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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Auktion in Berlin Verschollene Waldnymphen

 ·  Bassenge in Berlin versteigert Alte und moderner Kunst und schenkt dabei den Frauen viel Aufmerksamkeit - als Künstler oder Muse?

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© Bassenge Das Spitzenlos bei Bassenge: Christiaen van Couwenberghs Gemälde „Joseph und Potiphars Weib“ von 1626 ist auf 70.000 Euro geschätzt

Cherchez la femme! Es sind die Frauen, denen bei der Versteigerung mit Alter und moderner Kunst bei Bassenge in Berlin vom 31. Mai bis zum 2. Juni das Hauptaugenmerk der mit weit mehr als 3000 Werken vertretenen Maler, Graphiker und Bildhauer gilt. Schon das mit 70.000 Euro bezifferte Spitzenlos der Auktion, ein großformatiges Gemälde des Utrechter Caravaggisten Christiaen van Couwenbergh, beweist das: Stellt es doch die Gemahlin des hohen ägyptischen Beamten Potiphar dar, der es nicht gelingt, den prachtvoll gewandeten Joseph in ihr weich gepolstertes Bett zu ziehen. Erotisches Begehren wecken auch Jan Lievens’ badende Nymphen in einer mehr als 300 Jahre lang verschollenen Waldlandschaft, die aus einer rheinischen Privatsammlung eingeliefert wurde und 40.000 Euro einspielen soll. Dass Johann Michael Rottmayrs Kleopatra am Biss einer winzigkleinen Schlange hinbleichen würde, glaubt man dem für 18.000 Euro abrufbaren üppigen Halbakt kaum - so wenig wie dem auf 12.000 Euro taxierten klassisch schönen Modell des Schweizers Bernard Claris, trotz eines turbanartig geschlungenen Kopfputzes, die orientalische Herkunft.

Vom Weinen geschüttelt

Porträts attraktiver Damen dominieren auch die Versteigerung von Kunst des 20. Jahrhunderts, allen voran Pablo Picassos Konterfei der Lebensgefährtin Françoise Gilot, die er 1950 als ein vom Weinen geschütteltes Geschöpf lithographierte (Taxe 50.000 Euro). Der besten Schaffenszeit des sächsischen Expressionisten Conrad Felixmüller entstammt eine 1922 datierte Federzeichnung „Mädchen im offenen Haar“ (6000). Der schrittweise aufgelösten Kunstkollektion des Stuttgarter Unternehmers Rolf Deyhle entstammt Lovis Corinths Bildnis seiner Schwägerin Alice Behrend, entstanden 1924, im Jahr vor dem Tod des Berliner Secessionisten: Nach dem Rückgang in einer Sotheby’s-Auktion 1999 soll es nun für 25.000 Euro einen Käufer mobilisieren. Mit einem kleinformatigen Blumenaquarell vom Ende der vierziger Jahre, dessen Schätzpreis 50.000 Euro beträgt, ist Emil Nolde vertreten.

Ebenfalls mit Wasserfarben realisierte der Franzose Fernand Léger ein landschaftliches Motiv mit ornamental stilisierten Bäumen, das für 30.000 Euro zur Disposition steht. Den gleichen Preis erzielen soll Karl Hofers 1943 datierte Replik der 1921 entstandenen Erstfassung eines „Mädchens mit grüner Fahne“. Mit einem 7500 Euro teuren „Goldenen Herbst“ bringt sich der vor dreißig Jahren in Moskau und Ost-Berlin glamourös gefeierte russische Modemaler Ilja Glasunow als illegitimer Erbe der realistischen Maler des 19. Jahrhunderts aus der Gruppe der „Peredwischniki“ in Erinnerung.

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Redakteurin im Feuilleton.

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