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Alte und Neue Kunst Sattes Kolorit

19.05.2007 ·  Wassily Kandinsky versprach die Farben „singen zu lassen, so stark er nur konnte.“ Ein Resultat dieses Anspruchs, die „Waldlandschaft bei Kochel“, ist die Hauptattraktion bei Frühjahrsauktionen von Karl & Faber am 24. und 25. Mai. Bei den Alten Meistern sticht ein prachtvolles Exemplar der „Schedelschen Weltchronik“ hervor.

Von Brita Sachs
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Die „Waldlandschaft bei Kochel“ schuf Kandinsky während eines Studienausflugs, den er 1902 mit seinen Malschülern unternahm. Als er Deutschland bei Kriegsausbruch 1914 verlassen musste, blieb das Bild wie auch alle weiteren Werke bei seiner Lebensgefährtin, der Malerin Gabriele Münter. Sie stiftete die meisten seiner Bilder später dem Lenbachhaus in München, manche wurden aber auch direkt aus dem Nachlass verkauft - so die kleine „Waldlandschaft“, die Kandinsky wie alle seine damaligen Etüden in „Streifen und Flecken“ auf den Grund spachtelte, um sie, wie er schrieb, „so stark singen“ zu lassen „wie ich nur konnte“. Den Frühjahrsauktionen bei Karl & Fabers am 24. und 25. Mai beschert das auf 200.000 bis 300.000 Euro geschätzte Werk die Hauptattraktion. Gabriele Münter ist mit einem 1939 entstandenen Vasenstillleben aus leuchtend blauen Blumen und roten Lilien vertreten (Taxe 70.000/80.000 Euro).

Seinen guten Ruf auf dem Gebiet der Papierarbeiten bestätigt das Auktionshaus zuverlässig: Liubov Popovas Gouache aus der Serie „Malerische Architektonik“ ist eine ihrer frühesten, von Malevich beeinflussten Abstraktionen (30.000/40.000). Von Nay bietet Karl & Faber eine Mischtechnik auf Karton mit dem Titel „Susanne II“, die er 1948 rhythmisch aus farbigen Flächen und Linien zusammensetzte (20.000/24.000). Bei neuerer und zeitgenössischer Kunst springt Piero Dorazios flächige Komposition aus munteren Farbflecken ins Auge (15.000/20.000) und - in scharfem Kontrast dazu - eine der schwarzen Holzskulpturen von Louise Nevelson (14.000/16.000). Neun Dollarzeichen auf Warhols Serigraphie „$ 9“ hämmern harte Währung aufs Blatt, die, in singulärer Farbstellung, 30.000 bis 40.000 Euro einfordert. Ein „Schleifenbild“, von Sigmar Polke über Punktraster auf festes Papier geschlungen, liegt bei 50.000 bis 60.000 Euro.

Der erste Auktionstag bei Karl & Faber gehört den Alten Meistern und bringt mit Lucas Cranachs Clair-obscur-Holzschnitt „Heiliger Christopherus“ gleich ein ausgezeichnetes Blatt aufs Pult. Höher als diese Schätzung von 20.000 bis 25.000 Euro geht die Abteilung nur noch mit einem schönen Exemplar der Schedelschen Weltchronik in sattem Altkolorit (100.000/120.000) sowie mit einem prächtigen Barock-Stillleben, das der Haarlemer Gerrit Heda mit Nautilusbecher, gefülltem Römer und appetitanregendem Maulbeerkuchen bestückte (60.000/ 70.000).

Quelle: F.A.Z., 19.05.2007, Nr. 115 / Seite 25
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