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Alte Meister Van Dyck, Francken, Gandolfi, Guercino, Rubens . . .

 ·  London hat jetzt eine neue echte Luxus-Messe und steht jetzt wieder im Zeichen der Alten Meister: Die Galerien und die Auktionshäuser bieten ihre besten Stücke auf.

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Tradition war lange ein Markenzeichen des Londoner Kunsthandels. Wie die Maßschneider von Saville Row pflegen die Galerien und Auktionshäuser in und um St James's bis heute einen bewusst altmodischen Stil, dem die Aura des Herrenclubs anhaftet. Lange schien es so, als werde das Neuzeitliche allenfalls in der Gestalt eines Kunstwerks zugelassen. Aber die Umstände haben den Handel aus dem Jahrhundertschlaf geweckt und regen zu neuen Initiativen an, um Londons mitunter strittig gewordenen Rang als Zentrum für den internationalen Markt zu bewahren.

Im Jahr 2001 tat sich die Gruppe der Händler mit Altmeisterzeichnungen für die erste gemeinsame Aktion zusammen: Mit Sonderausstellungen während einer „Master Drawings“-Woche anlässlich der Sommer-Auktionen gelang es ihnen, die angereisten Sammler und Kuratoren in ihre Galerien zu locken. Dieses erfolgreiche Modell griffen im vergangenen Jahr einige Händler mit Altmeistergemälden auf, die zu der Erkenntnis gekommen waren, dass sie mit einem konzertierten Programm von Veranstaltungen in ihren ohnedies vorhandenen Räumen mehr bewirken könnten als in einem teuer gemieteten Stand auf der Messe für Kunst und Antiquitäten in Grosvenor House.

Wie eine ihr Alter leugnende Dame, die den Schönheitschirurgen mit einem Jungbrunnen verwechselt, hatte sich die „Grosvenor House Fair“ Jahr für Jahr um eine Erneuerung bemüht, bevor sie im vergangenen Jahr schließlich eingestellt wurde. Womöglich bedurfte es dieses - durch die Aufkündigung des Mietvertrags bedingten - Endes für den fixen Termin im Londoner Sommerkalender, um die ersehnten neuen Impulse anzufachen. Unter den drei Messen, die hofften, Grosvenor House zu beerben, trat jetzt die von Händlern für Händler organisierte „Masterpiece“-Schau mit dem höchsten Anspruch an.

Die von mehr als 200 auf 160 Aussteller geschrumpfte „Olympia“-Messe gab sich zwar unter der neuen Verwaltung des amerikanischen Messeorganisators David Lester einen frischen Anstrich, aber die elegante Aufmachung erwies sich als ein Fall von vorne Lyzeum, hinten Museum: Der mondän wirkende Hauptgang schirmte das Angebot an braunen Möbeln und dekorativen Accessoires ab, das zu den Stärken dieser Messe gehörte. Es stellt sich mit zunehmender Dringlichkeit die Frage, ob Olympia nicht auf dem Erfolg der kleineren Händler bauen sollte, statt den Aufstieg in eine höhere Liga anzustreben. Klein und fein gestaltete dagegen das Händlerehepaar Brian und Anna Haughton das mit sechzig Teilnehmern bestrittene Debüt ihrer „Art and Antiques London“ in einem weißen Zelt gegenüber der Royal Albert Hall.

Wo sich verschiedene Gerüche mischen

Doch die ambitionierte neue Masterpiece-Messe hat den anderen die Schau gestohlen. Sie versammelte 118 Aussteller auf dem ehemaligen Kasernengelände in Chelsea, wo jetzt nach Plänen von Richard Rogers ein neuer Immobilienkomplex im Entstehen wäre, hätte sich Prinz Charles nicht eingemischt. Hier wurde Kunst als Luxusgut vermarktet, wie auf den glamourösen Seiten der „Financial Times“-Beilage des vielsagenden Titels „How to Spend it“. In diesem Edel-Zelt - mit Ablegern von den Promi-Restaurants der „Caprice“-Gruppe und skulpturalen Blumenarrangements zwischen dem verlässlichen Handwerk des Maastricht-Standbauers Stabilo - bot sich ein gewagtes Gemisch aus Antiquitäten, Gemälden, Oldtimern und hochwertigem Cognac in numerierten Kristallkaraffen.

