In der Liebe und im Fußball ist alles erlaubt. Anders sind die folgenden Sätze von belgischen Fußballfans kaum zu erklären: „Wir sind stolz, jetzt Söldner der Niederlande zu sein. Wir werden die Spiele sehen, die Farben tragen, eine Auswahl ihrer Nationalgerichte zubereiten und essen, möglicherweise sogar ihre Flagge kaufen und die Nationalhymne lernen.“ Was ist denn mit den Belgiern los? Haben sie nun vollständig resigniert, nachdem ihre eigene Mannschaft sich nicht für die Europameisterschaft qualifiziert hat? Ein anonymer Bieter aus Holland bezahlte bei Ebay 3000 Euro für 20.000 Belgier, die sich bei Facebook zur Versteigerung angeboten hatten.
Ein Schnäppchen: Denn für nur fünfzehn Cent pro Kopf jubelten diese am Mittwoch dem niederländischen Team zu. Es liegt nahe, das bislang wohl singuläre Projekt „gekaufter Jubel“ auch auf den Kunstmarkt zu übertragen. In einer Zeit, in der Aufmerksamkeit längst zur wichtigsten Währung geworden ist und im Internet gekaufte „Follower“ bei Twitter und „Freunde“ bei Facebook längst Standard sind, lassen sich vom Fankauf Geschäftsmodelle auch für die Kunst ableiten: Fangruppen könnten in Zukunft für Vernissagen, Finissagen und Performances angeheuert werden.
Als Glücksbringer haben sie versagt
Denn wenn den Jubelbelgiern sogar die Treue zum eigenen Land nichts mehr bedeutet, ließen sie sich bestimmt auch für Kunst begeistern; als zuverlässige Claqueure für jeden Anlass, unabhängig von Nationalität und Gesinnung. Kosten Fans für Damien Hirst mehr als Anhänger für, sagen wir, Michelangelo? Doch bevor man überhaupt sinnieren konnte über die abgründigen Möglichkeiten der gekauften Fans auf dem Kunstmarkt, war die Wirklichkeit längst schneller und hat die Tücken dieses Geschäfts offenbart.
Denn dass die besten Geschichten in der Liebe und im Fußball tragisch enden, gilt auch hier: Der gekaufte Jubel hat der holländischen Mannschaft kein Glück gebracht. Sie haben gegen Deutschland verloren; die belgischen Fans sind jetzt wieder auf dem Markt. Ob sich für das nächste und jetzt entscheidende Spiel für die Niederlande gegen Portugal wieder Bieter finden werden? Immerhin: Die jetzt schon eingesetzten 3000 Euro gehen an Unicef, für einen guten Zweck.