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Art Basel Miami Beach Miami Miracle: Wo Geld und Talent in einem rauschenden Fest zusammentreffen

05.12.2005 ·  „Wir heben uns unser Bestes für die Art Basel Miami Beach auf“ - meint die Frankfurter Galeristin Bärbel Grässlin, eine der zahlreichen deutschen Aussteller. Und es lohnt sich: In den kühlen Hallen des Convention Center wechselt Kunst für etliche Millionen Dollar den Besitzer.

Von Sandra Kegel
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Zum vierten Mal trifft sich in Miami Beach die Kunst- und Glamourwelt zur größten Party des Kontinents, und wieder geht hier für vier Tage die Sonne nicht unter. Ob Galeristen, Sammler, Art Consultants oder Journalisten - niemand kann sich dem dionysischen Rausch entziehen, der hier den Winter zum Sommer macht und die Nacht zum Tag: Champagner fließt, Kaviar wird gereicht, nachts am Strand spielen heiße Bands, und tags in den kühlen Hallen des Convention Center wechselt Kunst für etliche Millionen Dollar den Besitzer.

„Wir heben uns unser Bestes für die Art Basel Miami Beach auf“, meint beschwingt die Frankfurter Galeristin Bärbel Grässlin, eine der 195 Aussteller hier, die zum dritten Mal dabei ist und wie so viele bereits zur Preview an die wichtigsten Sammler kapitale Werke verkauft hat, wie Kippenbergers Triptychon „Reddish - Greenish - Bluish“. Wo man auch fragt: Alle haben ihren Schnitt bereits vor der Eröffnung gemacht, viele werden mit leeren Händen nach Hause zurückkehren.

So ist es bei den großen amerikanischen Galerien Marlborough, Acquavella oder Gagosian; bei den Engländern wie Sadie Coles, die eine Einzelausstellung mit Werken von Sarah Lucas präsentiert; bei den Schweizern Hauser & Wirth - wo eine (für 350 000 Dollar bereits verkaufte) Kunststoff-Skulptur Paul McCarthys Pamela Anderson, die abends zur Party erwartet wird, nicht zur Ehre gereicht; oder bei Eigen + Art aus Berlin/Leipzig, dem Düsseldorfer Hans Mayer und der Galerie Kicken aus Berlin - die wieder eine anspruchsvolle Koje inszeniert hat mit Foto-Klassikern wie Friedlander, Shore und Diane Arbus, mit Entdeckungen wie den Aktfotografien des Tschechen František Drtikol und mit den jungen Deutschen Götz Diergarten und Hans-Christian Schink.

Exportschlager aus Deutschland

Bei Eigen + Art war bereits binnen zwei Stunden fast alles weg, die Leipziger sind nach wie vor Exportschlager aus Deutschland: Zwei Bilder von Martin Eder haben sich für 50 000 Euro ebenso schnell verkauft wie ein monumentales Bild von David Schnell. Daß man auf Werke von Neo Rauch bis 2008 warten muß, gehört indes ins Reich der Legende, hat Harry Lybke doch eine Leinwand von 1993, dem ersten Jahr des Werksverzeichnisses von Neo Rauch, zumindest bis mittags noch im Angebot - für 260 000 Euro.

Nicht nur unter den Galeristen, auch unter den mehr als 1500 präsentierten Künstlern sind die Deutschen stark vertreten: Eberhard Havekost bei den Gebrüdern Lehmann aus Dresden ist ebenso gefragt wie der junge Christian Hellmich bei Lehmann Maupin mit seinen erratischen Raum- und Landschaftsszenen (sämtlich verkauft, zwischen 12 000 und 22 000 Dollar).

Picassos Kopfmodell und Frauen im Sportstadion

Ausgerechnet in Miami, dieser jungen Pionierstadt, die vor kaum mehr als hundert Jahren in den Sümpfen Floridas gegründet wurde, ist die Klassische Moderne stark vertreten. Krugier aus Genf hat ein ganzes Kabinett mit Picasso ausgestattet; in musealer Anmutung dokumentiert sein Stand das Schaffen des Meisters von den zwanziger bis in die siebziger Jahre. Die Gemälde kosten bis zu sechzehn Millionen Dollar, die Skulptur gleich am Eingang ist wohl eins der teuersten Werke der Messe: Für das gut ein Meter hohe Stück, ein Modell, das Picasso 1962/64 aus Metall für die Arbeit „Tête“ schuf, die heute im Civic Center in Chicago steht, werden 25 Millionen Dollar erwartet. Der Preis, meinen manche, könnte den jüngsten Rekordpreisen für Skulptur - wie für David Smith unlängst in New York - geschuldet sein.

