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Aristide Maillol über Harmonie Frauen haben kurze Beine

 ·  Aristide Maillol schwärmte für die Beine junger Frauen - eher für die kürzeren. Die Kritik eines Zeitgenossen an dieser Vorliebe parierte der Künstler mit persönlicher ehelicher Erfahrung.

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© AFP Sichtlich um Harmonie bemüht: Aristide Maillol im Jahr 1936 bei der Arbeit in seinem Atelier

Das weibliche Bein an sich und als solches in der Skulptur des Abendlands gehört zu den bislang eher vernachlässigten Sujets kunsttheoretischer Erörterungen. Seit jeher geht es den großen Bildhauern aller Epochen ja vor allem darum, das Wesenhafte - wenn nicht die Aura - einer irdischen oder göttlichen Frau möglichst anschaulich darzustellen.

Doch Aristide Maillol, berühmt für die sinnliche Schönheit und das Ebenmaß seiner voluminösen Akte, die von Harry Graf Kessler als plastische „Lieblingspoesie“ bezeichnet wurden, hat seinen Mäzen an sehr prosaischen Überlegungen zu „jambes courtes, jambes longues“ teilhaben lassen - zu kurzen, gedrungenen und schlanken Frauengestalten eben. Wenn Maillol in seinem Atelier in Banyuls, wie Kessler Anfang Januar 1925 in seinem Tagebuch berichtet, aber zunächst ausgiebig von den bewundernswerten Beinen junger Mädchen schwärmt, lässt der Künstler freilich jede sensible Frühform der political correctness in Frauenfragen vermissen: Sein Blick auf das weibliche Objekt mit Beinen wirkt aus heutiger Sicht natürlich nur störend.

Sein Credo, dass es sich bei einer Skulptur nicht darum handle, ob man kurze oder lange Beine liebe, sondern nur darum, dass Harmonie im Werk entstehe, klingt hingegen durchaus überzeugend. Gleichwohl werde seine Kunst keineswegs von allen Zeitgenossen uneingeschränkt gutgeheißen, erzählt Maillol.

So habe Gabriele d’Annunzio zwar gesagt, er finde seine Skulptur sehr gut, aber die Beine seien für Frauen zu kurz! Doch darauf reagierte Maillol mit dem bewährten und breit einsetzbaren Künstler-Kommentar, diese Kritik beweise nur, dass der Kritiker keine Ahnung habe. Und ganz zum Schluss äußert Maillol ein geradezu rührendes Geständnis: Er habe mit Clotilde „une femme courte“ geheiratet - und immer kurze Beine vor Augen, also aus diesem Grund die Harmonie kurzer Beine gesucht. Hätte er eine Pariserin mit langen Beinen geheiratet, hätte er vielleicht die Harmonie langer Beine gesucht, sprach er. Doch bekanntlich waren Clotildes Tage als Maillols Idealmodell gezählt, kurze Beine hin oder her.

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