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Sotheby’s Christie’s, Phillips : Her mit den Moneten!

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Diese Preise sind heiß: Bei den Auktionen mit Impressionismus, Moderne und Gegenwartskunst in New York bei Sotheby’s, Christie’s und Phillips kommen große Meisterwerke unter den Hammer. Eine Vorschau.

          Der erwartete Gesamtumsatz für die New Yorker Frühjahrsauktionen mit moderner und zeitgenössischer Kunst ist so hoch wie nie zuvor. Das liegt am spektakulären Verkauf der Rockefeller-Sammlung bei Christie’s, aber auch an den Spitzenlosen mit Rekordschätzungen, die bei den traditionellen Abendterminen das Angebot anführen. Egal wohin man schaut, fällt diesmal besonders auf, wie oft jüngste Ausstellungen als „Durchlauferhitzer“ die Verkaufsentscheidungen der Einlieferer und damit das Programm der Auktionen bestimmen.

          Es beginnt mit Impressionismus und Moderne: Sotheby’s macht am Abend des 14.Mai den Auftakt; man startet mit Superlativen und einer echten Trophäe: Das größte jemals von Amedeo Modigliani gemalte Bild kommt mit der höchsten jemals bei einer Auktion überhaupt vergebenen Taxe zum Aufruf. Für den fast anderthalb Meter breiten „Nu couché (sur le côté gauche)“ aus dem Jahr 1917 werden sagenhafte 150 Millionen Dollar erwartet – mindestens. Das Gemälde ist Teil einer Serie von Aktbildern, von ihnen 22 in liegender Pose, die Modigliani zwischen 1916 und 1919 schuf; bis vor kurzem war es in London bei der großen Modigliani-Retrospektive in der Tate Modern zu bewundern. Einzig diese Version zeigt den ganzen Körper des lasziv hingestreckten Modells, das dem Betrachter den Rücken, gleichzeitig aber herausfordernd das Gesicht mit dunklen Mandelaugen zuwendet.

          Zuvor in der Sammlung des Casino-Milliardärs Steve Wynn, wurde der Akt 2003 bei Christie’s für 26,9Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) in eine Privatsammlung vermittelt. Zwar gibt Sotheby’s die Identität des Einlieferers nicht bekannt, es soll sich aber um den irischen Pferderennsport-Mogul John Magnier handeln. Das Preisniveau für Modigliani schnellte im November 2015 nach oben, als der chinesische Milliardär Liu Yiquian und seine Frau Wang Wei, denen das Long-Museum in Schanghai gehört, für einen anderen Akt aus Modiglianis Serie 170,4Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) bei Christie’s bezahlten: der bis dahin zweithöchste Zuschlag bei einer Auktion jemals. Auch für den „Nu couché (sur le côté gauche)“ – sicherheitshalber mit einer Garantie und einem unwiderruflichem Gebot durch eine dritte Partei versehen – erwartet Sotheby’s Interesse besonders aus Asien.

          Kaum überraschend ist unter den Spitzen bei Sotheby’s ein Picasso, von insgesamt elf im Programm. Picassos Retrospektive in der Londoner Tate Modern, ganz seinem Schaffen im Jahr 1932 gewidmet, ist der Blockbuster des Sommers. Und 1932 malte er die kleine Version von „Le Repos“, der schlafenden Marie-Thérèse Walter vor rot-grünem Hintergrund (Taxe 25/35Millionen Dollar); ihren Einlieferer kostete sie im Jahr 2000 bei Sotheby’s 7,9 Millionen Dollar. Daneben hat sich eine filigrane Katze von Alberto Giacometti, entstanden 1951, geschlichen, „Le Chat“ (20/ 30Millionen). Es folgt Monets „Matinée sur la Seine“ (18/25Millionen) von 1896. Sotheby’s rechnet für 46 Lose mit 307,4 bis 378,1Millionen Dollar.

          Nachkriegskunst und Zeitgenossen

          Christie’s zieht am folgenden Abend mit vierzig Losen und einer Gesamttaxe von 437,6Millionen nach. Drei Lose, je mit einem Preisschild von um siebzig Millionen Dollar versehen, führen: Picassos „Le Marin“, Malewitschs „Suprematist Composition“ von 1916 und Brancusis „La jeune fille sophistiquée (Portrait de Nancy Cunard)“. Picasso malte den „Matrosen“ im blauweiß gestreiften Pullover, der als Selbstporträt gilt, 1943 während der deutschen Besatzung. Malewitschs revolutionäre Komposition kommt mit langer Ausstellungsgeschichte.

          Das Bild stellte 2008, kurz nach seiner Restitution durch das Stedelijk Museum in Amsterdam, mit sechzig Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) den aktuellen Malewitsch-Rekord auf, der nun nach oben korrigiert werden soll. Brancusis Porträt der angloamerikanischen Millionenerbin und Bohémienne Nancy Cunard – als unikate Bronzeplastik, aus der Sammlung von Elizabeth Stafford, die es 1955 bei einem Atelierbesuch selbst kaufte – soll einen neuen Künstlerrekord aufstellen.

