Home
http://www.faz.net/-gz2-75u7z
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Alte Kunst Die Spur führt nach Frankfurt

Was hat eine wertvolle Tora im Besitz eines New Yorker Hedgefond-Managers mit Frankfurt zu tun? Sotheby’s versteigert das Manuskript - und löst das Rätsel.

© Sotheby's Vergrößern Eine der prächtigen Seiten aus der „Frankfurt Mishneh Tora“

Der New Yorker Hedgefonds-Manager Michael Steinhardt und seine Frau Judy haben in dreißig Jahren eine bedeutende Judaica-Sammlung zusammengetragen. Am 29. April versteigert Sotheby’s in New York die Kollektion in rund 400 Losen mit Handschriften, Silbergerät, Kandelabern und Gefäßen des täglichen Gebrauchs; die Schätzung liegt bei mehr als elf Millionen Dollar.

Rose-Maria Gropp Folgen:    

Das Hauptstück ist die „Frankfurt Mishneh Torah“; für sie allein werden 4,5 bis sechs Millionen Dollar erwartet. Das Manuskript mit sechs Illustrationen und 32 kleineren Bildern und Verzierungen umfasst die Texte des Moses Maimonides (um 1135 bis 1204), der das jüdische Recht in der „Mishneh Tora“ systematisierte. Es entstand zwischen 1457 und 1465 vermutlich in Mailand in der Werkstatt des als „Hippolyta Meister“ bekannten, von den Sforza protegierten Illuminators, und gilt als eine der bedeutendsten illuminierten hebräischen Handschriften überhaupt. Diese Tora besteht aus zwei Bänden, Sotheby’s verkauft den zweiten, der erste befindet sich in der Bibliothek des Vatikans.

Sie wurde auf nur 31.720 Mark geschätzt

Wie aber kommt „Frankfurt“ in den Namen des Werks? Darüber gibt Rachel Heubergers Dokumentation „Bibliothek des Judentums“ Aufschluss: „Im Jahr 1950 wurden im Rahmen eines Tauschgeschäftes zwischen der Stadt Frankfurt und der (Stadt- und Universitäts-)Bibliothek einerseits und den Erben einer ehemaligen Frankfurter Jüdin andererseits wertvolle hebräische Handschriften gegen eine Liegenschaft im Stadtzentrum getauscht.“ Den in New York lebenden Erben Levi gehörte das Grundstück Biebergasse 1, von dem wegen des neuen Fluchtlinienplans 134 Quadratmeter wegfielen, für die eine Entschädigung fällig wurde. Die Erben schlugen statt Geld einige der hebräischen Handschriften aus der Bibliothek vor. Deren Gegenwert sollte von der Stadt dem Etat der Bibliothek gegeben werden für die Neuanschaffung von Gebrauchsliteratur. Das wertvollste Stück dieses Tauschs war eben die „Frankfurt Mishneh Torah“. Ihr Wert wurde damals mit 31.720 Mark veranschlagt. - Laut Sotheby’s-Katalog hat Michael Steinhardt das Werk dann 2007 in einem privaten Geschäft erworben.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Achenbach-Prozess Der tollkühne Händler und seine fahrenden Kisten

Bei der Vermittlung alter Autos an Berthold Albrecht soll alles rechtens gewesen sein, behauptet Helge Achenbach. Jetzt wurden Oldtimer-Händler befragt. Die Werke aus den insolventen Firmen des Kunstberaters sollen unterdessen versteigert werden. Mehr

15.01.2015, 13:21 Uhr | Feuilleton
Auktion von Sotheby’s 19 Millionen Euro für eine Uhr

Bei einer Auktion von Sotheby’s in der Schweiz ist eine Taschenuhr für gut 19 Millionen Euro versteigert worden. Der amerikanische Bankier und Sammler Henry Graves hatte diese im Jahr 1930 in Auftrag gegeben. Mehr

12.11.2014, 18:08 Uhr | Stil
Auktionshäuser mit Rekorden Kunst verkauft sich wie noch nie

Bei den Banken gibt’s kaum Zinsen, mit Kunst lässt sich vielleicht noch was verdienen. Sind das die Überlegungen, die am Kunstmarkt zu Rekorden führt? Mehr

20.01.2015, 15:45 Uhr | Wirtschaft
Trotz Urteil Schäuble hält an Steuerprivilegien für Betriebs-Erben fest

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hält an den Plänen zur Änderung des Erbschaftsteuerrechts fest. Er will es nur so viel ändern wie nötig. Mehr

17.12.2014, 16:50 Uhr | Politik
Chinesische Ergebnisse Kaiserliches Glück aus Seide

An der Spitze der chinesischen Auktionserfolge im Jahr 2014 steht eine tibetische Tapisserie. Ihr Käufer gehört zu den ambitionierten Milliardären des Landes. Mehr Von Paula Schwerdtfeger

23.01.2015, 10:32 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 23.01.2013, 10:56 Uhr

Terrorgefahr aus Nahost

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ ist noch lange nicht auf dem Rückzug. Doch der unermüdliche Kampf gegen die Terroristen ist in unserem eigenen Interesse. Mehr 1