26.01.2012 · Das Internetportal Artprice hat sein Ziel erreicht und Online-Auktionen gestartet. Allerdings übernehmen die Kunstmakler keinerlei Verantwortung für die versteigerten Werke.
Von Angelika Heinick, Paris„Artprice“ hat vor wenigen Tagen eine Plattform für Online-Auktionen eröffnet. Knapp 3000 Kunstwerke, darunter auch Design und Antiquitäten, können auf der Website der Lyoner Firma eingesehen und ersteigert werden. Noch kurz zuvor drohte der französische Versteigerungsrat mit einer einstweiligen Verfügung, um Artprice zu veranlassen, bei seinen Online-Geschäften die gesetzlich vorgeschriebene Terminologie zu verwenden. Denn die von Artprice ursprünglich verwendete Terminologie genüge nicht den Ansprüchen des vom Gesetzgeber gewollten Verbraucherschutzes, erklärte die Vorsitzende des Versteigerungsrats, Catherine Chadelat. Somit darf Artprice nicht, wie geplant, „elektronische Versteigerungen“ anbieten, sondern muss sich auf der Website und in den allgemeinen Geschäftsbedingungen als „Elektronischer Versteigerungsmakler“ ausweisen.
Artprice tritt als Dienstleister auf, der Verkäufern und Käufern eine Infrastruktur zur Verfügung stellt, ansonsten aber keinerlei Gewähr für Zahlung, Transport und Lieferung der Objekte sowie die Echtheit der angebotenen Werke leistet. Die Auktionshäuser hingegen sind für die gesamte Abwicklung von der Beschreibung im Katalog bis zur Transaktion verantwortlich. Artprice kam der Forderung des Versteigerungsrats ziemlich rasch nach und präsentiert sich nun als „Electronic Auction Broker“; die einstweilige Verfügung wurde zurückgezogen. Seit Ende November habe man Werke im Wert von 567 Millionen Euro eingespeist, teilt Artprice mit. Die Preisspanne der Offerte reicht von einigen hundert bis zu 49 Millionen Euro. Die zwanzig teuersten Lose sind allesamt Gemälde chinesischer Maler des 20. Jahrhunderts wie zum Beispiel Zhang Daquian, dessen „Splashed Landscape Fuchun Mountain“ in Wasserfarbe von 1978 für 32 Millionen Dollar aufgerufen wird.
Nach Ablauf der für Gebote angesetzten Frist (maximal neun Tage) kann der Verkäufer zwischen den drei Meistbietenden wählen. Die Transaktionen werden online über ein Treuhandkonto abgewickelt. Nicht zuletzt mit niedrigen, allerdings den Verkäufern angelasteten Aufpreisen - über 15.000 Euro gelten nur noch fünf Prozent - will man dem traditionellen Markt Konkurrenz machen. Für die Meldung von Verkäufen sei es noch zu früh, heißt es bei Artprice. Thierry Ehrmann, Gründer und Leiter der Firma, prophezeit aber schon, dass Kunstversteigerungen sich vom „alten System der Auktionssäle“ lösen und nach dem Vorbild der Aktienbörsen „entmaterialisieren“ werden.