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Alte und neue Kunst Der Anblick schöner Blumen heilt jeden Schmerz

10.01.2012 ·  Auf Gabriele Münters Gemälde „Dorfplatz in Sandvig auf Bornholm“ verklingt ihr Kummer über die Trennung zu Kandinsky immer mehr. Versteigert hat das Werk Karl & Faber in München.

Von Brita Sachs, München
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Man kennt das schon in Münchner Auktionssälen: Wenn es um Gabriele Münter geht, kommt Stimmung auf, und die Preise klettern steile Strecken. Karl & Faber hielt in der Versteigerung moderner und zeitgenössischer Kunst zum Saisonende Münters Ölbild „Dorfplatz in Sandvig auf Bornholm“ feil. Die Künstlerin malte es 1919, als sie im Nachbarort Sommerkurse gab. Ihr Verlustschmerz nach dem Fortgang Kandinskys, der bleischwer über den Werken der skandinavischen Jahre liegt, klingt in abgeschwächter Form auch auf dem blumenreichen Sandviger Plätzchen an. Rupert Keim rief das Werk bei 75.000 Euro auf, doch der telefonisch bietende Sammler aus Süddeutschland musste weitere 100.000 Euro drauflegen, bis er den Zuschlag bekam.

Noch mehr Kampfgeist provozierte Münters „Prozession in Murnau“, über der 1934 neben kirchlichen und kaiserlichen Fahnen auch die roten Flaggen der Nationalsozialisten flattern. Mit Feuereifer blieb ein Paar dabei, bis schließlich ein privates Telefongebot bei 210.000 Euro siegte (Taxe 120.000/150.000 Euro).

Zwei Schwestern in New York

Während die Bilderofferte empfindliche Rückgänge schlucken musste - vor allem Corinth und Erbslöh blieben auf der Strecke - machten Skulpturen eine gute Figur: Barlachs bronzener „Spaziergänger“ von 1912 als Lebzeitguss in sehr gutem Zustand findet für 52.000 Euro (40.000/50.000) seinen neuen Platz in einem deutschen Museum. Matarés winzig kleines „Zeichen einer Kuh I“ erreichte sein Ziel mit 15.000 Euro. Die „Kleine Schauende“ von Fritz Klimsch ging bei 15.000 Euro (10.000/12.000) an denselben Bieter, der für Radziwills „Stillleben mit Uhr“ 42.000 Euro (45.000/50.000) und für Schmidt-Rottluffs Aquarell „Rhabarber-Blüten“ 30.000 Euro (20.000/ 25.000) bewilligte. Ein weiteres Aquarell, „Zwei Nonnen in New York City“, 1933 von George Grosz gemalt, brachte die angestrebten 15.000 Euro ein.

„Vier Figuren und ein Boot“ gruppierte Feininger feinlinig in meergrünen Grund; Achim Moeller bestätigte die Echtheit des Aquarells, dessen Käufer mit 17.000 Euro (18.000/20.000) fast ein Schnäppchen machte. Rupprecht Geigers „OE 246a (Gracco)“ von 1957, eine Raumstaffelung mit fensterartigem Ausblick in Himmelsbläue, bewies, aufgerufen bei 46.000 Euro und zugeschlagen erst für 85.000 Euro (60.000/80.000), hohe Anziehungskraft. Knapp unter der Taxe wechselte Geigers sonniges „470/57“ für 48.000 Euro in andere Hände. Ebenfalls sehr gefragt war Gerhard Altenbourgs phantasievoll gezeichnetes und aquarelliertes Blatt „Der grüne Baldachin“, das auf 19.000 Euro kam (um 11.000). Taxgerecht war das Gebot von 55.000 Euro für eine Marilyn Monroe aus Andy Warhols Serigraphie-Reihe aus dem Kunsthandel.

Ein begehrters Blatt von Jean Louis Desprez

Alte Meister und Kunst des 19. Jahrhunderts hatten ihren Auftritt bereits im Oktober. Hier hieß der Star Philipp Otto Runge, die Offerte enthielt vier Scherenschnitte weißer Pflanzen auf blauem Grund. Die Kostbarkeiten stammten aus dem Besitz von Runges Zeichenlehrer Heinrich Joachim Herterich, nach dessen Tod sie der Hamburger Künstler Otto Speckter bekam. Am besten schnitten die „Ahornblätter“ ab, für die ein deutscher Sammler 60.000 Euro bewilligte (35.000/40.000). Die „Hyazinthe“ ging für 52.000 Euro in englischen Privatbesitz. „Tulpe“ und „Weinlaub“ nahm ein Münchner Sammler für 36.000 und 48.000 Euro (je 30.000/35.000).

Aus dem Nachlass von Otto Speckter stammte auch ein Konvolut mit 98 Zeichnungen und Lithographien, die er selbst, sein Bruder Erwin und sein Sohn Hans angefertigt hatten. Für 9500 Euro, der verdreifachten oberen Erwartung, ging der Schatz an die Elbe zurück. Weitere begehrte Blätter entstammten dem Familiennachlass der Künstlerbrüder Olivier. Da kletterte die lithographische Pionierleistung der deutschen Romantik, Ferdinands „Montag - Roseneckergarten vor Salzburg“, auf 13.500 Euro (7000/8000) und Friedrichs Federzeichnung der römischen „Porta St. Paolo“ erreichte 3600 Euro (2400).

Von acht Bietern hart umkämpft war die extrem seltene Grafik „Grabmonument mit thronendem Tod als Sphinx und Weltenherrscher“ von Jean Louis Desprez in der Sektion für Alte Kunst. Ein Händler gewährte, wohl im Auftrag eines amerikanischen Museums, dafür 28.000 Euro (4000). Die reizvolle Kreidestudie einer Krähe des Tiermaler Jean-Baptist Oudry schließlich schaffte es lässig von 2000 auf 7000 Euro.

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