http://www.faz.net/-gqz-943o4

Artcurial-Auktion : Modellierte Emotionen

  • -Aktualisiert am

Lange stand Camille Claudel im Schatten ihres Lehrmeisters und Geliebten Auguste Rodin. Nun kommen bei Artcurial in Paris die letzten in ihrer Familie verbliebenen Arbeiten zur Versteigerung.

          Camille Claudel (1864 bis 1943) hat nur rund achtzig bildhauerische Werke hinterlassen. Wenn am 27. November bei Artcurial in Paris ein letztes Konvolut aus Familienbesitz mit sechzehn Skulpturen der Künstlerin zur Versteigerung kommt, handelt es sich immerhin um ein Fünftel ihres bildhauerischen Schaffens. Sämtliche Lose stammen aus Claudels Atelier – darunter auch zwei Gipsmodelle von Auguste Rodin – und sind bis heute im Besitz der Familie ihrer Schwester Louise verblieben.

          Camille Claudel wurde erst in den achtziger Jahren als eigenständige Bildhauerin wiederentdeckt. Der immense Schatten ihres Lehrmeisters und Geliebten Auguste Rodin hatte nicht nur ihr Werk, sondern auch die Frau und Künstlerin erdrückt. Sie konnte die Trennung von Rodin psychisch nie überwinden und zerstörte nach 1905 in tiefer Depression fast alle ihre neugeschaffenen Arbeiten. Im Jahr 1913 wurde sie von ihrer Familie in eine psychiatrische Anstalt verbannt. Gut hundert Jahre später hat jetzt endlich ein Camille-Claudel-Museum in Nogent-sur-Seine bei Paris eröffnet: 2017 steht als hundertstes Todesjahr von Rodin also nicht nur im Zeichen des Meisters, sondern auch seiner hochbegabten Künstlergefährtin.

          Das Konvolut der Artcurial-Auktion umfasst mit Gipsmodellen, Studien in Terrakotta und Bronzen Claudels gesamte Schaffenszeit bis 1905 und zeigt, wie persönlich geprägt ihr Werk ist. Immer wieder stehen ihr die Mitglieder der Familie Modell. Die frühe, noch ganz akademische Gipsbüste „Diane“ ist wahrscheinlich ein Selbstporträt (Taxe 8000/12 000 Euro); sie entstand 1881, als die Siebzehnjährige gerade ihre Ausbildung in Paris begonnen hatte. Zwei fast grob modellierte, aber im Ausdruck virtuose Gipsstudien zu „Sakuntala“ – sie zeigen eine weibliche Figur, die sich in die Arme des Geliebten gleiten lässt – beweisen ihre atemberaubend schnelle künstlerische Entfaltung (Taxe jeweils 50 000/70 000 Euro).

          Von 1885 an arbeitet Claudel in Rodins Atelier. Die tiefe emotionale Erfahrung dieser Jahre scheint direkt in ihr bildhauerisches Werk zu fließen. Aus diesen Studien entsteht 1886 die Bronzeskulptur „L’Abandon“ (Die Hingabe). Unzweifelhaft ist sie eines von Camille Claudels Hauptwerken, versehen mit einer Schätzung von 600 000 bis 800 000 Euro. Ihr Bruder, der Schriftsteller Paul Claudel, bemerkte dazu, dass man wohl nirgendwo sonst etwas derart Leidenschaftliches und zugleich Keusches sehen könne.

          Weitere Themen

          Auf wogende Nägel ist Verlass

          Ergebnisse bei Ketterer : Auf wogende Nägel ist Verlass

          Im Münchner Auktionshaus Ketterer führt Günther Uecker, doch auch einige andere Künstler haben hohe Umsätze gebracht. Ein Blick auf die Ergebnisse der Auktionen mit Moderne, Kunst nach 1945 und Kunst des 19. Jahrhunderts.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.