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Fotografie-Auktion : Auf der Mauer, auf der Lauer

Am 28. Mai versteigert Phillips in Hongkong unter dem Titel „Wahrhol in China“ zahlreiche Fotografien des Pop-Art-Künstlers, die dieser während seiner Asienreise schoss.

          Ja, auch Andy Warhol war einmal auf der Großen Mauer unterwegs, 1982, während einer Reise nach Hongkong und durch Festlandchina. Am 28. Mai versteigert Phillips in Hongkong unter dem Titel „Warhol in China“ 45 Lose mit Fotos, die er dort geschossen hat. Sie kommen aus einer ungenannten „wichtigen europäischen Sammlung“. Angesichts der Fülle seiner Bilder in allen Formaten und Größen, auf denen Warhol seit 1972 den Vorsitzenden Mao verewigt hat, ließe sich tatsächlich denken, dass er nun das Land von dessen Herkunft – Mao Tse-tung starb 1976 – kennenlernen wollte. Jedenfalls lächelt der Meister selbst, beinah entspannt, auf dem Cover des kleinen Auktionskatalogs in eine Kamera, hinter sich die Große Mauer. Es scheint ihm dort gefallen zu haben.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Die Losnummer 1 zeigt ein paar Menschen, wie sie eine der steilen Treppen der Mauer hinaufkraxeln. Warhol steht offenbar am Fuß der Stufen und hält fröhlich von unten auf die Wanderer drauf (Taxe 10 300/15 400 Dollar). Und es wäre nicht Warhol, wenn es dasselbe Motiv nicht, als Losnummer 13, auch vierfach und mehr als doppelt so groß gäbe – entsprechend mit 76 000 bis 115 000 Dollar beziffert. Überhaupt verströmt jedes der etwa 200 Fotos den Geist des Master of Pop, in der Manier des für ihn typischen Blicks, der in der scheinbaren Beiläufigkeit des Schnappschusses mehr Inhalt produziert als andere in inszenierten Aufnahmen.

          Da ist sein gerade zwanzig mal 25 Zentimeter messender Abzug von „Statue of Mao and Building“, großartig in der wie absichtslosen, leichten Untersicht (10 300/15 400). Oder da sind die zwei zwischen den Hügeln eingebetteten Hochhaussilhouetten von „Hong Kong“, die im Dunst zu verschwinden scheinen (je 10 300/15 400). Alle Fotos sind schwarzweiß, bis auf einige Polaroids mit den Porträts junger Frauen und Männer, von denen eine perfekte Fremdheit ausgeht (je 4 Fotos; 10 300/15 400).

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