Home
http://www.faz.net/-gz2-78iw6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Alte Kunst bei Karl & Faber Italienische Jahre

Eine Rarität auf dem Kunstmarkt: Das Münchener Auktionshaus Karl & Faber wartet am 26. April mit einem Bozzetto des Manieristen Beccafumi auf. Außerdem kommt Graphik von Schongauer, Dürer und Rembrandt zum Aufruf.

© Karl & Faber Vergrößern Taugt als Prophet oder Philosoph: Beccafumis Bozzetto fand in mehrere Gemälde des Sieneser Manieristen Eingang. Die Ölstudie soll 40.000 bis 60.000 Euro kosten.

Vermutlich malte Domenico Beccafumi den Kopf eines alten weißbärtigen Mannes mit blankem Schädel für seinen Vorlagenvorrat, wie ihn die Altmeister anlegten, um nicht für jedes Haupt vielköpfiger Darstellungen lebende Modelle bemühen zu müssen. Der locker erfasste, ganz in sich versunkene Alte konnte als heiliger Josef ebenso gut herhalten wie als Prophet oder Philosoph. Ein Gutachten von Piero Torriti, dem Verfasser des Beccafumi-Werkverzeichnisses, nennt mehrere Gemälde, für die dieser Bozzetto Verwendung fand. Wenn auch die Uffizien und andere Museen vergleichbare Studienköpfe des Sieneser Manieristen bewahren, sind sie auf dem Kunstmarkt doch Raritäten: In Karl & Fabers Auktion mit Alter Kunst und 19. Jahrhundert kommt am 26. April in München die aus einer österreichischen Sammlung stammende Ölstudie auf Papier auf Leinwand unter den Hammer - geschätzt auf 40.000 bis 60.000 Euro.

24102891 © Karl & Faber Vergrößern Spezialist für Waldbilder: Gillis van Coninxloo III schuf 1602 diese stimmungsvolle Szene im grünen Gehölz. Die Taxe liegt bei 20.000 bis 30.000 Euro.

Bei den Gemälden fällt auch ein Werk des Niederländers Gillis van Coninxloo III ins Auge: Der Spezialist für Waldbilder schuf 1602 ein dichtes grünes Gehölz mit Ausblicken auf blaue Berge und einem von Reiter und Fußgängern benutzten Holzsteg (Taxe 20.000/30.000 Euro). Frische Meeresluft atmet hingegen Hubert Roberts „Scène de port“, belebt von einem Fischer und Frauen am Brunnen, gemalt um 1780 in Erinnerung an die römischen Jahre des Franzosen (30.000/40.000). Später fuhr auch Marie Ellenrieder nach Italien, als erste Frau hatte sie an der Münchner Akademie studiert und fand durch Kontakte zu den Nazarenern ihren biblischen Themenkreis; ihre „Maria mit der Lilie“ lässt 4000 bis 5000 Euro erwarten.

24102890 © Karl & Faber Vergrößern Die einzige Frau unter den Nazarenern: Marie Ellenrieder malte „Maria mit der Lilie“ um 1830. Das Gemälde wird auf 4000 bis 5000 Euro geschätzt.

Hervorragendes bringt die Papier-Abteilung zum 19. Jahrhundert auf den Tisch: zum Beispiel sieben Lose von Johann Georg von Dillis, darunter hübsche Studien von neapolitanischen Fischerburschen (ab 1200 Euro), oder ein Aquarell seines aktuell in Münchens Neuer Pinakothek gefeierten Zeitgenossen Johann Christian Reinhart, der als zentrale Figur im Künstlerkreis der Deutschrömer und bedeutender Landschaftsmaler fast fünfzig Jahre in Rom lebte. Seine arkadische Landschaft mit Hirtenstaffage gibt ein ausgezeichnetes, voll durchgearbeitetes Beispiel seiner Kunst und ist mit 6000 bis 7000 Euro nicht überschätzt. Der den Reinhart-Kreis frequentierende Salomon Corodi aquarellierte einen Blick über den Tiber zur Kuppel von St. Peter in der Abendsonne (3000/4000).