Der Geruch von Autopolitur mischte sich mit Antikwachs und dem teurem Parfum der Klientel: Das Meisterwerk, so argumentieren die Veranstalter unter dem Vorsitz von Thomas Woodham-Smith, Geschäftsführer der Antiquitätenhandlung Mallett, stehe über den Zwängen von Alter, Genre, Preis oder Medium. Das Konzept überzeugt, und Aussteller wie der Basler Antikenhändler Jean-David Cahn oder der Silberexperte Lewis Smith von Koopman zeigten sich beglückt, nicht zuletzt über die geräumigen Stände, die sie für die gleiche Miete bespielen konnten, die sie im gedrängten Grosvenor House bezahlten. Die Masterpiece-Schau hat den provinziellen Mief vertrieben, der allen Bemühungen zum Trotz über dem Ballsaal des Hotels hing. Im nächsten Jahr soll sich ihr Termin mit der Londoner Woche von „Master Paintings und Master Drawings“ überschneiden, um auch die Auktionsbesucher anzuziehen.

Zwei Künstler ringen mit der Flasche

Die Altmeister-Galerien trumpfen an diesem Wochenende wieder einmal mit ihren besten Stücken auf. So präsentiert Johnny van Haeften für 9,5 Millionen Pfund Frans Franckens, einst im westfälischen Schloss Driburg hängendes, Gemälde „Der Mensch, der sich zwischen Tugenden und Lastern entscheiden muss“. Im April setzte das Bild mit dem Zuschlag von 6,1 Millionen Euro im Dorotheum den Rekord für das teuerste jemals in Österreich versteigerte Gemälde. Philip Mould bietet das wunderbare Selbstporträt Antonis van Dycks im Rokokorahmen an, das im vergangenen Dezember bei Sotheby's 7,5 Millionen Pfund erzielte.

Katrin Bellinger wartet bei Colnaghi unter anderem mit der aquarellierten Federzeichnung einer Waldlichtung von Johann Georg von Dillis auf (65.000 Euro). Bei Emanuel von Baeyer hängt eine Zeichnung, die E.T.A. Hoffmanns mit dem Fragment eines Selbstporträts des in London äußerst selten zu sehenden Horst Janssen vereint; in der Mitte steht ein Glas, das das beiden Künstlern gemeinsame Ringen mit der Flasche symbolisiert (24.000 Pfund). Florian Härb stellt ein entzückendes Stillleben von Eliot Hodgkin mit einem Malkasten aus, das geradezu emblematisch ist für die Altmeister-Woche.

„König David“ von Guercino

Bei den Auktionshäusern ist die allseits beklagte Materialknappheit wieder unübersehbar. Nichtsdestoweniger haben sie einige marktfrische Spitzenwerke akquiriert. Bei Christie's führen zwei Gemälde aus der Sammlung des Grafen Spencer, Bruder von Prinzessin Diana, das Angebot an: das, bis zu zwölf Millionen Pfund veranschlagte, Porträt eines Befehlshabers, dem zwei Knaben die schimmernde Rüstung anlegen, von Rubens und Guercinos „König David“, der mit fünf bis acht Millionen Pfund bewertet ist.

Das auf bis zu acht Millionen Pfund geschätzte Gemälde war ursprünglich als Gegenstück zu der, nach einem Atelierbesuch vom Prinzen Mattias de'Medici erworbenen, Cumäischen Sibylle gedacht, die jetzt als Dauerleihgabe des Sammlers Denis Mahon in der Londoner National Gallery hängt. Guercino lieferte für seinen Auftraggeber eine Samarische Sibylle nach, die - vorerst? - in Althorp, dem Anwesen der Spencers, bleibt.

Das Porträt eines bärtigen Greises von Jan Lievens

Sotheby's kontert mit Turners letzter großer Rom-Ansicht, „Das neue Rom - Campo Vaccino“, das in dem vom Künstler selbst gewählten Rahmen mit bis zu achtzehn Millionen Pfund ausgezeichnet ist. Der Verkauf ist ein empfindlicher Verlust für die Schottische Nationalgalerie in Edinburgh, wo das von dem späteren Premierminister Lord Rosebery und seiner Braut, der Rothschild-Erbin Hannah, zur Feier ihrer Hochzeit 1878 erworbene Meisterwerk seit dreißig Jahren als Leihgabe der Öffentlichkeit zugänglich war.

Aus holländischem Privatbesitz kommt in einer mit niederländischen Werken stark bestückten Auktion unter anderem das Porträt eines bärtigen Greises von Jan Lievens zum Aufruf, mit einer Taxe von bis zu drei Millionen Pfund. Besonders reizvoll, obwohl beschädigt, ist das „Bodegón“ mit einem Gurkenarrangement von Luis Meléndez, dem Meister des spanischen Stilllebens, geschätzt auf 300.000 bis 500.000 Pfund. Sotheby's bietet zudem achtzig Zeichnungen des deutschen Sammlers Henning Hoesch an, unter denen der hochbegehrte Knabenkopf von Gaetano Gandolfi mit einer Erwartung von 80.000 bis 120.000 Pfund herausragt, der auch den Umschlag des Sonderkatalogs ziert.

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Jahrgang 1957, Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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