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Alte Meister Londoner Spitzen

 ·  Das Angebot mit Alten Meistern bei Sotheby’s und Christie’s in London kann sich sehen lassen. Angeführt werden die Auktionen von John Constables „Schleuse“.

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© Sotheby’s Überlebensgroßer Star bei Sotheby’s: Guido Renis „David mit dem Kopf des Goliath“, 215 mal 145 cm groß - Taxe 3 bis 5 Millionen

Allemal bemerkenswert ist das Aufgebot bei den Londoner Prestige-Auktionen der Alten Meister in der kommenden Woche. Das absolute Spitzenlos stellt John Constables „Schleuse“ am 3. Juli bei Christie’s dar: Das berühmte, etwa 1825 entstandene Gemälde kommt - versehen mit einer eher vorsichtigen Schätzung von zwanzig bis 25 Millionen Pfund und einer Garantie - aus der Sammlung von Heinrich Thyssen-Bornemisza, eingereicht von seiner Witwe; Thyssen hatte es 1990 bei Sotheby’s für 9,8 Millionen Pfund ersteigert. In gemessenem Abstand zu Constables Landschaft folgt im starken Christie’s-Sortiment Rembrandts „Mann mit Kehlstück und Barett“, der aus der bekannten Niederländer-Sammlung Dreesmann eingeliefert wurde: Taxe acht bis zwölf Millionen Pfund. Ebenfalls direkte Dreesmann-Provenienz weist eines der zauberhaften Kircheninterieurs des Pieter Jansz. Saenredam auf; sein Inneres der Nieuwe Kerk in Haarlem ist mit 1,2 bis 1,8 Millionen Pfund ausgezeichnet.

Auf einer achtzehn mal dreizehn Zentimeter kleinen Kupfertafel des Utrechter Malers Joachim Wtewael aus französischem Adelsbesitz überrascht Vulcanus Mars und Venus im Beilager (Taxe 2/4 Millionen Pfund). Wer die Strenge spanischer Stillleben liebt, den bedient jenes von Juan de Zurbarán mit einem Korb voller Äpfel, mit einem geöffneten Granatapfel und Blumen in einer Glasvase (2,5/3,5 Millionen). Endlich ist fünffach Pieter Brueghel II vertreten, angeführt von einem „Sommer: Die Erntenden“ (2/3 Millionen).

Bei diesem Niederländer hat allerdings Sotheby’s die Nase vorn, wenn dort am 4. Juli des jüngeren Pieter Brueghels „Der Kampf zwischen Karneval und Fasten“ zum Aufruf kommt, laut Katalog die besterhaltene seiner fünf Versionen nach dem Motiv des älteren Pieter Bruegel, das im Wiener Kunsthistorischen Museum hängt: Die Schätzung von vier bis sechs Millionen Pfund für die 117 mal 165 Zentimeter große Eichenholztafel schließt an jene „Prozession zum Kalvarienberg“ an, die Gunter Sachs für 4,6 Millionen Pfund, mit Aufgeld also 5,16 Millionen, vor genau sechs Jahren bei Sotheby’s ersteigerte: Das ist bis heute der Auktionsrekord für den jüngeren Pieter Brueghel. Ebenfalls vier bis sechs Millionen Pfund erwartet das Haus für den dreiteiligen „Feilitzsch Altar“ von Lucas Cranach d. Ä., so geheißen nach seinem Auftraggeber im Jahr 1511.

Insgesamt hat die herrschende Verknappung im Altmeistermarkt nun wohl doch Einlieferer von Spitzenstücken beflügelt, in Erwartung höchster Resultate. Über diese wird zweifellos individueller Geschmack der Kundschaft entscheiden; denn längst sind die Alten Meister von einschlägiger Klientel als Dekoration entdeckt.

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Jahrgang 1956, Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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