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Veröffentlicht: 22.04.2013, 14:59 Uhr

Alte Kunst bei Karl & Faber Italienische Jahre

Eine Rarität auf dem Kunstmarkt: Das Münchener Auktionshaus Karl & Faber wartet am 26. April mit einem Bozzetto des Manieristen Beccafumi auf. Außerdem kommt Graphik von Schongauer, Dürer und Rembrandt zum Aufruf.

von Brita Sachs

Vermutlich malte Domenico Beccafumi den Kopf eines alten weißbärtigen Mannes mit blankem Schädel für seinen Vorlagenvorrat, wie ihn die Altmeister anlegten, um nicht für jedes Haupt vielköpfiger Darstellungen lebende Modelle bemühen zu müssen. Der locker erfasste, ganz in sich versunkene Alte konnte als heiliger Josef ebenso gut herhalten wie als Prophet oder Philosoph. Ein Gutachten von Piero Torriti, dem Verfasser des Beccafumi-Werkverzeichnisses, nennt mehrere Gemälde, für die dieser Bozzetto Verwendung fand. Wenn auch die Uffizien und andere Museen vergleichbare Studienköpfe des Sieneser Manieristen bewahren, sind sie auf dem Kunstmarkt doch Raritäten: In Karl & Fabers Auktion mit Alter Kunst und 19. Jahrhundert kommt am 26. April in München die aus einer österreichischen Sammlung stammende Ölstudie auf Papier auf Leinwand unter den Hammer - geschätzt auf 40.000 bis 60.000 Euro.

Bei den Gemälden fällt auch ein Werk des Niederländers Gillis van Coninxloo III ins Auge: Der Spezialist für Waldbilder schuf 1602 ein dichtes grünes Gehölz mit Ausblicken auf blaue Berge und einem von Reiter und Fußgängern benutzten Holzsteg (Taxe 20.000/30.000 Euro). Frische Meeresluft atmet hingegen Hubert Roberts „Scène de port“, belebt von einem Fischer und Frauen am Brunnen, gemalt um 1780 in Erinnerung an die römischen Jahre des Franzosen (30.000/40.000). Später fuhr auch Marie Ellenrieder nach Italien, als erste Frau hatte sie an der Münchner Akademie studiert und fand durch Kontakte zu den Nazarenern ihren biblischen Themenkreis; ihre „Maria mit der Lilie“ lässt 4000 bis 5000 Euro erwarten.

Hervorragendes bringt die Papier-Abteilung zum 19. Jahrhundert auf den Tisch: zum Beispiel sieben Lose von Johann Georg von Dillis, darunter hübsche Studien von neapolitanischen Fischerburschen (ab 1200 Euro), oder ein Aquarell seines aktuell in Münchens Neuer Pinakothek gefeierten Zeitgenossen Johann Christian Reinhart, der als zentrale Figur im Künstlerkreis der Deutschrömer und bedeutender Landschaftsmaler fast fünfzig Jahre in Rom lebte. Seine arkadische Landschaft mit Hirtenstaffage gibt ein ausgezeichnetes, voll durchgearbeitetes Beispiel seiner Kunst und ist mit 6000 bis 7000 Euro nicht überschätzt. Der den Reinhart-Kreis frequentierende Salomon Corodi aquarellierte einen Blick über den Tiber zur Kuppel von St. Peter in der Abendsonne (3000/4000).

Von Ferdinand Georg Waldmüller, dem großen Wiener Maler realistischen Genres, liegt die Zeichnung eines herrlichen Baums vor, der ein Stück Hügelland bei Mauer südwestlich Wiens beherrscht; das als vielleicht einzige, voll ausgeführte und signierte Landschaftszeichnung des Künstlers hervorgehobene Blatt trachtet nach 13.000 bis 15.000 Euro. Auf einer Wanderung durchs Salzkammergut mit seinem Vater aquarellierte der siebzehnjährige Rudolf von Alt Gebirgsbach und Mühle, ließ sie aber in reizvoller Unfertigkeit stehen (5000/6000).

Ikonen der Altmeistergraphik präsentiert das Angebot mit Schongauers Kupferstich „Der thronende Heiland“ als ausgezeichnetem Exemplar des seltenen ersten Zustands (50.000/70.000), mit Dürers „Marter der Zehntausend von Nikodemien“ (20.000/25.000) oder auch mit Rembrandts von stark atmosphärischer Lichtwirkung erfasstem „Christus lehrend (La petite Tombe)“ (30.000/35.000). In barocken Hafenanlagen siedelt Johann Wolfgang Baumgartners narrative Tageszeiten-Serie in Tuschfeder und -pinsel auf bläulichem Bütten, die zu Einzelpreisen von 16.000 bis 18.000 Euro auseinandergerissen zu werden droht.

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Quelle: F.A.Z.

 

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