Ambroise Vollard war eine der schillerndsten Figuren der Pariser Kunstwelt um 1900. Der kongeniale Galerist, Kunsthändler und Verleger hatte den Blick für die erwachende Moderne, stellte früh van Gogh, Gauguin, Cézanne, Matisse und Picasso aus. Vollard war es auch, der Picasso zu einem legendären Tauschhandel bewog: je ein Gemälde von Cézanne und Renoir aus Vollards Beständen gegen eine Serie von hundert verschiedenen Graphiken des Spaniers.
Picassos Folge von Kupferplatten entstand zwischen 1930 und 1937: Die „Suite Vollard“ ist heute ein Meilenstein der modernen Graphik. Der Impresario vertrieb verschiedene Varianten, einen Teil der Auflage von insgesamt 68 Suiten signierte Picasso in roter Tinte, einen anderen mit Bleistift und einen dritten Teil gar nicht, weil er des endlosen Signierens überdrüssig wurde. Die „Suite Vollard“ gelangt selten in den Handel, das Berner Haus Kornfeld bot in seiner Auktion ein Exemplar an. Das Interesse an der - vollständig signierten - Folge war groß, gegenüber der Taxe von 1,5 Millionen stand schließlich der Hammerpreis von 2,3 Millionen Franken.
Eine Danseuse von Chagall
Weitere 2,4 Millionen Franken wurden für eine Bronze von Alberto Giacometti notiert: „Homme assis à mi corps“ von 1965, den Bruder Diego darstellend, verdoppelte damit die Schätzung. Von zwei weiteren Giacometti-Bronzen konnte nur „Tête d’homme“ von 1948/50 für 180.000 Franken (Taxe 200.000) vermittelt werden. Giovanni Giacometti bestätigte fast passgenau seine Erwartungen: Das Doppelbildnis „Alberto und Diego“ erreichte 135.000 Franken, die Landschaft „Morgenstimmung“ landete bei 420.000 Franken, und das Frühwerk „La Sera“ stand am Ende mit 55.000 Franken zu Buche.
Chagall ist bei Kornfeld Jahr für Jahr prominent vertreten und stark nachgefragt: Das Gemälde „Le Peintre et la tête d’animal rouge“ aus der Zeit um 1960 verdoppelte seine Schätzung mit einem Hammerpreis von 780.000 Franken. Auf die gleiche Summe brachte es „Danseuse au double profil vert“ (500.000), die Chagall um 1978 in seinem letzten Atelier in St-Paul malte. Weitere fünf Chagall-Gemälde konnten in neue Hände vermittelt werden und ließen dabei ihre Taxen allesamt hinter sich.
Edvard Munchs „Mondschein“
Aus dem erstklassigen Angebot expressionistischer Kunst auf Papier stach Erich Heckels Blatt „Zwei ruhende Frauen“ hervor, ein Farbholzschnitt um 1909/10, für den ein letztes Gebot von 480.000 Franken (350.000) nötig war. Für Kirchners 1914 entstandenen raren Holzschnitt „Fünf Kokotten - Berlin“ gingen 920.000 Franken in die Bücher ein. Von Nolde, dem dritten im Bunde der „Brücke“-Künstler, spielte die aquarellierte Lithographie „Meer - Welle“ 200.000 Franken ein.
Außerdem kamen zwei Gemälde Noldes zum Aufruf, von denen „Haus im Schnee bei Cospeda“ mit 1,5 Millionen Franken die Taxe bestätigte, der „Blumengarten (S)“ (1,5 Millionen) jedoch zurückging. Knapp eine halbe Million Franken erreichte Munchs Blatt „Mondschein“ (400.000), ein zwischen 1896 und 1906 von drei Stöcken in fünf Farben gedruckter Holzschnitt.
Rembrandts „Christus heilt die Kranken“ dominierte die 74 Graphiken der Altmeister-Auktion: Das angebotene Exemplar der als „Hundertguldenblatt“ bekannten Radierung erzielte 200.000 Franken (225.000) und blieb damit das einzige sechsstellige Los des Segments. Schongauer schuf um 1480 den Kupferstich „Die Madonna mit dem Apfel“, der mit einem Zuschlag von 80.000 Franken etwas über seiner Schätzung rangiert. Zum gleichen Preis sicherte sich ein Bieter 27 Radierungen von Giovanni Domenico Tiepolo, die 1753 unter dem Titel „Idée Pittoresche sopra la Fuga in Egitto di Giesu, Maria e Gioseppe“ erschienen. Der Umsatz bei der Moderne betrug knapp 28 Millionen Franken, der bei der Altmeistergraphik 950.000 Franken.