          Am 16. Mai geht es mit Nachkriegskunst und Zeitgenossen weiter. Sotheby’s sucht bei seiner Abendauktion Abnehmer für fünfzig Lose im Wert von 210,7 bis 289,6 Millionen Dollar. Ein Blickfang ist David Hockneys mehr als drei Meter breites, knallbuntes Gemälde „Pacific Coast Highway and Santa Monica“ (20/30 Millionen), frisch aus seiner Wanderausstellung von London über Paris zum Metropolitan Museum in New York. Es ist mit Garantie und Mindestgebot versehen, wie auch ein feuerrotes „Abstraktes Bild“ von Gerhard Richter (15/20Millionen). An der Spitze steht allerdings Basquiat: Für sein monumentales „Flesh and Spirit“ aus dem Nachlass von Dolores Ormandy Neumann werden dreißig Millionen Dollar gefordert. Leere Kassen füllen will die „Metropolitan Pier and Exposition Authority“ in Chicago, die ein großes Gemälde von Kerry James Marshall einreicht und auf acht bis zwölf Millionen Dollar hofft; sie übernahm „Past Times“ 1997 direkt aus dem Atelier für 25000 Dollar.

          Werke afroamerikanischer Künstler haben stark an Wert zugelegt; Marshalls ironische, farbige Picknickgesellschaft war Teil seiner gefeierten Schau, die 2017 ebenfalls im Metropolitan Museum zu Ende ging. Von der Malerin Njideka Akunyili Crosby, in Nigeria geboren und in Los Angeles beheimatet, wird „Bush Babies“ (600000/800000) zugunsten des Studio Museums in Harlem verkauft; auch dieses Gemälde kommt frisch von einer Ausstellung, der Triennale in New Orleans.

          Jeff Koons' „Play-Doh“ braucht viel Platz und Moneten

          Bei Phillips sind am 17.Mai 38 Lose im Angebot, die zusammen mehr als 117 Millionen Dollar einspielen sollen. Auch dort ist Kerry James Marshall mit „Untitled (Blanket Couple)“ aus dem Jahr 2014 (3,5/5,5 Millionen) dabei. Die drei teuersten Lose kommen von Sigmar Polke, Gerhard Richter und Robert Motherwell; sie sollen je zwölf bis achtzehn Millionen Dollar einspielen. Motherwells monumentales Bild „At Five in the Afternoon“, 1971 in den abstrakten geometrischen Formen gemalt, wie sie typisch für seine Arbeiten sind, ist Teil der 170 Werke umfassenden „Elegy“-Serie, die sich auf den Spanischen Bürgerkrieg bezieht und deren krasse Schwarzweißkontraste als Metaphern für Leben und Tod stehen. Die Innenarchitektin Holly Hunt aus Chicago kaufte das – mit Garantie versehene – Werk 1981 für 500.000 Dollar, so heißt es.

          Polkes „StadtbildII (City PaintingII)“ von 1968 gelangte aus der Auktion der Dürckheim-Sammlung 2011 bei Sotheby’s über die Galerie David Zwirner an seinen derzeitigen Besitzer und war 2015 bei der Polke-Ausstellung im Museum Ludwig in Köln dabei. Eine marktfrische Variante aus Andy Warhols „Last Supper“-Reihe (8/12 Millionen) steht auf dem vierten Platz der Rangliste bei Phillips.

          Bei Christie’s erfährt man die Preise der fünf teuersten Lose in der Abendauktion mit Zeitgenossen nur auf Anfrage. Francis Bacons „Study for Portrait“ ist – wie die beiden Warhols, ein „Double Elvis“ und „Most Wanted Men No.11, John Joseph H.,Jr.“ – mit „in der Region von“ dreißig Millionen Dollar bewertet. Von letzterem Warhol befindet sich die einzige weitere Version im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt. Für Mark Rothkos erdiges abstraktes Gemälde „No.7 (Dark Over Light)“ werden ebenfalls um dreißig Millionen Dollar erwartet.

          Viel Platz und Moneten, rund zwanzig Millionen Dollar nämlich, sind nötig für Jeff Koons’ dreieinhalb Meter hohen bunten Klumpen „Play-Doh“. Was wie Kinder-Knete aussieht, ist freilich aus Aluminium gefertigt; eine weitere der fünf Versionen amüsiert derzeit in Los Angeles die Besucher der wiedereröffneten Getty Villa. Zu den Highlights gehören auch zwei abstrakte Gemälde von Joan Mitchell (5/7 und 7/9 Millionen). Ein Konvolut mit dreizehn Werken Richard Diebenkorns aus der Sammlung von Donald und Barbara Zucker (Taxen 300000 bis 20Millionen Dollar) bringt das Abendangebot auf insgesamt 65 Lose. Christie’s wünscht sich einen Gesamtumsatz um 320 Millionen Dollar.

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