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Versteigerung in New York : 135 Millionen Dollar für die Warhols aus NRW

Die Auktion von zwei Andy-Warhol-Gemälden, die einst in der Aachener Spielbank hingen, hat ordentlich Geld gebracht. Weil die Bilder aber im Besitz eines landeseigenen Unternehmens waren, ist der Verkauf umstritten.

          Jetzt sind sie weg. Die beiden Bilder von Andy Warhol,  der silberne „Triple Elvis“ aus dem Jahr 1963 und der goldene „Four Marlons“ aus dem Jahr 1966, beide seit Ende der siebziger Jahre im Besitz der Westspiel GmbH, einer Tochter der landeseigenen NRW Bank, sind am Dienstag in der Abendauktion bei Christie’s in New York versteigert worden. „Triple Elvis“ war mit einem Hammerpreis von 73 Millionen Dollar (mit dem Aufschlag für Christie’s muss der Käufer 82 Millionen zahlen) das teuerste Los des Abends, “Four Marlons”  blieb mit dem Zuschlag bei 62 Millionen Dollar (mit Chrstie's Aufschlag 69 Millionen) deutlich darunter, blieb aber gemeinsam mit einem Cy Twombly zum selben Preis zweitteuerstes Bild des Abends. Die Käufer, die nicht im Saal waren, blieben anonym. Es handelt sich um  zwei verschiedene Personen, deren Nationalität ebenfalls nicht bekannt wurde.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Über die beiden Bilder war in den vergangenen Wochen in Deutschland heftig gestritten worden. Gegen den Verkauf argumentierten nahezu geschlossen Medien und Museumsleute, die einen Präzedenzfall fürchten, wenn Kunst aus öffentlichem Besitz als Vermögenswert betrachtet werde, der bei wirtschaftlichen Engpässen veräußert werden kann. Ein Verkauf von mit Steuergeldern erworbenen Kunstwerken zur Sanierung einer Spielbank ist ohne Vorbild, wird aber vermutlich nach der New Yorker Auktion seine Nachahmer finden.

          Wo werden die Bilder nun ausgestellt?

          In New York interessierte das am Dienstag Abend niemanden. Laura Paulson, Vizechefin von Christie's in Amerika, erklärte vielmehr nach der Auktion, als sie die beiden Warhol-Bilder zum ersten Mal gesehen hätte, im Jahr 1991, hätten sie zwischen Groschengräbern in dem Kasino in Aachen gehangen. Die letzten Jahre hätten sie im Depot gelegen. In Zukunft aber seien die Bilder der Öffentlichkeit zugänglich. Die Frage, ob das bedeute, ein Museum oder eine andere öffentliche Institution habe die Bilder ersteigert, verneinte sie aber. Die neuen Besitzer seien zwar Privatpersonen, aber Menschen mit Verantwortungsbewusstsein, die ihre neuen Schätze vor der Öffentlichkeit nicht verstecken würden. Was das bedeuten wird? Abwarten.

          Schon im Vorfeld waren die beiden ikonischen Warhols in New York besonders liebevoll behandelt worden. Es gab gesonderte Kataloge für die beiden, und die “New York Times” erschien eines Tages eingewickelt in Abbildungen der Werke mit Hinweis auf die Auktion.

          Frisch auf den Markt

          Brett Gorvy, der bei Christie's den Titel "Chairman and International Head of Post-War and Contemporary Art" trägt, hatte schon morgens im Fernsehen auf die Ausnahmewerke Warhols verwiesen: Frisch seien sie, weil sie nach Jahrzehnten zum ersten Mal wieder auf den Markt kämen, im Hintergrund wurde die Zahl “60 Mio. +” auf die Bilder projiziert. Für wen die Bilder gemacht seien, erklärte Brett Gorvy auch: “Four Marlons”  für die Jüngeren, “Triple Elvis” für die Älteren. Der Titel dieses Teils der Sendung war übrigens “Milliardäre und die Kunst”, und das war das Motto des Abends. In dieser Sendung hatte Gorvy noch einen Gesamterlös des Abends bei um die 800 Millionen Dollar vorausgesagt, was am Abend deutlich übertroffen wurde. Der Gesamtumsatz einschließlich Käuferzuschläge wurde mit knapp unter 853 Millionen Dollar angegeben.

          Vielleicht werden wir die Warhols tatsächlich eines Tages als Leihgabe in einem Museum irgendwo auf der Welt wiedersehen. Vielleicht in ein paar Jahren auch wieder bei Christie's. Wenn der Preis dann immer noch so heiß sein sollte.

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