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Veröffentlicht: 17.06.2017, 10:00 Uhr

Art Basel 2017 Ein frischer Geist weht in Halle 1

Zum 48. Mal findet die Art Basel statt – dort, wo alles begann. Auf ihr Alleinstellungsmerkmal kann sie sich einmal mehr verlassen: Diese Messe bildet wie keine andere den Stand der Kunst und ihres Markts ab.

von , Basel 16. Juni

Auch bei der 48. Ausgabe der Art Basel gab die Eröffnung der „Unlimited“-Sektion in der weitläufigen Messehalle 1 den Auftakt der Previews. Und diese Megaschau mit ihren 76 Werken ist so gut wie vielleicht noch nie zuvor. Keineswegs bloß ein händlerisches Konglomerat von Arbeiten, die einfach zu groß sind, um an den Ständen in der Halle 2 präsentiert zu werden, markiert sie eine Tendenzwende, gibt eine Richtung vor. Die, nach dem 1967 gegründeten Kölner Kunstmarkt, dienstälteste europäische Kunstmesse macht sich da zur Instanz eines Status quo – was eigentlich die Biennale in Venedig und die Documenta in Kassel hätten leisten müssen. Unübersehbar ist die Abkehr von der, vorübergehend zur Norm erhobenen Entsinnlichung. Die allfälligen „Post“-Ismen, die da postmodern oder zuletzt postdigital hießen, sind abgedankt. Es lässt sich nur vermuten, dass eine neue junge Generation keine Lust mehr hat auf Entkörperlichung und zerfließende Identität. Das gilt auch für die junge, sehr vermögende Sammlergeneration, die auf der Messe in Basel anzutreffen ist. Der einstige „Zeitgeist“-Begriff ist abgenutzt; es ist Zeit, dass ein neuer Geist weht. Dafür stehen bei der „Unlimited“ die meisten Arbeiten.

Rose-Maria Gropp Folgen:

Auch wenn erstaunlich viele Werke aus der Zeit seit den Sechzigern auftauchen, heißt die Devise nicht back to the future; es geht vielmehr um die Rückkehr von Kunst als einem Erfahrungsraum. Das geschieht in Enrico Castellanis Installation „Spazio Ambiente“ von 1970 in Reinform, wo im Innern die Farbe Weiß mit den shaped canvas die Orientierung irritiert (Galerien Lévy Gorvy/Magazzino). Anders behauptet der riesige kantige schwarze Stahlbrocken „Source“ von Tony Smith aus dem Jahr 1967 seinen Platz (Pace Gallery). Ähnlich selbstbewusst tritt Imi Knoebels dreiteilige rote und weiße Wandarbeit „Konstellationen“ von 1975/2017 auf (Grässlin; verkauft für 800 000 Euro an ein niederländisches Museum). Direkt am Körper greift Klaus Rinke an, der 1970 auf 112 großen Einzelfotos das Handfigurenalphabet seiner „MutationenI“ entfesselt (Kicken; 950 000 Euro). Und Sylvie Fleurys „Skylark“ von 1992 spielt schon längst mit Gendernormen: Die Künstlerin fuhr den 1967er Buick jahrelang selbst, setzte ihn in ihren Videos ein; jetzt steht das muscle car als unzweideutig weibliches Accessoire mitten in der Halle (Chouakri/Karma/Ropac/Salon94; 350 000 Euro).

Kunstwerke, die sich der gesellschaftlichen Wirklichkeit zuwenden

Mike Kelleys Mixed-Media-Arbeit „Gospel Rocket“ von 2005 inszeniert ironische Aufsässigkeit – mit dem euphorisierten Gospelchor im Video, dessen goldene Gewänder die Rakete, die im dunklen Raum steht, bedecken (Blondeau & Cie). Die israelische Künstlerin Michal Rovner zeigt in ihrer rätselhaften Videoprojektion „Anubis“ von 2016 eine Rotte Schakale mit in der Dunkelheit glühenden Augen, die die Betrachter zu den Beobachteten macht (Pace Gallery). Völlig evident wird der physische Einbezug in Subodh Guptas aus Töpfen und Pfannen gebautem Haus „Cooking the World“, in dem auch Ess-Performances mit Besuchern stattfinden (Galleria Continua). Das alles sind Kunstwerke, die sich der politischen und gesellschaftlichen Wirklichkeit zuwenden, ohne ihren Kunstcharakter zu verleugnen oder gar aufzugeben. Ihre Form der Agitation liegt darin, dass sie in ästhetischen Kategorien begriffen werden wollen. Ihre Schöpfer betreiben auf je eigene Art Einmischung. Das vorzuführen, ist die Leistung dieser „Art Unlimited“.

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