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Kunsthändler : An der Seite der Museen

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Ein Leben lang der Kunst verpflichtet: Der Kunsthändler Wolfgang Wittrock wird am 1. Mai siebzig Jahre alt

          Ein Bildband über die Malerei des Manieristen El Greco, der ihm als Schüler in Cuxhaven in die Hände fiel, war sein Erweckungserlebnis. Damit erging es Wolfgang Wittrock ähnlich wie zuvor jener Künstlergeneration, die er später als Kenner, Händler, Autor und Mäzen erfolgreich vermitteln sollte: Kirchner, Beckmann, Klee und Picasso sind Wittrocks „Hauskünstler“. Heute nennt er „Qualität!“ sein Credo und als Ziel: „Das richtige Bild am richtigen Ort“, ganz gleich, ob es ein Museum oder eine Privatsammlung ist – die nach Wittrocks Ansprüchen in der Regel aber ohnehin „museal“ sein sollte.

          Und so liegen ihm die Museen besonders am Herzen: Max Beckmanns „Reise auf dem Fisch“ für Stuttgart oder Max Ernsts „Europa nach dem Regen I“ für Karlsruhe sind nur zwei Exempel jener „richtigen Qualität am richtigen Ort“. Höhepunkt war die Vermittlung von Kirchners Hauptwerk „Potsdamer Platz“. Das Bild gelangte aus Hermann Langes Krefelder Haus, gebaut von Mies van der Rohe, in die Neue Nationalgalerie vom selbigen Architekten, nur einen Steinwurf von jenem Potsdamer Platz entfernt, der Kirchner am Vorabend des Ersten Weltkriegs zur Ikone des deutschen Expressionismus inspiriert hatte. Damit war das Jahrhundertgemälde gleichsam an den Ort seiner Entstehung zurückgekehrt.

          Leihgaben in Deutschlands ältestem Bürgermuseum

          In die Wiege gelegt war Wittrocks Kunstverständnis nicht. Die frühe Begegnung mit dem weltgewandten Oskar Matzel, mit dem ihn heute eine fünfzigjährige Freundschaft verbindet, markierte einen Wendepunkt in seinem beruflichen wie persönlichen Leben. Lehrjahre bei Eberhard Kornfeld in Bern brachten Wittrock zunächst das stille, auf feinsten Unterschieden beruhende Gebiet der Druckgraphik nahe. Arbeiten auf Papier fühlt er sich seitdem besonders verbunden. Nach einer ersten Ausstellung mit Werken von Cy Twombly 1970, noch in Matzels Zahnarztpraxis, folgte 1974 die Gründung einer eigenen Galerie in Düsseldorf. Elf Jahre später erschien sein Werkverzeichnis der Druckgraphik von Toulouse-Lautrec, an deren erfolgreicher Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art von 1985 er entscheidenden Anteil hatte.

          Zeitgleich baute Wittrock die Kunstsammlung der Deutschen Bank mit auf, mit großem Weitblick, von dem heute nicht zuletzt die Besucher des Städel Museums zehren dürfen. Auch einige der schönsten Bilder der Klassischen Moderne aus den wichtigsten Sammlungen des Landes bereichern auf seine Initiative hin seit Jahren als Leihgaben Deutschlands ältestes Bürgermuseum ebenso wie manches städtische oder staatliche Haus. Bürokratische Hürden, die so viele öffentliche Sammlungen beklagen, sind ihm ein Graus. Umso energischer hat Wittrock gerade diesen Museen zur Seite gestanden, sei es durch profunden Rat, Vermittlung wichtiger Leihgaben, stille Förderung oder beherztes Eingreifen bei Auktionen: Ohne ihn wäre Lotte Lasersteins eindrückliches Hauptwerk „Abend über Potsdam“ heute nicht in der Berliner Nationalgalerie. In der schrillen Debatte um die Novelle des Kulturgutschutzgesetzes dagegen bewies er Gelassenheit und einen klaren Blick.

          Akademische Provenienzforschung als Glücksfall

          Mit der Gründung der Ferdinand-Möller-Stiftung 1995 gab Wittrock seinem Mäzenatentum eine feste Form. 2001 zog er nach Berlin. Die „Forschungsstelle Entartete Kunst“ an der Freien Universität ist seine persönliche Pioniertat. Spätestens mit dem Fall Gurlitt sollte sich diese bis 2015 privat finanzierte Keimzelle der akademischen Provenienzforschung als Glücksfall erweisen. Zahlreiche Mitgliedschaften in Museumsvereinen, gezielte Schenkungen von Werken aus der eigenen Sammlung und die Initiierung etlicher Ausstellungen runden das Bild eines Mannes ab, der immer wieder zeigt, dass Kunsthandel und Museen, privates und öffentliches Engagement nicht nebeneinander oder sogar gegeneinander stehen müssen, sondern Hand in Hand gehen können, ja sogar müssen.

          Am schönen 1. Mai feiert Wolfgang Wittrock, der in seiner Wohnung hoch über dem Potsdamer Platz seine „Hauskünstler“ ebenso wie ausgewählte Zeitgenossen mit ungebremster Leidenschaft betreut, seinen siebzigsten Geburtstag.

          Der Verfasser ist Direktor des Städel Museums, des Liebieghauses und der Schirn Kunsthalle in Frankfurt.

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