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Veröffentlicht: 18.03.2017, 10:03 Uhr

Art Dubai Der Kronprinz mag es modern

Die Art Dubai war immer schon ein wichtiges Schaufenster der Kunst aus dem arabischen Raum. Mit ihrer elften Ausgabe treibt sie aber den Wandel zur globalen Messe konsequent weiter voran.

von Anne Reimers/Dubai

Dubai ist nicht im Osten, sondern genau in der Mitte – jedenfalls von der Perspektive der Kunstmesse „Art Dubai“ aus betrachtet, bei der in diesem Jahr 277 Künstler aus sechzig Nationen vertreten sind. Die Messe wird mit jeder Ausgabe – es ist die elfte – größer. Aber wird sie auch besser?

Tatsächlich gibt es keine vergleichbare Messe, bei der man so konzentriert der zeitgenössischen und modernen Kunst aus Nordafrika, der arabischen Welt und dem südlichen Asien begegnen kann. Aber die Messe greift diesmal noch darüber hinaus. So global wie Dubai selbst mit seiner Bevölkerung von mehr als achtzig Prozent Einwanderern will sie sein. Das internationale Publikum lebt also gewissermaßen schon dort. Angereist sind hauptsächlich Kuratoren und Journalisten, so scheint es jedenfalls am ersten Tag und bei der – eine Besonderheit der Art Dubai – „Ladies Preview“. Amerikaner sind auffällig abwesend, was die Besucher wie die Kunst angeht. Traurigerweise betrifft das auch Künstler aus den Golfstaaten, die in Amerika leben und wegen Trumps erneuten Bemühungen um Einreiseverbote nicht gekommen sind. Das hört man jedenfalls mehrfach.

Im Stil einer traditionellen arabischen Kleinstadt

Unter der Ägide der britischen Direktorin Antonia Carver hatte sich die Art Dubai in den letzten sechs Jahren mit Unterstützung zahlungskräftiger Sponsoren und im Einklang mit den hochfliegenden kulturellen Ambitionen des Emirats weiter professionalisiert. Qualität ist auch die explizite Strategie der neuen Direktorin Myrna Ayad, auf die man stolz ist, denn sie ist in Dubai aufgewachsen. Ayad war zuvor Herausgeberin der auf die Golfregion spezialisierten Kunstzeitschrift „Canvas“. Qualität und eine koordinierte Präsentation sind zwar nicht das „kuratorische Konzept“, als das es von Ayad ausgegeben wird, aber die Auswahl der vertretenen Galerien überzeugt, und die starken Verkäufe sprechen für sich. Unterhält man sich mit hier ansässigen Sammlern unter den Expatriates, stellt man schnell fest, dass es sie zu Künstlern aus ihrer Heimat zieht. Ein Banker aus Litauen gibt zu, eine Arbeit bei der Rooster Gallery aus Vilnius ins Auge gefasst zu haben. Ein indischer Unternehmer interessiert sich für Arbeiten des in Bombay lebenden Malers Jitish Kallat bei der Pariser Galerie Templon.

Die Art Dubai findet traditionell im Event-Center des ausgedehnten Fünf-Sterne-Resorts „Madinat Jumeirah“ statt, das im Stil einer traditionellen arabischen Kleinstadt um künstliche Wasserwege herum angelegt wurde. Es ist eine glückliche Partnerschaft, können wohlbetuchte Sammler doch gleich vom Hotel herüber spazieren und auf einer der von Palmen gesäumten Terrassen und Inseln beim High Tea eine Pause einlegen – den Champagner gibt es bei der Messe allerdings erst nach achtzehn Uhr.

Zu den prominentesten westlichen Galerien, die angereist sind, gehört Victoria Miro aus London. Sie ist schon zum fünften Mal dabei und hat kurz nach der Eröffnung schon fast alle Arbeiten verkauft. Mehr als zwei Drittel der Aussteller sind nicht zum ersten Mal dabei, zu den Wiederholungstätern gehören Krinzinger aus Wien, Templon aus Paris, Waddington Custot aus London sowie die Aicon Gallery, die schon zum zehnten Mal dabei ist und diesmal Künstler aus Algerien und Pakistan mitgebracht hat. Elf zeitgenössische Galerien aus Dubai sind vertreten, darunter die Laila Heller Gallery, die Arbeiten von den beiden Schwergewichten Shirin Neshat und Rashid Rana sowie von Reza Aramesh zeigt. Generell ist die angebotene Kunst teurer geworden, es wird mehr Hochpreisiges für mehrere hunderttausend Dollar als in der Vergangenheit angeboten. Daneben gibt es aber weiterhin viele Werke im oberen vierstelligen Bereich.

Schwellende Wandskulpturen aus Perlen und Schnüren

Auch der von Abraaj gesponserte Künstlerpreis überzeugt in diesem Jahr. Erhalten hat ihn Rana Begum, eine Londoner Künstlerin mit Wurzeln in Bangladesch, die an der Slade Art School studiert hat und auf der Messe von der 2005 gegründeten Third Line Gallery vertreten wird. Ihre an der Wand installierten, an den Ecken gefalteten flachen Aluminiumskulpturen und Plexiglasscheiben in knalligen Farben, die mehr Leichtigkeit haben als Donald Judds Minimalismus, den Begum als Einfluss zitiert, entstanden aus Experimenten mit einem Blatt Papier (7000 bis 30 000 Pfund).

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