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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Alte Meister und 19. Jahrhundert Der Tod lauert doch überall

20.03.2007 ·  Am 22. März starten bei Koller in Zürich die Frühjahrsauktionen. Während im 19. Jahrhundert vor allem die russischen Maler beeindrucken, führt einen Tag später Pieter Brueghel d. Ä. die Versteigerung mit Alten Meistern an.

Von Erdmann Neumeister, Zürich
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Nichts deutet dem ersten Eindruck nach auf dem Gemälde „Winterlandschaft mit Schlittschuhläufern und Vogelfalle“ von Pieter Brueghel d. Ä. darauf hin, dass dem Leben in dieser ländlichen Stille Gefahr droht. Links tummeln sich Kinder auf einem zugefrorenen Fluss, rechts picken Vögel Körner auf, die um ein schrägstehendes Brett ausgestreut sind. Doch gerade von diesem nebensächlich erscheinenden Brett, das offenbar einmal als Tür diente, geht für die arglosen Vögel die Bedrohung aus: Von dessen Stütze führt eine kaum sichtbare Schnur zu einem Fenster im nahe gelegenen Haus, hinter dem ein hinterlistiger Mensch den Vögeln auflauert. Aber auch die Natur hat ihre Tücken: Am unteren Bildrand klafft in der Eisfläche ein Loch, was nicht gerade für die Tragfähigkeit des Eises spricht, auf dem sich die Kinder unbekümmert vergnügen. Schon Brueghels Zeitgenossen haben von diesem Bild eine Replik zu erhalten gewünscht, weil sie es als Parabel über die Fährnisse des irdischen Lebens erachteten.

Diesem Ansinnen kam dann Pieter Brueghel d. J. nach, der zusammen mit seinen Werkstattgehilfen das kleine Gemälde seines Vaters bis zu vierzigmal kopiert hat. Mit einer solchen Replik - die wie so manche andere zwar keine Signatur trägt, aber von einem Experten jüngst als eigenhändige Arbeit des Künstlers identifiziert worden ist - wartet am 23. März die Zürcher Galerie Koller in ihrer Auktion von Gemälden Alter Meister auf; der Wert der Tafel ist auf 680.000 bis 780.000 Franken veranschlagt. Aus der Spätzeit des am Prager Hof wirkenden Manieristen Bartholomäus Spranger stammt eine Allegorie mit Victoria in monumentaler Gestalt, in der der Künstler zum ersten und einzigen Mal direkt auf den Sieg des Habsburger Kaiserhauses über die Türken im Jahr 1606 Bezug nahm (Taxe 220.000/300.000 Franken).

Zunehmender Zuspruch für Russen

Das Angebot in der Auktion mit Gemälden des 19. Jahrhunderts führt diesmal eine größere Gruppe von Werken russischer Künstler an, die sich seit einigen Jahren bei Koller eines zunehmenden Zuspruchs erfreuen. Zu den bekanntesten und gefragtesten unter ihnen zählt der seinerzeit schon vom Zarenhof hochgeschätzte Marinemaler Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski, der in der Versteigerung mit einer in der Ukraine entstandenen Landschaft „Mondschein über dem Dnjepr“ (650.000/ 850.000) vertreten ist. Seine großformatige Ansicht von Neapel mit einem Dichter zwischen Fischern am Strand soll zwei bis drei Millionen Franken einbringen - ein enormer Preis für den Russen.

Gleich eine ganze Kollektion weiblicher Aktdarstellungen von verschiedenen Künstlern zu Preisen von 4000 bis 50.000 Franken kommt zum Verkauf. Sie zierten bis Ende 2006 die Wände des am Genfer See gelegenen Château de Vincy in der Gegend von Lausanne. Zum Inventar dieses Schlosses gehörte auch ein Teil des jetzt bei Koller eingelieferten Mobiliars, dessen untere Gesamtschätzung von 2,5 Millionen Franken gut ein Drittel des Mindestschätzwerts aller in der Möbelauktion angebotenen Objekte ausmacht.

Zu den teuersten zählen eine Folge von chinesischen Paneelen mit idealisierten Park- und Pagodenlandschaften aus dem späten 18. Jahrhundert (200.000/300.000), sowie ein elegantes Damenbureau im Louis-XV-Stil (120.000/200.000) taxiert ist. Den höchsten Zuschlag verspricht ein Sekretär im Louis-XV-Stil mit der Signatur des Pariser Ebenisten Nicolas Petit aus französischem Privatbesitz, dessen Front und Seitenwände mit aus China importierten Lacktafelbildern verziert sind (800.000/1,2 Millionen).

Quelle: F.A.Z., 17.03.2007, Nr. 65 / Seite 46
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