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Art Düsseldorf : Alles regional, oder was?

  • -Aktualisiert am

Chen I-Chun Shui, „Yuan Lin Legend – Fifth Episode“, 2017, Farbvideo-Loop mit Ton, 5 Minuten, bei der Liang Gallery aus Taipei (2960 bis 4650 Euro) Bild: Liang Gallery, Taipei

Die erste Ausgabe der „Art Düsseldorf“ kann sich sehen lassen. Aber die neue Messe wird ihr Profil noch schärfen müssen.

          Wie viele Messen verkraftet das Land? Hartnäckig drängte sich die Frage nach den Erfolgsaussichten der neuen Marktplätze in Deutschland in die Eröffnung der rheinischen Debüt-Messe Art Düsseldorf. Denn in der Tat – so viel Art war selten. Während die Art Cologne soeben die Art Berlin aus der Taufe gehoben hat (F.A.Z. vom 15. September), gründete die Kölner Art Fair – mit tatkräftigem Beistand der Schweizer MCH Group, Mutter der branchenführenden Art Basel und ihrer Ableger in Miami und Hongkong – eben die Art Düsseldorf. Die soll sich, nach dem Willen des Basler Live-Marketing-Unternehmens, „regional“ in der Messelandschaft verankern, wie auch eine von den Schweizern unterstützte India Art Fair in Neu-Delhi.

          Da die oben gestellte Frage letztlich von den Sammlern und ihrer Kauflust beantwortet wird, muss sie weiter als offen gelten, bis belastbare Bilanzen vorliegen (die von weniger glücklichen Galeristen naturgemäß ungern offenbart werden). Manche Platzhirsche unter den alteingesessenen rheinischen Galerien haben es jedenfalls vorgezogen, dem Newcomer bei seiner ersten Ausgabe fernzubleiben. Nicht alle begründeten ihre Abstinenz so vehement wie Christian Nagel: Den Kölner Ausrichtern der Art Düsseldorf bescheinigte der Galerist, die „schlechteste Kunstmesse Europas“ betrieben zu haben. Dem hat bislang niemand vernehmlich widersprochen, und tatsächlich hatte die krause Art Fair Kriterien für die Beurteilung von Gegenwartskunst nicht erkennen lassen. Wer immer sich deshalb in der Jury für die Düsseldorfer Art einfand – darunter David Zwirner, Boris Vervoordt und Linn Lühn –, dürfte auf die Expertise der Art-Fair-Manager Walter M. Gehlen und Andreas E. Lohaus in Sachen Kunst weniger Wert gelegt haben. Ihrerseits haben die beiden Kölner, das muss man ihnen lassen, sich ganz der Kompetenz der Galeristen überantwortet.

          Eingeübte Sektionen sollen aufgebrochen werden

          Deshalb hält sich auch die Überraschung über den Auftakt in Grenzen, der sich sehen lassen kann. Achtzig Teilnehmer aus zwanzig Ländern bescheren der Messe einen kompakten Auftritt im Böhler-Areal, draußen an der Stadtgrenze zu Meerbusch. Das 1914 in Betrieb genommene, 1993 stillgelegte Stahlwerk mit Tageslicht und Terrazzoboden bietet ein angenehmes Ambiente für „moderne und zeitgenössische Kunst (1945–2017)“. Was vom Angebot und Teilnehmerfeld her verdächtig nach Art Cologne klingt, mutet denn auch wie eine eingedampfte Version der Kölner Schau an. Wobei es offenbar Programm sein soll, eingeübte Sektionen von Moderne und Gegenwart aufzubrechen, weshalb sich Utermann (Dortmund) neben KOW (Berlin) wiederfindet oder Schönewald (Düsseldorf) neben Dittrich & Schlechtriem (Berlin). Will die Art Düsseldorf aber ihr Profil, gerade als regionale Messe, schärfen, müsste sie noch mehr Aussteller aus den Benelux-Ländern für sich überzeugen. Denn zu Recht weisen viele Galeristen darauf hin, dass sie die klassische Sammlerklientel aus dem Umkreis erreichen wollen, weniger den Jetset. Von Verkäufen berichteten am Eröffnungsabend auf Anfrage mehrere Aussteller. Am Stand der Galerie Templon aus Brüssel wechselte die Bronze einer Hockenden von Eric Fischl in europäischen Privatbesitz (Auflage 5; 75 000 Euro). Ebenso überrascht wie überzeugt von seinem Einstand im Rheinland zeigte sich Kamel Mennour. Der Händler aus Paris ist regelmäßig bei den einschlägig bekannten Messen in Basel, New York, London, Paris, Miami Beach dabei, noch nie aber hat er die Art Cologne bereichert: Warum ist er nun nach Düsseldorf gekommen? Der Galerist „kann es auch nicht genau sagen“, er folgte einfach dem hartnäckigen Werben des Veranstalters und bereut es nicht, hat er doch Arbeiten verkauft von Daniel Buren (für 85 000 Euro), Alicja Kwade oder Camille Henrot. Mennour ist sicher: Er würde wiederkommen.

          Auch der Frankfurter Kunsthandel ist vertreten: Die Galerie präsentiert Roberto Matta in einer Solo Show. „The Contrarian“ kostet 2,5 Millionen Euro. Bilderstrecke
          Auch der Frankfurter Kunsthandel ist vertreten: Die Galerie präsentiert Roberto Matta in einer Solo Show. „The Contrarian“ kostet 2,5 Millionen Euro. :

          Bei Century Pictures, der Galerie von Leo Koenig in New York, werden Skulpturen von Nicole Eisenman (140 000 Dollar) und Gemälde von Jörg Immendorff in Dialog gesetzt. Immendorffs „Café D“ von 1983, kleiner im Format als die Bilder mit dem vollen Titel „Café Deutschland“, hat ein Sammler aus Deutschland gekauft (280 000 Dollar). Aber auch Aussteller von weniger hochpreisigen Werken zeigen sich zufrieden, wie die Kölner Galerie Drei mit verkauften Bildern von Christian Freudenberger (für 6600 Euro) oder Daniel Faria aus Toronto. Bei Faria haben kleine Assemblagen von Nadia Belerique (für gerade mal 1000 Dollar) Abnehmer gefunden. Zu ähnlichen Preisen (bis rund 5000 Euro) bietet Lucas Hirsch, Düsseldorf, eine Auswahl an Gemälden, Collagen und Scans von Jannis Marwitz, Lukas Müller und Halvor Rønning an.

          „Man darf gespannt sein“ – so begann gefühlt jedes zweite Gespräch bei der Vernissage in Erwartung der Resultate dieser ersten Ausgabe. Ob das Rheinland künftig drei Messen verkraften wird – die Cologne Fine Arts gibt es ja auch noch – soll sich weisen, wenn der Düsseldorfer Neuling ein zweites Mal an den Start geht. Da erinnert man sich an die kurzlebige „dc duesseldorf contemporary“: Unter diesem Namen hatten sich Gehlen und Lohaus vor zehn Jahren schon einmal an einer Messe dort versucht, nach einer Ausgabe musste sie wieder einpacken. Die Prognose sei dennoch gewagt, dass der Art Düsseldorf eine zweite Chance beschieden sein wird.

          Art Düsseldorf. Im Areal Böhler; bis zum 19. November. Am Samstag und Sonntag von 11 bis 19 Uhr. Kein Katalog.

          Quelle: F.A.Z.

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