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Architekturfotografie Bietspektakel um Mies

24.11.2007 ·  Bei Jeschke, Hauff, Auvermann in Berlin sorgt ein kleines Foto von Mies van der Rohes Modell seines gläsernen Wolkenkratzers für einen ungeheuren Zuschlag.

Von Camilla Blechen
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Die Hoffnung des Berliner Auktionshauses Jeschke, Hauff & Auvermann, mit der Versteigerung von 123 Fotos von Bauten und Projekten Mies van der Rohes sein Publikum zu hohen Geboten zu motivieren, erfüllte sich in der vergangenen Woche auf spektakuläre Weise. Unmittelbar nach dem Beginn der Auktion bewarben ein Hamburger Bauunternehmer und ein Berliner Kunstvermittler sich vehement um den Zuschlag eines auf 800 Euro geschätzten Fotos, das in keiner Baugeschichte der Moderne fehlt: das Modell eines wabenartigen Wolkenkratzers, den Mies ohne den Rückhalt eines Auftraggebers im Jahr 1922 für einen Standort an der Friedrichstraße in Berlin entworfen hatte. Mit dem üppig bemessenen Einsatz von 100.000 Euro überwand der Hanseat am Ende seinen Berliner Konkurrenten, der sich mit dem Erwerb von sieben anderen Fotos zu trösten wusste.

Die Fotografien haben überwiegend dokumentarischen Charakter und wurden von zeitgenössischen Bildreportern gemacht. Eingeliefert hatte das sich auf die Berliner Schaffenszeit van der Rohes beschränkte Konvolut eine Erbengemeinschaft, die als Rechtsnachfolger eines ungenannten Mitarbeiters in Mies van der Rohes Berliner Entwurfsbüro auftrat. Eine Reihe der Silbergelatine-Abzüge tragen neben dem Atelierstempel handschriftliche Anmerkungen der Innenarchitektin Lilly Reich, die Mies van der Rohe in seinen Berliner Jahren privat und beruflich eng verbunden war.

Atemberaubende Steigerungen

Eine beachtenswerte Preissteigerung erfuhr auch die Reproduktion jener Fotomontage, mit der Mies van der Rohe im Jahr 1928 seine Vision eines Kaufhauses an der Leipziger Straße festgehalten hatte. Vom Berliner Handel übernommen, kletterte das Foto von 1200 auf 17.000 Euro. Von 800 auf 10.000 Euro verbesserte sich ein Foto jener „Kaaba des Todes“, in die Mies 1930 den Zentralraum in Schinkels Neuer Wache verwandelte. Unter ihren Taxen abgegeben wurden fünf von sechs Ansichten des Deutschen Pavillons auf der Weltausstellung in Barcelona aus den Jahren 1928/29. Ein Abgesandter des Museums of Modern Art in New York, das große Teile aus dem Nachlass Mies van der Rohes hütet, erwarb - mit speziellem Interesse an der Stuttgarter Weißenhofsiedlung, den Villen Tugendhat, Esters und Lemke - insgesamt sechzehn Fotos.

Als einziges deutsches Kulturinstitut kam die Berlinische Galerie zum Zuge: Sie investierte 600 Euro (Taxe 300 Euro) in Martin Wagners Modell einer Neugestaltung des Alexanderplatzes. An dem nahezu vollständigen Absatz des unerwartet aufgetauchten Materials lässt sich der Erfolg der Auktion ablesen: Der Gesamtumsatz beträgt 285.000 Euro, das ist mehr als eine Verdopplung der Summe der Schätzungen.

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