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Alte und moderne Kunst Auf der Suche nach dem Geheimfach

 ·  Ein kämpfende Araber, ein christlicher Märtyrer und ein heiliger Drachentöter: Sie alle versammelt der Katalog von Ruef in München. Eine Vorschau auf das Angebot.

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© Ruef Heiliger Stephanus, um 1500, Holz, 94 cm hoch (Taxe 9000 Euro)

Einen strohblonden Jesusknaben setzte Ary Scheffer seiner zarten Madonna auf den Arm und legte ihr eine Art Wendemantel in Blau und Grün über das rote Kleid. Der Künstler signierte die farbfreudige Mutter-Kind-Harmonie im Jahr 1823, da war er bereits von den Niederlanden nach Paris ausgewandert, wo in seinem bezaubernden ehemaligen Wohnhaus heute das „Musée de la vie romantique“ die Erinnerung an ihn und die Kunst der Romantik pflegt. Die mit einem Limitpreis von 3500 Euro versehene Arbeit in Aquarell und Gouache versteigert Ruef am 16. März in München.

Viel höher starten zwei Gemälde der Abteilung „Orientalische Darstellungen“: Jeweils mindestens 25.000 Euro kosten sowohl Franz Roubauds „Tscherkessentreck beim Überqueren eines Gebirges“ als auch „Reitende Araber im Kampf“, die der Wiener Josef Anton Strassgschwandtner auf feurigen Pferden in Galopp versetzte. Geruhsamer geht es bei Franz Quaglio zu, der als später Spross der bekannten Münchner Künstlerfamilie und hier ganz deren Genretradition fortführend, einen Bauer neben seinen Pferden beim Rauchpäuschen malt (Limit 1100 Euro).

Marmorne Szenen des Alten Testaments

Sankt Stephanus trägt Mönchstonsur und Diakonsgewand und im Arm Steine als Hinweis auf die Art seines Märtyrertods - die halblebensgroße Holzskulptur stammt aus Bayerisch-Schwaben, wurde dort um das Jahr 1500 geschaffen und ist nun bei 9000 Euro limitiert. Dieselbe Zeit brachte in süddeutschen Landen einen gelockten heiligen Georg hervor; soeben sticht er dem kringelnden Untier zu seinen Füßen die (ergänzte) Lanze ins offene Maul (13.000). Nach zahlreichen Barockengeln und alpenländischen Krippenfiguren betreten zwei Frauen in antiken Gewändern die Auktionsbühne: Rut tröstet ihre wie sie selbst verwitwete Schwiegermutter Noomi. Luigi Guglielmi (1834 bis 1907) wählte weißen Marmor für die kunstfertig gemeißelte Szene des Alten Testaments (6000).

Augsburgs Stärke auf dem Gebiet des Kunsthandwerks belegen wieder gute Silberarbeiten sowie ein Kabinettschrank des 17. Jahrhunderts; die hübschen mythologischen Szenen seiner beschnitzten Füllungen und Schubladenfronten könnten glatt von der Suche nach den innen verborgenen Geheimfächern ablenken (5500). Gemalte Wappen von Bayern, Württemberg, Schlesien und weiteren Ländern zieren ein gotisch anmutendes Brautkästchen aus der Zeit um 1500, welches mit 6800 Euro an den Start geht. Diverse Kabinettschränkchen enthält außerdem die mit etwa dreihundert Losen diesmal besonders umfangreiche Asiatika-Offerte. Das älteste von ihnen stammt aus Japan, wo es im 18. Jahrhundert seine Dekore in verschiedenen raffinierten Lacktechniken und vergoldete Bronzebeschläge bekam (500 Euro).

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