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Alte und neue Kunst Das Mädchen mit der grünen Fahne

 ·  Starke Gebote für Emil Nolde, Karl Hofer und Roberto Burle Marx: die Ergebnisse der Auktionen mit Alter und neuer Kunst bei Bassenge in Berlin.

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“Zum Nolde drängt’s“, kalauerte Tilman Bassenge, Chef des Berliner Auktionshauses, vor dem Ausruf eines von zehn Bietern begehrten Aquarells des Hauptmeisters expressionistischer Blumenmalerei. Auf 50.000 Euro geschätzt, kletterten „Astern, Sonnenblumen und Dahlien“ rasch auf 100.000 Euro, die ein Düsseldorfer Sammler zu bezahlen bereit war. Beim Ausruf von 95.000 Euro (Taxe 30.000) ersteigerte ein hochengagierter Münchner Privatier eine mysteriös gegliederte Baumlandschaft Fernand Légers.

Bei 77.000 Euro, weit oberhalb der Schätzung von 30.000, fiel einem Interessenten aus dem Rheinland Karl Hofers späte Wiederaufnahme eines Motivs von 1921 zu, nämlich die anrührende Darstellung eines „Mädchens mit grüner Fahne“ vor dunklem Hintergrund. Corinths Porträt seiner Schwägerin Alice Berend, der 1999 aufgelösten Sammlung des Stuttgarter Unternehmers Rolf Deyhle entstammend, stieg von 25.000 auf 80.000 Euro, Paul Kleinschmidts Gemälde „Rosen und Dahlien“ mit identischer Provenienz von 12.000 auf 13 500 Euro.

Vom gut besetzten Saal bestaunt wurde das Wettbieten um ein düsteres Großformat des Brasilianers Roberto Burle Marx, das von 7000 auf 29.000 Euro stieg, bevor es zu seinem neuen Standort in Miami Beach aufbricht. Münchner Handel investierte 10.000 Euro (6000) in eine imposante „Feuergouache“ von Otto Piene. Den sanften Kontrast zum funkelnden Rot und scharfen Grün des Zero-Künstlers lieferte ein gemaltes Gitterwerk des Italieners Piero Dorazio aus dem Fundus der Galerie Springer mit 17.000 Euro (6000). Fritz Winters Vorentwurf eines Glasmosaiks für die Internationale Bauausstellung 1957 war einem Kölner Sammler 20.000 Euro (12.000) wert.

Als nicht realisierbar erwies sich die Erwartung von 70.000 Euro für Christiaen van Couwenberghs 1626 entstandene Darstellung der misslungenen Verführung des Joseph durch die Frau des Potiphar, die einen Berliner Privatier dann lediglich 50.000 Euro kostete. Mehr Erfolg hatte Johann Michael Rottmayrs todbereite „Kleopatra“, ein üppiger Halbakt, der 24.000 Euro (18.000) einspielte. Johann Peter Hasenclevers im Mondlicht seufzende „Sentimentale“ ließ sich für 20.000 Euro (15.000) nach Bonn verkaufen, während Bernard Claris’ „Junge Orientalin“ für 15.000 Euro (12.000) in Bayern eine neue Heimat fand.

Ohne Sensationen verlief die Versteigerung von Altmeistergraphik, deren Protagonist Rembrandt mit zwanzig Blättern vertreten war, unter ihnen das „Selbstbildnis in Pelzmütze und Pelzrock“, das dem Frankfurter Handel 18.000 Euro (7500) abverlangte. Das Rembrandt-Haus in Amsterdam bezeugte Kaufkraft mit stolzen 20.000 Euro, die den Erwerb des auf 7500 Euro taxierten Bildnisses der Saskia als „Kleine Judenbraut“ ermöglichten. Dürer reüssierte mit dem Kupferstich des heiligen Hubertus, der für 13.000 Euro (9000) nach Kalifornien abwandert. Die Getty-Stiftung in Los Angeles darf nach Überweisung von 42.000 Euro (7500) vier 1835/36 erschienene Hefte mit Möbelentwürfen von Karl Friedrich Schinkel in Empfang nehmen.

Unter den modernen Zeichnungen wurde Conrad Felixmüllers „Mädchen im offenen Haar“ vom Berliner Handel mit 16.000 Euro (6000) honoriert. Die Stiftung Moritzburg in Halle bewilligte 9500 Euro (7500) für den Ankauf einer Ansicht der Kirche von Gelmeroda, die Feininger 1913 mit Bleistift skizzierte. Marino Marinis aquarellierte Federzeichnung „Pferd und Reiter“, bei 14.000 Euro (6000) von einem Florentiner Sammler erworben, variiert das Lebensthema des italienischen Bildhauers. Überseeischer Handel akzeptierte den Schätzpreis von 50.000 Euro für Picassos lithographiertes Bildnis der weinenden Françoise Gilot. Der griechische Sammler George Economou kam bei Edward Cucuels imposantem „Blick auf das Gelände der Weltausstellung in St. Louis 1904“, der sich für 8000 Euro (3500) ordern ließ, telefonisch zum Zuge.

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Redakteurin im Feuilleton.

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