Die große Halle des Hamburger Bahnhofs diente am Donnerstagabend als Bühne für eine Benefiz-Auktion zugunsten von Christoph Schlingensiefs „wichtigstem Projekt“, dem Operndorf Afrika. Die Werke hatten 84 Künstler, Sammler und Galeristen gestiftet, und manche hatten sogar eigens für den Anlass Kunst geschaffen, hieß es; darunter auch Günther Uecker und Jorinde Voigt. Die rund vierhundert aufgestellten Stühle reichten bei weitem nicht für die neugierigen Besucher aus, und so mussten viele die Hälse recken, als der Botschafter von Burkina Faso seine Grußworte sprach. Noch länger wurden die Hälse, als dann überraschend die Musikerin Patti Smith mit zerzaustem Haar auf die Bühne trat und a cappella ein Lied für Christoph Schlingensief sang, das manch einem die Tränen in die Augen trieb. Sie verlieh der Veranstaltung besonderen Glanz.
Unermüdlich rang Peter Raue in der Rolle des Auktionators um jedes einzelne der Lose, meistens erfolgreich. Julia Stoschek ersteigerte Valie Exports große, unikate Fotografie „Körperkonfiguration“ für 30.000 Euro (Taxe 25.000). Friedrich Christian Flick bot beharrlich auf Christian Jankowskis Video „Jagd“ - mit Pfeil und Bogen auf Lebensmittel im Supermarkt - bis 6000 Euro (2000), sowie auf ein kleines Aquarell von Martin Creed bis 33.000 Euro Taxe (9000). Flick hatte das Spitzenlos gestiftet: eine Gouache von Sigmar Polke, die auf 66.000 Euro kletterte (35.000). Christian Boros bewilligte 13.000 Euro für John Bocks Installation „Bauernskulptur, Zitterwürfel“ (15.000), und Stephan Landwehr kaufte unter anderem Matthew Barneys „Cremaster 3: Plumb Line“ für 22.000 Euro (19 500). Christiane zu Salm, die Schlingensief schon 1998 in ihrer ersten Sendung bei MTV zu Gast hatte, sicherte sich ein kleines bronzenes Hundeliebespaar von Peter Stauss für 6000 Euro (5000).
Ein poetisches Blatt von Günter Brus ging für 8000 Euro (9100) an Patti Smith. Sie selbst hatte auch eine Tür gestiftet, auf die sie kurz vor Schlingensiefs Tod ein Gedicht für ihn gezeichnet hatte. Raue organisierte dafür einen Zuschlag von 20.000 Euro und kündigte an, dass das Werk als Schenkung an die Nationalgalerie gehe. „Das ist der Anfang für einen großen Raum für Christoph Schlingensief“, sagte Udo Kittelmann, der Direktor der Nationalgalerie, und war gerührt, dass Patti Smith ihm nach der Auktion auch noch zusagte, fünf ihrer Fotografien beizusteuern. Eine weitere Schenkung an das Museum ist Schlingensiefs wildes Kostüm für 20.000 Euro, das er am Wiener Burgtheater in „Bambiland“ getragen hat (10.000 Euro). Am Ende der Auktion konnte Peter Raue ein höchst erfreuliches Gesamtergebnis von 1,025 Millionen Euro verkünden.