22.06.2006 · Bei der Versteigerung der Art-déco-Sammlung des Ehepaars Claude und Simone Dray ersteigerte die Pariser Händlerin Cheska Vallois zwei „Jardinières“ für insgesamt 3,7 Millionen Euro und stellte damit den Auktions-Weltrekord für ein Objekt des 20. Jahrhunderts auf.
Von Angelika HeinickDie Art-déco-Sammlung des Ehepaars Claude und Simone Dray hat bei Christie's in Paris einen rauschenden Triumph gefeiert. Mehr als 85 Prozent der dreihundert Lose spielten mit einem Gesamtumsatz von rund fünfzig Millionen Euro (das Aufgeld eingerechnet) ungefähr das Dreifache des Schätzwerts ein.
Im Saal und an den Telefonen herrschte fieberhafte Spannung, als die antikisierenden Bronzemöbel mit den stilisierten Tiermotiven, die Armand-Albert Rateau in den Jahren 1920 bis 1925 erfand, zum Aufruf kamen. Die treibende Kraft der Bietgefechte war zweifelsohne die Pariser Händlerin Cheska Vallois, Spezialistin für Art déco. Sie konnte zwei, zunächst einzeln aufgerufene „Jardinières“ - rechteckige Blumenständer auf Beinen aus vergoldeter Bronze - zu Schätzungen von jeweils 350 000 bis 450 000 Euro als Paar für insgesamt 3,7 Millionen Euro erstreiten - und damit den Auktions-Weltrekord für ein Objekt des 20. Jahrhunderts aufstellen.
Sammlerglück und Preisrekord
Ebenfalls Cheska Valois erhielt den Zuschlag für einen reich ziselierten „Arbeitstisch“ in Gestalt einer Vase bei 1,8 Millionen Euro (Taxe 500 000/700 000). Ein schwarz patinierter Bronzegueridon auf geschwungenen Füßen ging indessen für 2,7 Millionen Euro (400 000/600 000) an einen Telefonbieter. Der grün patinierte „Fasanen-Couchtisch“ machte mit 1,8 Millionen Euro (400 000/600 000) das Glück eines amerikanischen Sammlers, der sich auch noch einen Frisiertisch zu 1,7 Millionen Euro (500 000/700 000) und eine mit Vögeln geschmückte Stehlampe zu 1,6 Millionen Euro (600 000/900 000) sichern konnte.
Mit 1,7 Millionen Euro (1,3/ 1,7 Millionen) erfüllte das Starlos des Nachmittags, der Metallwandschirm „L'Oasis“ von Edgar Brandt, mühelos die Erwartung, und Jacques-Emile Ruhlmann erzielte mit der 1916 entworfenen Eckkommode „Etat d'Angle“ zu 1,4 Millionen Euro ebenfalls einen Rekordpreis. Kurz zuvor hatte ein Couchtisch von Pierre Legrain bei Camard & Associés im Drouot den Rekord von 1,3 Millionen Euro (800 000/ 1 Million) erbracht. Solche in nur wenigen Jahren erzielten Preissteigerungen zeigen einmal mehr, daß die Schöpfungen des französischen Art déco endgültig zur Kategorie musealer Spitzenstücke gehören, wie zuvor nur Werke der Kunstschreiner des 18. Jahrhunderts.