Selten sieht man Porträtfotografie von Sugimoto: „Catherine von Aragon“ aus dem Jahr 1999, ein Silver Print in einer Auflage von 5, ist bei Richard Gray für 90 000 Dollar sofort mit einem roten Punkt versehen. Landau aus Montreal kontrastiert seinen späten Picasso „Homme assis“ (7,5 Millionen Dollar) mit neuen Arbeiten des Berliners Heinz Rabbow, darunter einer seiner elfenhaften Schwimmer (16 500 Dollar).

Bei Gmuszynska, Köln und neuerdings Zürich, setzt man mit Skulptur, Malerei und Fotografie einen Schwerpunkt auf Rodtschenko; ein Vintage, das Frauen im Sportstadion Dynamo von 1936 zeigt, kostet hier 45 000 Dollar. Die Münchner Galerie Thomas hat ihren Stand in drei Bereiche geteilt: Von den Zeitgenossen Polke und Jim Dine über die Klassische Moderne gelangt man auf flauschigem Teppich zum deutschen Expressionismus: Drei Frauenköpfe von Jawlensky der Jahre 1911 bis 1913 (je um 4 Millionen Dollar) sowie eine Meditation von 1937 strahlen da.

Amerikaner kaufen auch gerne nach Farbe

Die Amerikaner kaufen nicht nur spontaner als die Europäer, sagt Raimund Thomas schmunzelnd, sie kaufen auch gern nach Farbe - was man hier in Miami Beach, wo die Hotels sämtliche Bonbonfarben deklinieren, gern glaubt. Vielleicht auch nach Größe. Bei Ropac verkaufte sich die drei Meter hohe Holzskulptur von Tony Cragg „Not yet titled“ von 2005 ebenso schnell wie die drei metallicbunten Pilze von Sylvie Fleury, die dekorativ aus der Koje sprießen (60 000 bis 90 000 Dollar).

Von Thomas Hirschhorn steht bei seinem Berliner Galeristen Matthias Arndt für 110 000 Euro ein monumentaler „South Pole“. Auch bei Chantal Crousel aus Paris findet sich eine Arbeit Hirschhorns, die sich mit der Kunst der Camouflage auseinandersetzt. Das marktfrische Werk „Camo-Outgrowth (Winter)“, eine sechs Meter breite Wand aus 131 Globen sowie Fotografien mit Männern in der Tarnfarbe des Kriegs, hat sich das Museum von Philadelphia für 82 000 Dollar gesichert.

Ein kaum zu bewältigendes Programm

Für die rund 30 000 Besucher der Art Basel Miami Beach, deren VIPs der Messesponsor BMW schon traditionell von Event zu Event kutschiert, ist das Programm kaum zu bewältigen. Neben der Hauptmesse und ihren zahlreichen Nebenveranstaltungen, etwa den Art Positions unten am Strand, wo Galeristen die Verschiffungscontainer der Messe mit dem bespielen, was man gemeinhin cutting edge nennt, finden zeitgleich in und um Miami sieben weitere Messen statt. Auch die großen Sammlerfamilien der Stadt, Rubell, Margulies, De la Cruz und Braman, öffnen ihre Gemächer, um ihre Schätze zu zeigen.

Darüber, daß hier Anfang Dezember die Hotels ihre Palmen mit Weihnachtsschmuck behängen, wundert sich längst kein Europäer mehr. Die ganze Stadt ist Kunst, ist Installation und Zauberei, und wer das Miami Miracle erlebt, glaubt bald, dies sei the real world: Sam Keller, Chef der ABMB, erklärt die Gegenwartskunst gar zur Leitkultur unserer Zeit. Weder das Theater, die Musik noch die Literatur seien so universell wie die stumme, allgegenwärtige Leinwand, die sich über alle Sprach- und Ländergrenzen hinwegzusetzen vermag. Daß sie sich deshalb global so prächtig vermarkten läßt, ist für den Markt das Entscheidende.

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Jahrgang 1970, Redakteurin im Feuilleton.

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