24102885 © Karl & Faber Vergrößern Die vielleicht einzige, voll ausgeführte und signierte Landschaftszeichnung des Künstlers: 13.000 bis 15.000 Euro soll Ferdinand Georg Waldmüllers Blatt bringen.

Von Ferdinand Georg Waldmüller, dem großen Wiener Maler realistischen Genres, liegt die Zeichnung eines herrlichen Baums vor, der ein Stück Hügelland bei Mauer südwestlich Wiens beherrscht; das als vielleicht einzige, voll ausgeführte und signierte Landschaftszeichnung des Künstlers hervorgehobene Blatt trachtet nach 13.000 bis 15.000 Euro. Auf einer Wanderung durchs Salzkammergut mit seinem Vater aquarellierte der siebzehnjährige Rudolf von Alt Gebirgsbach und Mühle, ließ sie aber in reizvoller Unfertigkeit stehen (5000/6000).

24102892 © Karl & Faber Vergrößern Erhalten im seltenen ersten Zustand: Schongauers Kupferstich „Der thronende Heiland“ wird auf 50.000 bis 70.000 Euro geschätzt.

Ikonen der Altmeistergraphik präsentiert das Angebot mit Schongauers Kupferstich „Der thronende Heiland“ als ausgezeichnetem Exemplar des seltenen ersten Zustands (50.000/70.000), mit Dürers „Marter der Zehntausend von Nikodemien“ (20.000/25.000) oder auch mit Rembrandts von stark atmosphärischer Lichtwirkung erfasstem „Christus lehrend (La petite Tombe)“ (30.000/35.000). In barocken Hafenanlagen siedelt Johann Wolfgang Baumgartners narrative Tageszeiten-Serie in Tuschfeder und -pinsel auf bläulichem Bütten, die zu Einzelpreisen von 16.000 bis 18.000 Euro auseinandergerissen zu werden droht.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Alte und neue Kunst in München Gretchen betet im Klosterhof

Zum Saisonabschluss von Neumeister in München kann nicht nur eine Faust-Szene punkten: Das Auktionshaus gewinnt durch die Aufarbeitung seiner Geschichte. Mehr Von Brita Sachs aus München

28.01.2015, 10:09 Uhr | Feuilleton
Kunstgeschichte Handgemalter Animationsfilm erzählt die Geschichte von Vincent van Gogh

Für Vincent van Gogh stellen Maler in Polen rund 60.000 Einzelbilder her und erwecken die Gemälde des weltberühmten Künstlers in einem Animationsfilm zum neuen Leben. Mehr

29.01.2015, 15:18 Uhr | Feuilleton
200 Jahre Städel Zum Geburtstag gibt’s Geschenke

Frankfurts bedeutendstes Museum feiert zweihundertjähriges Jubiläum: Es gibt Feste für die Bürger - und auch über zwei eindrucksvolle Neuerwerbungen kann man sich freuen. Mehr Von Rose-Marie Gropp

22.01.2015, 17:17 Uhr | Feuilleton
Art Detective Kunstdetektive spielen Sherlock Holmes

In den Archiven der staatlichen Museen in Großbritannien lagern mehr als 30.000 alte Gemälde, über die so gut wie nichts bekannt ist. Kunsthistoriker sind mit der Recherche überfordert und wenden sich mit der Initiative "Art Detective" an die Öffentlichkeit. Kunstinteressierte Laien recherchieren den Hintergrund der Werke. Mehr

17.12.2014, 18:02 Uhr | Feuilleton
Kunstmarkt Die Kunst schlägt den Dax

Alle Welt stürzt sich auf zeitgenössische Bilder. Die Preise für Andy Warhol, Francis Bacon und Gerhard Richter gehen durch die Decke. Mehr Von Dennis Kremer

26.01.2015, 10:08 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 22.04.2013, 14:59 Uhr

Der verlängerte Arm der AfD?

Von Jasper von Altenbockum

Die Spaltung von Pegida geht in eine Richtung, die der AfD zu einem verlängerten Arm verhelfen könnte. Wohin das die AfD treibt, wird sich am Wochenende in Bremen zeigen. Ein Kommentar. Mehr 100 14