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Ahmed Badry in Beirut : Gekreuzte Schöpfungen

  • -Aktualisiert am

Die Letitia Gallery in Beirut stellt derzeit Werke von Ahmed Badry aus. Was der Künstler in einer Schweizer Kunstgießerei lernte, setzt er nun in eigenen, neuen Design-Objekten um. Mit seinen Werken öffnet er den Raum für Gedankenspiele.

          Ahmed Badry hatte sein Schlüsselerlebnis in der Schweiz. Vier Jahre lang lebte der 1979 in Kairo geborene Künstler in St.Gallen und arbeitete in der Kunstgießerei, die Künstlern bei der Verwirklichung sehr großer Arbeiten hilft. Badry lernte da, was das Gegenteil von Improvisation ist. In Kairo gehörte Improvisation zu seinem Alltag – egal was kaputtging, man flickte, klebte und stopfte, bis es wieder lief.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          In St.Gallen aber wurden Spezialisten gerufen, um Wasserhähne und Steckdosen vorschriftsmäßig instand zu setzen. Diese Vorschriften versteht Badry als einen „Code“, an den sich manche halten – andere nicht. Die improvisieren und schaffen etwas Eigenes, neue Objekte, wie sie nun in der Letitia Gallery in Beirut zu sehen sind.

          Badry erkennt solche Objekte als Design an und präsentiert sie in veredelter Form, in feinen blauen Linien auf Papier gebannt: Ein Kleiderbügel mit zwei seitlich herunterbaumelnden Glühbirnen wird zum Kronleuchter; Schminkspiegel sind als Sehhilfen um zerborstene Außenspiegel geknotet; eine Schere steckt als Ersatz für die fehlende Türklinke in einem Schlüsselloch. Badrys Zeichnungen (29 mal 21 Zentimeter; 500 bis 600 Dollar) zeigen Konstruktionen eines Alltags, der weit weg von der Makellosigkeit seiner Linien scheint – und genauso weit von den stillen kühlen Räumen der Letitia Gallery. Dabei weiß man, dass seine Provisorien in den Straßen von Beirut in mannigfacher Zahl ihre Entsprechungen finden.

          Die Schau „Portmanteau“ (Handkoffer) ist die Fortsetzung einer Arbeit, die Ahmed Badry seit Jahren beschäftigt. Zuerst zeigte er sie 2014 in Kairo, wo neben den Zeichnungen bereits Plastiken zu sehen waren, die sein Werk ironisch brechen. In Beirut dominiert eine vier Meter hohe, aus weißem Karton modellierte Plastik den Raum, hinter deren tadelloser Beschaffenheit die Dysfunktionalität der Konstruktion für einen Moment zurücktritt. Wie viele von Badrys Skulpturen bietet sich auch diese dem Betrachter zunächst als Modell an, bevor der Haken daran klar wird: Zwei Wasserhähne in einem Hotelzimmer in Algerien dienten als Vorbild – die aber so dicht nebeneinanderstanden, dass nur abwechselnd heißes oder kaltes Wasser zu benutzen war.

          Dabei versteht Badry seine „hybriden Objekte“ nicht als Anklage an eine Welt, in der manche zu halsbrecherischen Basteleien gezwungen sind, während andere schnell entsorgen, was sich nicht reparieren lässt. Er begreift diese Konstruktionen vielmehr als Schöpfungen, die ihn herausfordern, auf begrifflicher Ebene genauso zu verfahren wie die Bastler: So werden aus Konsumenten bald Produzenten, aus Not wird Widerstand. Und diese Umwidmung öffnet den Raum für Gedankenspiele über eine Welt – jenseits des herrschenden „Codes“. Wie würde diese heißen? Und wie wären ihre Gegenstände zu bezeichnen? Das sind Fragen, die Ahmed Badry uns stellt. (Bis zum 16. Juni.)

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