr 2009 mit einer Erwartung von 40.000 Euro den Spitzenplatz. Die aufgepresste, leuchtende Farbe legt einen wolkigen Himmel und ein Bergpanorama frei. Von Roy Lichtenstein stammt eine ungewöhnliche Ansicht der Statue of Liberty: „I love Liberty“, im Jahr 1982 geschaffen, betont in starker Untersicht den herben Charakter des Antlitzes der altehrwürdigen amerikanischen Dame mit Fackel in der Hand (20.000).